-
Tipp für Studenten
Ein Jahr Prime kostenlos und einen 20% erhöhten Eintauschwert auf Trade-In erhalten alle Studenten die bei Amazon Student angemeldet sind.
Produktinformation
|
Walter Burkerts Gifford Lectures
auf deutsch
Seit seiner Interpretation des antiken Opfers im «Homo necans» (1972) hat der Zürcher Emeritus für klassische Philologie, Walter Burkert, wiederholte Versuche unternommen, die Kulte und Mythen der Griechen auf die Grundlagen von Ethologie und Biologie zu stellen. Er tut dies auch in seinen «Gifford Lectures» von 1989, die nun auf deutsch vorliegen (zur englischen Erstausgabe vgl. NZZ vom 18./19. 1. 97). Dabei erscheint Religion, ebenso wie die Sprache, als ein Phänomen «kultureller Fitness», zugleich aber «als eine Art Hybrid sehr alter biologischer und innovativer kultureller Traditionen». Vor allem aber ist sie kein System von Tricks und Täuschungen, sondern ein Phänomen höchsten Ernstes. In ihm wird «an das zentrale Risiko des Lebens und Überlebens gerührt», erscheinen die «harten Felsen» kreatürlicher Existenz. Mag sich der Mensch auch als Gipfel aus «der biologischen Landschaft» erheben, bleibt er ihr doch zugehörig. Burkert räumt sogleich ein, dass «die Chancen einer soziobiologischen Herleitung der Religion, wie sich nicht unerwartet, doch mit bestürzender Deutlichkeit ergibt, im Dunkel der Vorzeit liegen». Allerdings verfolgt er ihre Spuren in den Opfern und Beschneidungen, den Initiationserzählungen und Sukzessionsriten, den Ordnungen der Gabe und der Schuldzumessung.
Aus all diesen unterschiedlichen Praktiken und Gepflogenheiten vermag Burkert den Basso continuo der Erhaltung und Sicherung des Lebens zu hören. Ihm und der Vermeidung lähmender Angst gilt alles Interesse der Religion, sei es mit Gewalt oder mit Kunstfertigkeit. Diese Sichtweise des Menschen erscheint als eine Konsequenz der pessimistischen Anthropologie des Christentums, freilich auf biologische Fundamente gestellt. Wo Leben ohne Heil ist, bedarf es der Götter «als mächtiger Regulatoren, Garanten beständiger Ordnung». Auch darum wünscht man sich eine eingehende Diskussion der Thesen Burkerts durch Gräzisten und Altertumswissenschafter. Der «Homo necans» etwa ist in «Gnomon», der einschlägigen Fachzeitschrift, nie besprochen worden. Zu hoffen bleibt, dass dieses Mal die Rezeption anders als durch Schweigen erfolgt.
Anlässlich des 65. Geburtstags und der Emeritierung Burkerts ist eine Diskussion seiner Arbeiten auf einem Symposion zumindest begonnen worden (vgl. NZZ, 23./24. 3. 96). Sein ehemaliger Assistent, der Basler Latinist Fritz Graf, hat die dort gehaltenen Vorträge nun veröffentlicht. Das Lebenswerk des Lehrers erscheint dabei in ganzer Fülle. Neben die Analyse des antiken Opfers und die Bestimmung des Naturalsubstrats von Religion ist auch die Erforschung der altorientalischen Einflüsse auf die klassische Antike getreten, für die Burkert Pionierarbeit geleistet hat. Bei allem Respekt werden auch kritische Töne laut. Man kommt zu dem Schluss, dass hier kein Schulgründer gewürdigt wird, sondern Impulse aufgenommen und weiterverfolgt werden, die ein hervorragender Wissenschafter seinem Fach gegeben hat.
Martin Treml
Tags(Was ist das?)Bei einem Tag handelt es sich um ein Schlagwort, das zum Produkt passt.
Tags erleichtern allen Kunden die Suche und die Sortierung ihrer Lieblingsprodukte. |
|
Das Forum zu diesem Produkt
Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
|
Ähnliche Foren
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||