Eines der gravierendsten Probleme der menschlichen Urteilskraft liegt in der zeitlichen Beschränkung ihres geistigen Horizonts, der meistens nur wenige Jahrzehnte zurückreicht und dazu neigt, die Vergangenheit als "die gute alte Zeit"zu verklären. Nirgendwo wird dieses Manko deutlicher als in der aktuellen Klimadebatte. Ungewohnte Hitzesommer und milde Winter ohne Schnee verunsichern die Menschen, deren Eindruck durch reißerische Presseberichte über Monate mit Rekordtemperaturen verstärkt wird. Die veröffentlichte Meinung hat sich dabei einseitig auf den Menschen als Verursacher dieser Klimaveränderung festgelegt, die angeblich unsere ganze Zivilisation zu vernichten droht, wenn ihr nicht mit einschneidenden Maßnahmen gegengesteuert wird.
Da der Kern der Debatte, ob die Klimaveränderung anthropogenen Ursprungs ist oder nicht, für die meisten naturwissenschaftlichen Laien unentscheidbar ist, hilft ein Rückblick in die Geschichte des Klimas. An dieser Aufgabe versuchte sich der Historiker Wolfgang Behringer, der in seiner "Kulturgeschichte des Klimas - Von der Eiszeit zur globalen Erwärmung" untersucht, wie sich das Klima auf der Erde entwickelte und dabei den Verlauf der Menschheitsgeschichte beeinflusste.
Verblüfft nimmt der Leser zur Kenntnis, dass es weder einen konstanten Klimaverlauf gab, noch einen dynamischen Pendeln um einen bestimmten Durchschnittswert herum. Perioden mit eisfreien Polkappen wechselten mit Eiszeiten ab. Auf Klimaoptima folgten -pessima. Und all diese Phasen waren nicht frei von extremen Ausschlägen. Ein Referenzwert für ein "normales" Klima lässt sich dabei nicht ausmachen. Behringer hält sich nicht lange mit der Erörterung der naturwissenschaftlichen Ursachen dieses Wandels auf, sondern zeigt auf, wie er sich auf die menschliche Zivilisation ausgewirkt hat. Es ist erstaunlich, wie fast jedem historischen Epochenwechsel ein Klimawandel vorausging, so wie beispielsweise beim Übergang von der Jagd- und Sammlerkultur der Mittleren Steinzeit zur Ackerbaukultur der Jungsteinzeit oder von der Bronze- zur Eisenzeit. Aber den Schwerpunkt des betrachteten Zeitrahmens legt Behringer auf die in den Beginn der Neuzeit fallende Kleine Eiszeit, die Europa vor gewaltige Herausforderungen stellte. Ihre Auswirkungen führt Behringer dem Leser nachfühlbar vor Augen, indem er die Auswirkungen des nassen, kalten Wetters und der eisigen Winter bis in die menschliche Psyche hinein nachgeht. Die Kleine Eiszeit markiert für Behringer die europäische Abwendung vom religiösen Irrationalismus, der Hexen oder die Strafe Gottes für wetterbedingte Missernten verantwortlich machte, durch an der Vernunft orientierten Lösungen, an deren Ende die Industrielle Revolution stand. Erst ab hier wurde der Mensch dank der Technik unabhängig von den unberechenbaren Launen des Klimas.
Ohne sich auf eine bestimmte Ursache für den Klimawandel festzulegen, geht Behringer in seinen Schlussbetrachtungen mit den Alarmisten und ihren Prognosen, die sich oft als unzutreffend herausstellten, hart ins Gericht: "Was heute wahr erscheint, ist morgen Schnee von gestern." Ebenso kritisiert er die einseitige Festlegung der Klimaforschung auf das Kohlendioxid als maßgeblichen Verursacher der Erwärmung und fragt spitz: "Wenn der CO2-Anteil der Atmosphäre die Temperatur bestimmt und der vorindustrielle CO2-Anteil konstant bei 280 ppm lag, woher kamen dann die Temperaturschwankungen des letzten Jahrtausends? Ist die Hypothese falsch? Sind die Messdaten falsch? Oder wurde nur die Statistik gefälscht, um den Klimawandel zu dramatisieren?"
Statt der absurden Vorschläge zur Reduktion der Kohlendioxid-Emissionen empfiehlt er Gelassenheit und eine pragmatische Anpassung an den Klimawandel, der ohnehin unvermeidbar sei. "Die Welt wird nicht untergehen", so Behringers positive Botschaft, die auf manchen mit apokalyptischen Szenarien aufwartenden Klimaforscher wie eine bittere Pille wirken muss.
Es ist zu hoffen, dass dieses Buch eine möglichst breite Verbreitung findet, um die feste Phalanx der Alarmisten zu durchbrechen. Wer auch als Laie eine sichere Grundlage in der Klimadebatte haben will, sollte unbedingt zu Behringers Werk greifen. Danach kann er die nächsten Schreckensmeldungen der "falschen Propheten und moralischen Unternehmer", die aus einer herbeigeredeten Klimakrise Kapital zu schlagen versuchen, beruhigter angehen.