Wer Jacob Burckhardts gewaltiges Hauptwerk Die Kultur der Renaissance in Italien lesen will, muss sich darauf gefasst machen, von einer überaus großen Detailfülle geradezu erschlagen zu werden. Das Buch ist keine chronologische Geschichte der Renaissance, also des 14. und 15. Jahrhunderts, sondern eine Gesamtschau, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Nicht die historische Entwicklung, sondern die Entfaltung der Kultur - aufgeteilt in sechs große Themenabschnitte - erwartet den Leser. Burckhardts zentrale These ist, dass im Italien der Renaissance die "Entdeckung des Individuums" erfolgte, wodurch eine Kultur der Wissenschaft, der Entdeckungen und der Staatstheorie möglich wurde, die für ganz Europa und für die Neuzeit bahnbrechend wurde. Literatur, Religion, Feste und Feiern, das gesellschaftliche Leben, Politik und Tyrannei, blutige Familienfehden, Entdeckungsreisen, Aberglaube und Papsttum, all das und noch viel mehr, oft glänzend formuliert, führt Burckhardt dem Leser vor Augen: eine Vorgehensweise, die seine wissenschaftlichen Kollegen zunächst ablehnten, dann aber doch annerkennen mussten. Heute zählt Burckhardt zu den wichtigsten Kulturhistorikern und zu den berühmtesten Schweizern.