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Diese beschriebenen Stereoptypen sind zweifellos Inhalt der umfassenden Reiseliteratur zu Brasilien - da ja bekanntlich in jedem Fünkchen Wahrheit steckt. Ein neuer "Reiseführer", der eigentlich kein "Führer" in dem klassischen Sinne sein möchte, ist im Frühjahr 2002 im Reise-know-How Verlag Bielefeld in der Reihe "Kulturschock" erschienen. Die Reihe - sich selbst als andere Alternative zur klassischen Reiseliteratur á la MarcoPolo verstehend - wirft einen besonderen Blick auf "Land und Leute". So verrät das Cover gleich "Andere Länder - Andere Sitten: Alltagskultur, Tradition, Verhaltensregeln, Religion, Tabus, Mann und Frau, Stadt- und Landleben". Diese Überschriften sind demnach auch wichtigste Kategorien, die der Auto Carl D. Goerdeler, als Guidelines für seine Kapitel nutzt.
Der Aufbau gleicht einem "normalen" Werk: Geschichte, Kultur, Alltag, Praxistipps. Doch liest sich das ganze Buch wie ein Roman einer lebendigen, wahren Lebensgeschichte eine Landes das gerade den deutschen Rezepienten - und Reisenden - immer- und immerwieder fasziniert. Goerdeler transportiert diese Faszination einerseits, indem er seine Liebe zu Details offenbart. Andererseits beschreibt Goerdeler ernüchtert und manchmal auch ernüchternd einige Realitäten, die "eben so sind" und ganz brasilianisch "durch irgendeinen Weg" gelöst werden können. Falls keine Lösung in Sicht ist, dann leben man und frau eben damit, eben der "Jeitinho Brasileiro". Diese Art der Lebenskunst bezeichner Goerdeler - den brasilianischen Sozialforscher Roberto DaMatta zitierend - als "Synthese der Unvereinbarkeit", als Hin- und Hergerissensein zwischen den äusseren Gesetzen und Normen der Zivilisation und zwischen den Bedürfnissen der privaten Personen ("Eine solche Lenbenskunst ist der Jeitinho Brasileiro, der Kniff, der Trick, die geglückte Improvisation, die Geschmeidigkeit, mit der man Vorschriften oder Hindernisse umgeht, krz das unglaubliche Talent der Brasilianer, mit den Unbilden des Alltags fertig zu werden und drohende Katastrophen spielerisch zu umdribbeln").
Ferner vermeidet es Goerdeler "eine brasilianische Kultur" zu verkaufen, die Vielfalt des Landes spiegelt sich in der Vielfalt der Beschreibungskategorien wider. ("Brasilien hat viele Gesichter (und) ist ein wenig wie das Nationalgericht, die feijoada, ein Sud aus schwarzen Bohnen, weissem Reis, gelbem Maniokmehl, Orangen und Schweinsohren ..."). Gewürzt wird dieses mit hier und da sarkastischen Bemerkungen des Autors.
Goerdeler gelingt es, aus einer Aussenperspektive heraus die brasilianische Gesellschaft und Kultur zu beschreiben und gleichzeitig mit eigenen, deutschen Gewohnheiten, Kenntnissen und (Be)Urteil(ung)en zu mischen ("Mir san mir" - dieses selbstbewusste Identitätsgefühl der Bayern trifft auch auf die Brasilianer zu. Sie haben weniger Minderwertigkeitskomplexe als alle ihre lateinamerikanischen Nachbarn, und gegen den grossen Bruder im Norden, die Yankees, hegen sie keine Ressentiments). Dieses Phänomen "Kulturschock" ist ein weiterer roter Faden Goerdelers Abhandlung.
Abgerundet wird das im s/w Druck gehaltene Werk - dem Augenpaar auf dem Cover nach, könnte der aufmerksame Betrachter schnell der Meinung sein, es handelt sich um eine religiös-sektistische Publikation - mit einem kurzen Serviceteil, der ausreicht, die ersten Tage problemlos in Brasilien zu überstehen - ansonsten hilft eben der "Jeitinho".
Fazit: Das beste reise-literarische Werk zu Brasilien, das sich gegenüber der touristisch, massenorientierten gehaltenen Standardabhandlungen erfreulich abhebt. Ein Buch zum Kennenlern, Eintachen und Liebenlernen des Landes Brasilien
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