roger behrens, der zur zeit an drei deutschen hochschulen lehr-aufträge wahrnimmt, kommt in seiner neuesten veröffentlichung zu dem schluss, dass die einst provokative geste der KUNST "vomterror der realität" längst überholt worden sei. kultur, zur banalen kulturindustrie verflacht, gelänge schon lange nicht mehr der kreative widerstand gegen eine falsche welt. wo früher noch sozialwissenschaft studiert wurde, belege man heutzutage kultur- und medien-management in verbindung mit betriebswirtschaftslehre. dass in den von der unterhaltungs-branche hergestellten produkten "star und diktator als sieger hervorgehen" - dabei beschleiche niemanden mehr ein mulmiges gefühl (schließlich passt es auch zum aktuellsten amerikanischen wählerverhalten); auch da gilt: was als angeblich harmloses computer-spiel begann, wird von der realität überboten; das gilt für die attentats-flieger auf das world-trade-center wie für den schulischen amoklauf in erfurt; der US-soldat im irak lässt sich von passender musik im kopfhörer anpeitschen. der schrecken - er hat sich nicht verflüchtigt, ja das publikum wird dahin-trainiert, kampf-strukturen zu akzeptieren: im hollywood-kriegsfilm (der den wirklichen kriegszügen ideologisch unter die arme greift); im zynischen, auf beiden seiten der kreuzzugs-front betriebenen vorantreiben der tödlichkeit, sei es durch sprengstoff-gürtel, sei es komfortabel per flugzeugträger; in der scheinbar banalen doku-soap im vorabend-TV-programm: während die einen, in urwald oder container gestopft, in ihrer leidensfähigkeit getestet werden, genießt das publikum am bildschirm vom sofa aus "die demütigung des schwachen, die schadenfrohe diskriminierung". dabei darf nicht vergessen werden, dass "mit ähnlichen containern die wohnunterkünfte für niedriglohnkolonnen aus osteuropa zusammengestellt" werden, "auch die abschiebeknäste für unerwünschte migranten. vor ihnen formiert sich der brandschatzende mob der neofaschistischen jugendlichen." zur umkehr scheint keine KUNST mehr aufzurufen, nur zur beschleunigung des hektischen, aggressions-freudigen treibens. man sollte sich durch die kleinheit des büchleins nicht dazu verführen lassen zu glauben, es sei unwichtig.