Kulturbedingte Kommunikationsprobleme erfolgreich bewältigen
Die Dissertation greift ein Thema auf, das wegen der Osterweiterung der Europäischen Union bzw. der wachsender Zahl deutsch-ungarischer Joint Ventures von höchster Aktualität ist. Die Verfasserin geht im Rahmen eines interdisziplinären Ansatzes der Frage nach, ob sich aus der Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Ungarn Kommunikationsprobleme ergeben. Dabei stütz sie sich zum einen auf Hofstedes Modell der Kulturdimensionen zum anderen auf weitere, dieses Modell ergänzende Ansätze und baut auf diese Weise einen wohl begründeten eigenen theoretischen Forschungsrahmen auf.
Es werden durch den Einsatz von Interviews, schriftlichen Befragungen und teilnehmender Beobachtung greifbare, weil empirisch fundierte Aussagen über ähnliches und abweichendes Verhalten in arbeitsrelevanten interkulturellen Situationen getroffen. Die systematisch erfassten Befunde reflektieren stets sowohl die deutsche als auch die ungarische Perspektive und zeigen, auf welche Weise Kommunikationsstörungen oder gar Konflikte entstehen - beispielsweise aufgrund der unterschiedlichen Konflikthandhabung, des abweichenden Zeitverständnisses oder wegen der unterschiedlichen Gewichtung der Beziehungs- und der Sachebene. Zudem wird auf die Rolle von Stereotypen, Tabus und der Sprache sowie auf die nonverbale Kommunikation eingegangen.
Bei der Interpretation der Daten fällt positiv auf, dass immer wieder betont wird, hierbei handele es sich um Tendenzen, d.h. um verallgemeinernde Aussagen, die lediglich Orientierungshilfe bieten. In Kenntnis der kulturbedingten Unterschiede können jedoch zahlreiche Vorkehrungen getroffen werden, wodurch sich Kommunikationsstörungen reduzieren oder beseitigen lassen. Das dies durchaus möglich ist, wird im besonders gut gelungenen Teil E Vorschläge für eine effiziente deutsch-ungarische Zusammenarbeit greifbar, in dem deutlich wird, dass kulturelle Unterschiede auch einen Mehrwert erzeugen können. An dieser Stelle werden detaillierte Handlungsempfehlungen für die Vertreter beider Kulturen ausgesprochen sowie Problemfelder im Bereich der Marketingkommunikation und in der Personalauswahl erörtert. Dadurch stellt die Arbeit nicht nur aus wissenschaftlicher Sicht einen bedeutsamen Beitrag zu der etablierenden Forschung zur interkulturellen Wirtschaftskommunikation dar, sondern ist auch von hoher praktischer Relevanz.