Kurzbeschreibung
Die Soziologie scheint sprachlos. Psychologen, Journalisten, Volkswirte und selbsternannte Politikexperten dominieren die öffentliche Szenerie. Wie die aufsehenerregende These von Samuel Huntington vom künftigen Zusammenprall der Zivilisationen mehr als verdeutlichte, haben nur noch Beiträge Chancen, öffentlich aufgenommen zu werden, die sich dem Modus aktuell geltender Reflexionserfordernisse anpassen: Vereinfachen, Polemisieren, Skandalisieren mit einer gleichzeitigen Etablierung akteurstheoretischer Figuren (inklusive mitgelieferten Feindbild). So auch im Fall von Globalisierung. Man spricht davon, dass die Globalisierung neue Chancen eröffnet, Grenzen einebnet, Ausbeutung und Ungleichheit beschleunigt. Kein Wunder, dass gegen die Globalisierung protestiert wird. Folgt man dieser Beschreibung dürfte es sich bei Globalisierung um einen Akteur handeln, der etwas macht, der uns bedroht, gegen den wir etwas unternehmen müssen. Was machen die Soziologen? Sie streiten miteinander. Außenstehende verstehen weder den Streit als solchen, noch die Inhalte, um die sich der Streit dreht. Diese vertrackte Situation vor Augen drängen sich drei Fragestellungen auf: (1) In welcher kulturellen Verfassung befindet sich unsere Gesellschaft? (2) Welche Rolle spielt eigentlich Globalisierung, wenn längst von einer Weltgesellschaft auszugehen ist? (3) Können wir uns wirklich auf die öffentlichkeitswirksam vorgetragenen Prognosen der selbsternannten Gesellschaftsdiagnostiker verlassen, wenn es darum geht, relevante Grenz- und Konfliktlinien der modernen Gesellschaft zu identifizieren? Es war klar, dass diese und weitere Fragen nur bedingt auf rein akademischen Wege zu beantworten sind. Folglich haben ein Soziologe und ein Betriebswirtschaftler diese Diskussion auf etwas altmodische Weise begonnen: wir nutzten die Briefform. Wer sich für die aufgeworfenen Problemstellungen im Briefwechsel und darüber hinaus für den anschließenden Reflexionsteil interessiert, der sollte das Buch Kultur als Problem der Weltgesellschaft? lesen
Über den Autor
Dr. Jens Aderhold ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Projektkoordinator im SFB 580 im Teilprojekt "lokale Eliten".