Diese Zeile aus der FAZ passt zu einem der großen Feuilletonisten der alten Wiener Kaffeehaus-Szene. Als Schauspieler, Partylöwe und Nichtstuer bekannt oder verschrien, erlangte er mit seinem Buch: Kulturgeschichte der Neuzeit Weltruhm. Gleichzeitig deckte dieses Buch das Doppelleben auf, vor allem sein Bücherleben im Schlafrock. Posthum im Jahre 1950 erschien dieser Band der "Kulturgeschichte Griechenlands". Friedell, der in und wegen der NS-Zeit freiwillig aus dem Leben schied, war kein Historiker, dennoch wohl gebildet und äußerst eloquent. Mit diesen Voraussetzungen gelingt ein bravouröser Band über Land, Klima, Vegetation und der Geographie Griechenlands insgesamt als "Ionischer Frühling", eher er auf die kulturellen, literarischen Aspekte eingeht im "Welttag Athens". Alles, was Friedell bewegt, zeigt er als anekdotische Porträts. Seine Seiten lesen sich in spielerischer Leichtigkeit, gepaart mit Witz und vielleicht einem Wiener Charme.
Man muss also nicht alles für bare Münze nehmen, getreu dem Motto von Oscar Wilde, dass Kunst auch die Fähigkeit habe, die Wahrheit zu verbergen. Und doch gelingt es ihm, die als Totenmaske bekannten Größen griechischer Kultur wieder zu beleben. So zu beleben, dass "der wirkliche Mensch [als] Mensch des Tages und des täglichen Lebens" neu erscheint aus der Kunst, aus der Idee und in seiner (Friedells) Sehnsucht eine neue Gestaltung sich vollzieht.
In diesem Sinne gelesen, ist Friedell in seiner Art ein Meilenstein der gebildeten und bildenden Erzählkunst.
~~~