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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein neuer Blick auf Kultur, Kollektiv, Nation,
Rezension bezieht sich auf: Kultur, Kollektiv, Nation (Gebundene Ausgabe)
In einer globalisierten Welt des 21. Jahrhunderts ist ein toleranter, respektvoller Umgang mit Menschen aus unterschiedlichen Lebenswelten im privaten als auch im beruflichen Umfeld für uns alle von großer Bedeutung. Ein konstruktiver Dialog zwischen Vertretern unterschiedlicher Kulturen ist daher für ein gedeihliches Miteinander heute unerlässlich. Auch die Kulturwissenschaften haben in diesem Zusammenhang in den vergangenen Jahren kontinuierlich an Bedeutung gewinnen können. Sie erfreuen sich gegenwärtig innerhalb zahlreicher wissenschaftlicher Disziplinen einem weitreichenden Diskurs zu allen Fragen der Kulturalität. Der vorliegende Titel 'Kultur, Kollektiv, Nation' des Passauer Kulturwissenschaftlers Klaus P. Hansen ist Bestandteil der Schriftenreihe der Forschungsstelle Grundlagen Kulturwissenschaften.Der Autor nimmt den vorhandenen Diskurs auf und ergänzt mit dem aktuellen Werk seine hinreichend bekannte Publikation 'Kultur und Kulturwissenschaft'. Diese erweitert er um wichtige, neue Erkenntnisse zur menschlichen Kollektivität und wesentlichen Fragen nach neuen Kulturträgern jenseits der Nationalstaatlichkeit, die sich seit dem Ende der 80er Jahre im Rahmen eines erweiterten, offenen Kulturbegriffs (z.B. Subkulturen oder Unternehmenskulturen) entwickeln konnten. Als Kulturträger definiert Klaus P. Hansen das Kollektiv, zu dem er beispielsweise auch Teams, Geschäftsbereiche oder Organisationen zählt, die jedoch untereinander durchlässig und vernetzt sind. Es geht dem Autor in seiner Darstellung explizit nicht darum, den Nationalkulturbegriff aufzukündigen, sondern er möchte vielmehr Fragen zur menschlichen Kollektivität als ein noch viel zu wenig beachtetes und relevantes Feld von Kulturbeschreibung stärker in den Mittelpunkt des aktuellen Diskurses stellen. Sein Ziel ist es, unseren vielfach einseitigen Blick auf den Kulturbegriff zu erweitern und weiterzudenken, um der heutigen gesellschaftlichen Komplexität besser gerecht zu werden und diesen somit auch für Kulturanalysen handhabbarer zu machen. Der Autor kritisiert jedoch vehement, dass sich ein Großteil der Disziplinen, die sich mit Kulturfragen in Theorie und Praxis beschäftigen, vielfach bis heute ihr Erkenntnisinteresse weiterhin auf nationalstaatliche Aspekte beziehen, obwohl diese nur noch eine von ganz vielen Kulturperspektiven darstellen. Mit seiner Argumentation möchte er die vielfach gebräuchliche nationalkulturelle Homogenitätsprämisse aufbrechen und den Grundstein für ein neues, erweitertes Verständnis von Interkulturalität und interkultureller Kompetenz legen. Klaus P. Hansen stellt dazu die Frage, um welches Kollektiv es sich bei dem Konstrukt Nation handelt. Im ersten Teil des Buches präsentiert er dem Leser hierzu einen fundierten Einblick und Verständnis von inhaltlich relevanten Fachtermini der Kollektivitätsforschung. Dazu gehören die Begriffe wie Dachkollektiv, Multikollektivität, Polykollektivität und Präkollektivität, die untereinander vernetzt sind und Kultur in ihrer Komplexität erst begreifbar machen. Je nach Kontext zeigen sich dabei unterschiedliche Aspekte von Kultur (vgl.Hansen 2009:20ff.). Im weiteren Fortgang der Ausarbeitung beschäftigt sich der Autor ebenfalls sehr kritisch mit diversen Aspekten zur kollektiven Wahrnehmung und der damit verbundenen Gefahr von unzulässigen Verallgemeinerungen und Pauschalisierungen von kollektiven Identitäten. Dies ist von besonderer Relevanz, da der Einzelne als Teil eines vielschichtigen sozialen Netzwerks heute auf Grund seiner Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Gruppen vielfältigen globalen und lokalen Einflüssen ausgesetzt ist. Es handelt sich heute nicht mehr um kohärente Identitäten als ein statisches Konstrukt, sondern um stark ausdifferenzierte und somit auch dynamische Identitäten. Je nach Kontext werden bei der Identitätskonstruktion unterschiedliche Rollen wahrgenommen. Insgesamt werden in dem vorliegenden Band die gemachten Aussagen und das darunter liegende Theoriekonzept sehr schön mit zahlreichen anschaulichen und humorvollen Beispielen aus der Praxis untermauert und sind somit für jedermann, der dieses Buch liest, nachvollziehbar. Die in dieser Publikation vorgestellte und von Klaus P. Hansen ausgearbeitete fundierte Analyse und Argumentation einer zukunftsweisenden Kultur- und Kollektivitätstheorie legt keinen ausschließlich nationalstaatlichen sondern einen lebensweltlichen Kulturbegriff zu Grunde. Dieser ist durch 'Diversität, Heterogenität, Divergenzen und Widersprüche' (Hansen 2003:182) gekennzeichnet. Das Buch möchte damit explizit einen Beitrag dazu leisten, der Bildung und Verhärtung von größtenteils undifferenzierten Nationalstereotypen in Form von sprachlich-kulturellen Charakteristika entgegenzuwirken. Ein weiteres Ziel ist es, vorhandene Kommunikations- und Kulturbarrieren abzubauen und einen gegenseitigen kulturübergreifenden Austausch und unvoreingenommene Kontaktaufnahme anzuregen. Mit dem Band 'Kultur, Kollektiv, Nation' der Schriftenreihe Grundlagen Kulturwissenschaft legt der Autor seinen Lesern eine hervorragend theoretisch untermauerte Darstellung zu einer nachhaltigen Kulturanalyse und Beschreibung komplexer Wirklichkeit vor. Der dezidiert interdisziplinäre kulturwissenschaftliche Ansatz von Klaus P. Hansen wendet sich an alle Wissenschaftler als auch Personen aus der Praxis z.B. der Wirtschaft, dem Kultur-, Bildungssektor, dem Personalmanagement und den Massenmedien, wo kulturelle Sensibilität und Kompetenz heute ganz besonders gefragt ist. Jeder, der bereit ist, einen Perspektivenwechsel vorzunehmen, wird dieses Buch mit Gewinn lesen und einsetzen können. Rezensiert von Alexandra Stang (für Interculture-Journal 10/2010) ____________ Hansen, Klaus. P. (2003): Kultur und Kulturwissenschaft. Paderborn: UTB. Hansen, Klaus P. (2009): Kultur, Kollektiv, Nation. Passau: Stutz. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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