Buch der 1000 Bücher
Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Kulturgeschichte der Neuzeit
OA Einleitung und 1. Buch 1927, 2. und 3. Buch 1928, 4. und 5. Buch, Epilog 1931Form Sachbuch Bereich Geschichte
Die monumentale Kulturgeschichte der Neuzeit, deren einzelnen Bände bis 1931 erschienen, stellt die kulturelle Entwicklung des westlichen Menschen vom Beginn der Renaissance bis zum Ersten Weltkrieg dar. Im Werk schildert Friedell auf originelle und feinsinnige Weise zahlreiche historische Ereignisse und bedeutungsvolle Persönlichkeiten.
Aufbau: Die Kulturgeschichte der Neuzeit besteht aus einer Einleitung, in der Friedell seine Methodologie erläutet (im wesentlichen ein feierliches Bekenntnis zur subjektiven Geschichtsschreibung als Kunst), aus fünf chronologisch geordneten Büchern, sowie aus einem kurzen Epilog. Das Werk steht im Spannungsverhältnis zweier divergenter Ordnungsprinzipien: einerseits des Versuchs, die die Neuzeit bestimmenden Strömungen über die Jahrhunderte zu verfolgen; andererseits des Anspruchs, in lebendiger Abfolge die wichtigsten sozialen, geistigen und politischen Entwicklungen dieses europäischen Zeitalters sowie seine schillerndsten Persönlichkeiten zu streifen. Letzteres macht eine anekdotenhafte Erzählweise erforderlich, so dass mehrere Unterkapitel als in sich geschlossene Essays aufgefasst werden können.
Unmittelbar ausschlaggebend für die Zeitwende, so Friedell, sei die Schwarze Pest gewesen, wobei er diese Zäsur sowohl willkürlich als auch symbolisch setzt. Die Metapher Krankheit und Psychose begleiten durchgehend Friedells Darstellung der Neuzeit, dieser »ununterbrochenen Krisis der europäischen Seele«. So sieht er im ausgehenden Mittelalter die »Inkubationszeit«, in Rinascita und Reformation (»Säkularisation der Menschen«) den »Ausbruch der Krankheit« und in der Barockzeit den Versuch, dem »Giftstoff« des Rationalismus zu widerstehen. Doch sogar Gegenströmungen zum Rationalismus bedienen sich nach Friedells Ansicht der Mittel des Rationalismus, so sei die Romantik, eine »Revolte gegen den Intellektualismus, mit rein intellektuellen Mitteln« gewesen. Daher sei der Sieg der »naturwissenschaftlichen Weltanschauung« in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts unaufhaltsam gewesen, eine Weltanschauung, die sich im Nihilismus jedoch selbst negiert habe und in der »naturnotwendigen Katastrophe des Weltkriegs« in sich zusammengebrochen sei. Dieser Krieg sei zugleich Finale und Auftakt zu einem neuen Zeitalter des Irrationalismus.
Inhalt: Aus dem enzyklopädischen Wissensschatz von Friedell lernt der Leser, warum man nur von einer italienischen Renaissance sprechen könne, wieso es keine zufälligen Erfindungen gebe, worin der Unterschied zwischen Schönheit und Güte liege, wieso Faust als Realpolitiker endete und wie sich Jesus zur sozialen Frage verhalte. Der Leser begegnet der Dramaturgin Roswitha, dem göttlichen Aretino, einem kindlichen Luther, dem keineswegs liebenswürdigen Michelangelo, dem Mephisto der Romantik, dem Sänger aus Thule, und wird Zeuge von 500 Jahren Haartracht, Mode und Esskultur.
Dabei meidet Friedel genausowenig die Verwendung anachronistischer Schlagwörter der zeitgenössischen Debatte (z. B. Materialismus und Nihilismus) wie subjektive Ansichten. Er nimmt häufig auf seinem christlichen Glauben Bezug und analysiert seine Sujets mit Vorzug nach ihrem Nationalcharakter.
Wirkung: Gerade heute in Zeiten der Political Correctness macht dieser eigentümliche Stil Friedells die Lektüre so erfrischend, auch wenn seine Fundamentalkritik der Moderne, zu seiner Zeit von rechten Kräften missbraucht, heute ohne größeren Einfluss bleibt. B. A.
Kulturgeschichte der Neuzeit
OA Einleitung und 1. Buch 1927, 2. und 3. Buch 1928, 4. und 5. Buch, Epilog 1931Form Sachbuch Bereich Geschichte
Die monumentale Kulturgeschichte der Neuzeit, deren einzelnen Bände bis 1931 erschienen, stellt die kulturelle Entwicklung des westlichen Menschen vom Beginn der Renaissance bis zum Ersten Weltkrieg dar. Im Werk schildert Friedell auf originelle und feinsinnige Weise zahlreiche historische Ereignisse und bedeutungsvolle Persönlichkeiten.
Aufbau: Die Kulturgeschichte der Neuzeit besteht aus einer Einleitung, in der Friedell seine Methodologie erläutet (im wesentlichen ein feierliches Bekenntnis zur subjektiven Geschichtsschreibung als Kunst), aus fünf chronologisch geordneten Büchern, sowie aus einem kurzen Epilog. Das Werk steht im Spannungsverhältnis zweier divergenter Ordnungsprinzipien: einerseits des Versuchs, die die Neuzeit bestimmenden Strömungen über die Jahrhunderte zu verfolgen; andererseits des Anspruchs, in lebendiger Abfolge die wichtigsten sozialen, geistigen und politischen Entwicklungen dieses europäischen Zeitalters sowie seine schillerndsten Persönlichkeiten zu streifen. Letzteres macht eine anekdotenhafte Erzählweise erforderlich, so dass mehrere Unterkapitel als in sich geschlossene Essays aufgefasst werden können.
Unmittelbar ausschlaggebend für die Zeitwende, so Friedell, sei die Schwarze Pest gewesen, wobei er diese Zäsur sowohl willkürlich als auch symbolisch setzt. Die Metapher Krankheit und Psychose begleiten durchgehend Friedells Darstellung der Neuzeit, dieser »ununterbrochenen Krisis der europäischen Seele«. So sieht er im ausgehenden Mittelalter die »Inkubationszeit«, in Rinascita und Reformation (»Säkularisation der Menschen«) den »Ausbruch der Krankheit« und in der Barockzeit den Versuch, dem »Giftstoff« des Rationalismus zu widerstehen. Doch sogar Gegenströmungen zum Rationalismus bedienen sich nach Friedells Ansicht der Mittel des Rationalismus, so sei die Romantik, eine »Revolte gegen den Intellektualismus, mit rein intellektuellen Mitteln« gewesen. Daher sei der Sieg der »naturwissenschaftlichen Weltanschauung« in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts unaufhaltsam gewesen, eine Weltanschauung, die sich im Nihilismus jedoch selbst negiert habe und in der »naturnotwendigen Katastrophe des Weltkriegs« in sich zusammengebrochen sei. Dieser Krieg sei zugleich Finale und Auftakt zu einem neuen Zeitalter des Irrationalismus.
Inhalt: Aus dem enzyklopädischen Wissensschatz von Friedell lernt der Leser, warum man nur von einer italienischen Renaissance sprechen könne, wieso es keine zufälligen Erfindungen gebe, worin der Unterschied zwischen Schönheit und Güte liege, wieso Faust als Realpolitiker endete und wie sich Jesus zur sozialen Frage verhalte. Der Leser begegnet der Dramaturgin Roswitha, dem göttlichen Aretino, einem kindlichen Luther, dem keineswegs liebenswürdigen Michelangelo, dem Mephisto der Romantik, dem Sänger aus Thule, und wird Zeuge von 500 Jahren Haartracht, Mode und Esskultur.
Dabei meidet Friedel genausowenig die Verwendung anachronistischer Schlagwörter der zeitgenössischen Debatte (z. B. Materialismus und Nihilismus) wie subjektive Ansichten. Er nimmt häufig auf seinem christlichen Glauben Bezug und analysiert seine Sujets mit Vorzug nach ihrem Nationalcharakter.
Wirkung: Gerade heute in Zeiten der Political Correctness macht dieser eigentümliche Stil Friedells die Lektüre so erfrischend, auch wenn seine Fundamentalkritik der Moderne, zu seiner Zeit von rechten Kräften missbraucht, heute ohne größeren Einfluss bleibt. B. A.
Pressestimmen
Friedells 'Kulturgeschichte' nimmt in der Historienschreibung eine besondere Rolle ein - als einer der eigenwilligsten und faszinierendsten jener Exkurse in die Vergangenheit, die es vermögen, uns frühere Zeiten und Erscheinungen nahezubringen. Durch seine Gabe einer ebenso klugen und klaren wie leuchtenden Sprache verstand er ein Gedankengebäude wie die Kantsche Philosophie nicht minder genial zu umreißen als dem Zeitgeist des Rokoko oder des zweiten Kaiserreichs lebendige Existenz einzuhauchen. Mit einer unglaublichen Belesenheit, einem bestrickenden Witz, einem exakt wissenschaftlichen Verstand und wahrhaft subtilem Kunstgeschmack gibt er unzählige Aspekte der kulturellen Entwicklung des europäischen - und amerikanischen - Menschen von der Renaissance bis zum Ersten Weltkrieg. Er stellt ihm in seine äußere und geistige Umwelt, schildert seinen Alltag, seine Tracht und Sitte mit derselben evokativen Frische wie die großen ideologischen Strömungen der Zeit. (Hilde Spiel) Friedell schrieb, mit Vorsatz, eine persönliche Kulturgeschichte. Ein Geschichtswerk, das als planer Spiegel die Vergangenheit reflektieren wollte, schien im ein absudissimum: "Fände selbst ein Sterblicher die Kraft, etwas so Unparteiisches zu produzieren, seine Leistung bliebe unbemerkt, denn kein anderer Sterblicher fände die Kraft, etwas so Langweiliges zu lesen." So wenig wie an die Möglichkeit, Geschichte 'objektiv' zu schreiben, glaubte er an die Möglichkeit, ihre Kausalitäten logisch zu entwirren. Er wählte einen anderen Weg, in diese einzudringen; den des Künstler, der die Fakten so formt und belichtet, daß in ihnen die Idee, die platonische Idee ihres Zeitalters, dessen 'Seele' erkennbar wird ... Wo das Beglaubigte, das geschichtlich Sichere, nicht ausreichte, seine Interpretationen des Gewesenen zu stützen, verbreiterte er die Stütze durch Einschmelzung des Wahrscheinlichen in das Sichere. Friedells Wahrscheinlichkeiten sind verführerisch. Sie bezeugen schöpferische Einbildungskraft und psychologischen Spürsinn. (Alfred Polgar)
Kurzbeschreibung
"Mit einer unglaublichen Belesenheit, einem bestrickenden Witz, einem exakt wissenschaftlichen Verstand und wahrhaft subtilen Kunstgeschmack gibt Friedell unzählige Aspekte der kulturellen Entwicklung des europäischen - und amerikanischen - Menschen von der Renaissance bis zum Ersten Weltkrieg. Er stellt ihn in seine äußere und geistige Umwelt, schildert seinen Alltag, seine Tracht und Sitte mit derselben evokativen Frische wie die großen ideologischen Strömungen der Zeit." Hilde Spiel Die Kulturgeschichte der Neuzeit von Egon Friedell, erstmals 1927 bis 1931 als dreibändiges Werk herausgegeben, 1989 als einbändige Sonderausgabe aufgelegt, 1996 in Beck's Historische Bibliothek übernommen, erscheint jetzt in neuer Ausstattung. "Die Darstellung besitzt spielerische Leichtigkeit, bezwingenden Charme, der das Publikum seit Jahrzehnten verführt. Zauber des Schriftstellers Egon Friedell: Wir gehen ihm mit Vergnügen auf den Leim, ohne uns je düpiert zu fühlen." Ulrich Weinzierl, Frankfurter Allgemeine Zeitung "Friedells Kulturgeschichte liest sich dank seiner literarischen Gestaltungskraft wie ein spannender Roman." Neue Zürcher Zeitung
Klappentext
BECK'S HISTORISCHE BIBLIOTHEK
"Mit einer unglaublichen Belesenheit, einem bestrickenden Witz, einem exakt wissenschaftlichen Verstand und wahrhaft subtilem Kunstgeschmack gibt Friedell unzählige Aspekte der kulturellen Entwicklung des europäischen und amerikanischen Menschen von der Renaissance bis zum Ersten Weltkrieg. Er stellt ihn in seine äußere und geistige Umwelt, schildert seinen Alltag, seine Tracht und Sitte mit derselben evokativen Frische wie die großen ideologischen Strömungen der Zeit."
Hilde Spiel
Autorenporträt
Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Friedell, Egon (eigtl. Egon Friedmann) österreich. Publizist *21.1.1878 in Wien 16.3.1938 in ebd. (Freitod) Kulturgeschichte der Neuzeit, 1927-31 Der Schriftsteller, Schauspieler, Kabarettist und Theaterkritiker Egon Friedell wurde dem Lesepublikum vor allem mit seinen Büchern Kulturgeschichte des Altertums (1936-49) sowie der Kulturgeschichte der Neuzeit bekannt. Kurz nach Friedells Geburt als zweiter Sohn eines jüdischen Ehepaars verließ seine Mutter die Familie. Nach dem Tod seines Vaters elf Jahre später wurde Friedell von seinen zwei Geschwistern getrennt und von einer Tante in Frankfurt aufgenommen. Nach dem Besuch verschiedener Schulen bestand Friedell 1899 das Abitur im vierten Anlauf. Schon während des anschließenden Philosophie-Studiums in Wien schrieb Friedell erste Theaterkritiken; nach seiner Promotion 1905 trat er mit zunehmender Häufigkeit im Theater auf. 1913 spielte er unter Max Reinhardt (1873-1943)in Wien und am Deutschen Theater in Berlin. In den folgenden Jahren kam eine Tätigkeit als Dramaturg, Autor, Übersetzer, und Herausgeber hinzu. Friedell pflegte in seinen Werken einen sehr eigenwilligen Stil, der durch seine betonte Gläubigkeit (Friedell war bereits 1897 zum Augsburger Bekenntnis konvertiert), Geistigkeit und Ironie einerseits, durch seine Ablehnung der Moderne (samt Rationalismus, Kapitalismus und Sozialismus) andererseits gekennzeichnet war. Seine feste Größe in der österreichischen Theater- und Literaturszene konnte Friedell indes nicht von weiteren Schicksalsschlägen bewahren: verfolgt von Geldnot, Diabetes sowie der Furcht, seine kritische Kulturgeschichte der Neuzeit habe Hitler dem Weg geebnet, konnte sich Friedell nach dem deutschen Einmarsch in Österreich nicht zur Flucht durchringen und sprang 1938 bei der Festnahme durch die SA aus dem Fenster seiner Wiener Wohnung. Biografie: W. Lorenz, Egon Friedell, 1994.
Friedell, Egon (eigtl. Egon Friedmann) österreich. Publizist *21.1.1878 in Wien 16.3.1938 in ebd. (Freitod) Kulturgeschichte der Neuzeit, 1927-31 Der Schriftsteller, Schauspieler, Kabarettist und Theaterkritiker Egon Friedell wurde dem Lesepublikum vor allem mit seinen Büchern Kulturgeschichte des Altertums (1936-49) sowie der Kulturgeschichte der Neuzeit bekannt. Kurz nach Friedells Geburt als zweiter Sohn eines jüdischen Ehepaars verließ seine Mutter die Familie. Nach dem Tod seines Vaters elf Jahre später wurde Friedell von seinen zwei Geschwistern getrennt und von einer Tante in Frankfurt aufgenommen. Nach dem Besuch verschiedener Schulen bestand Friedell 1899 das Abitur im vierten Anlauf. Schon während des anschließenden Philosophie-Studiums in Wien schrieb Friedell erste Theaterkritiken; nach seiner Promotion 1905 trat er mit zunehmender Häufigkeit im Theater auf. 1913 spielte er unter Max Reinhardt (1873-1943)in Wien und am Deutschen Theater in Berlin. In den folgenden Jahren kam eine Tätigkeit als Dramaturg, Autor, Übersetzer, und Herausgeber hinzu. Friedell pflegte in seinen Werken einen sehr eigenwilligen Stil, der durch seine betonte Gläubigkeit (Friedell war bereits 1897 zum Augsburger Bekenntnis konvertiert), Geistigkeit und Ironie einerseits, durch seine Ablehnung der Moderne (samt Rationalismus, Kapitalismus und Sozialismus) andererseits gekennzeichnet war. Seine feste Größe in der österreichischen Theater- und Literaturszene konnte Friedell indes nicht von weiteren Schicksalsschlägen bewahren: verfolgt von Geldnot, Diabetes sowie der Furcht, seine kritische Kulturgeschichte der Neuzeit habe Hitler dem Weg geebnet, konnte sich Friedell nach dem deutschen Einmarsch in Österreich nicht zur Flucht durchringen und sprang 1938 bei der Festnahme durch die SA aus dem Fenster seiner Wiener Wohnung. Biografie: W. Lorenz, Egon Friedell, 1994.