Audience Development 'als Bezeichnung für die strategische Entwicklung neuen Publikums für Kultureinrichtungen mit Hilfe unterschiedlicher Vermittlungsfunktionen' (S. 19) ist eine Begrifflichkeit, mit der in den angelsächsischen Ländern seit den 90er Jahren intensiv umgegangen wird. Die Beschäftigung mit den Zielen und Funktionen von Kunst und Kultur sowie mit dem Kultur- und Nichtkulturpublikum hat in Ländern wie Großbritannien und Frankreich zu unterschiedlichsten Ansätzen und Programmen geführt. Auch in Deutschland wird die Auseinandersetzung mit dem Besucher und seinen Bedürfnissen immer dringlicher ' denn das altbekannte Publikum gibt es nicht mehr und das neue ist kaum zu greifen in seinen Ansprüchen und fordert einen anderen Umgang ein.
Mandel zeigt in ihrem einführenden Aufsatz detailliert die Wechselbeziehungen und Rahmenbedingungen von Kulturvermittlung mit den verschiedenen Faktoren wie künstlerisches Produkt und Rezipienten auf. Sie beginnt mit einem Ist-Stand, der von unterschiedlichen Auffassungen von Kulturvermittlung geprägt ist. Deutlich wird in dem Essay jedoch, wie wichtig es ist, Kulturvermittlung als Instrument der 'Gestaltung der Kommunikationsbeziehungen zwischen künstlerischer bzw. kultureller Produktion ... und der Rezeption bzw. dem Publikum' (S. 19) zu verstehen. Es geht um facettenreiche Vermittlungsprozesse, die den individuellen Ansprüchen antworten und nicht versuchen zu missionieren. Birgit Mandel erläutert Kulturvermittlung aus den unterschiedlichen Blickwinkeln der Kulturpolitik, Kulturwissenschaft, Kulturpädagogik und dem Kulturmanagement - letztlich seinen Kooperationspartnern und Einflussfaktoren. Besondere Aufmerksamkeit schenkt sie der Rolle des wegen seiner angeblichen Nähe zur kalkulierenden Betriebswirtschaft oft verschmähten Kulturmanagements und beschreibt seinen bedeutenden, Kultur vermittelnden Wert. Die durch Studien und Erhebungen festgehaltenen Daten zur Kulturrezeption und zu den Beweggründe der Nutzer und Nicht-Nutzer dienen als Basis für die Erläuterungen, auf die die Autorin im Laufe des Textes zurückgreift, um ihre Argumentation nachvollziehbar darzustellen. Es ist ein viele Seiten berücksichtigender Beitrag, der die Komplexität von Kulturvermittlung und ihre Bedeutung schildert.
Ergänzt wird das Buch von zahlreichen Aufsätzen, die das Thema Kulturvermittlung überraschend vielseitig aufgreifen: Zum einen werden 'Positionen der Kulturvermittlung aus Sicht der Kultur- und Gesellschaftspolitik, des Kulturmanagements, der kulturellen Bildung und der Künste' beleuchtet. Darunter ein spannender Text von Adrienne Göhler, die die Entwicklung hin zur Kulturgesellschaft beschreibt, in der Kreativität, von jedermann möglich, als wichtigstes Gut begriffen wird. Zum anderen beschäftigt sich der dritte und letzte Teil mit den Praxisfeldern von Kulturvermittlung, deren Projekte und Potenziale. Es werden Konzepte aus Tanz, Musik, Theater und Gesundheitswesen vorgestellt. Darunter das 'Projekt Landarbeit' während dem künstlerische Aktivitäten, ein Fest- und Veranstaltungsprogramm in einem Dorf bei Hildesheim durchgeführt wurden. Neuste künstlerische Ansätze bezogen die Bewohner mit ein und verlangten nach multipler Vermittlung. Der nationale und internationale Forschungsstand gibt der Kulturpolitik und dem Kulturbetrieb eine fundierte 'Bedarfsanforderung' und innovative Handlungsbeschreibungen für ein nachhaltiges Audience Development. Der Anspruch an diese besteht nun darin, die Erkenntnisse zu reflektieren, ernst zu nehmen und endlich eine wie auch immer geartete, ernsthafte Umsetzung in die Wege zu leiten. Birgit Mandel liefert mit ihrem Buch eine äußerst lesenswerte Darstellung für 'Konzeptionen und Handlungsfelder der Kulturvermittlung'. --- Veronika Schuster für Kulturmanagement Network