Ein Buch für alle, die sich mit Marketing-, Organisations- und Strategiefragen in Unternehmen beschäftigen. Und ich empfehle es wärmstens, obwohl "Kultur" ein Leitbegriff ist, der ungemein schwierig einzugrenzen ist. Davon zeugen auch die verschiedenen Definitionen zu Beginn des Buches. Da hilft auch der Duden nicht weiter, steht doch in der Erklärungsbibel: "Kultur ist die Gesamtheit aller geistigen und künstlerischen Äußerungen einer Gemeinschaft." Und weil dies auch der Autor merkte, präzisiert er weiter unten: "Alles Kultur? - Zumindest wenn für uns "alles" das ist, worüber wir sprechen und was wir benennen können." Doch das ist mir zu kurz gegriffen, weil dieser Ansatz das Unbewusste zu wenig berücksichtigt, das doch immerhin unsere Verhaltensmuster mehrheitlich bestimmt. Doch wie eingangs gesagt, sich bei diesem Buch an Definitionsfragen zu reiben, wird seinem Inhalt nicht gerecht.
Michael Loebbert ist schon früh auf die Macht der Geschichten gestoßen und hat zum Thema Storytelling und Storymanagement auch lesenwerte Bücher verfasst. Daher hat der Autor ein sicheres Gespür für die Bedeutung und Interpretation von Mustern. Und genau darum geht es letztlich auch in diesem Buch, ob wir sie nun kulturelle Muster oder Geschichten nennen. Nachdem dem Leser in der Einleitung recht detailliert gesagt wird, was ihn auf den folgenden Seiten erwartet, erläutert der Autor im ersten Kapitel, warum Kultur der alles entscheidende Faktor ist. Auf die Wie-Frage kommt er dann in den beiden folgenden Kapiteln zu sprechen, um schließlich im letzten Abschnitt konkrete Ratschläge zu formulieren, wie Kultur geführt, gestaltet und verändert werden kann. Statt dem Leser das Stochern in einer mehrseitigen Literaturliste zuzumuten, führt Michael Loebbert die Personen und Werke auf, die ihn beeinflussten. Kurz kommentiert und neugierig machend.
Leser mit dem Hintergrund einer traditionellen Ausbildung in Betriebswirtschaft, Marketing, Organisationspsychologie oder ähnlichen Materien werden wohl etwas Mühe bekunden, dem Ansatz von Michael Loebbert sogleich folgen zu können. Weniger weil es der Autor nicht schafft, sich klar auszudrücken, sondern weil sich Kulturelles nicht nur mit logischem Denken und rationalen Analysen erfassen lässt. Aber wer die erste mentale Hürde übersprungen hat, wird dank der vielen Beispiele und Erläuterungen bestimmt verstehen, wo im eigenen Unternehmen Handlungsbedarf angesagt ist.
Mein Fazit: Dieses Buch würde ich irgendwo in der Schnittmenge zwischen systemischen Ansätzen und Storymanagement ansiedeln. Michael Loebbert gehört auf jeden Fall zu den Managementberatern, die schon länger vom Homo oeconomicus Abschied genommen haben und nun intensiv auf der Suche nach adäquateren Systemen und Denkansätzen sind. Wer Fundiertes und Aktuelles zu bestimmenden Ordnungsmustern wissen möchte, wird bei Michael Loebbert fündig.