»Kuhls Kosmos« ist eine typische Verlierergeschichte mit absehbarem Ausgang und doch ohne die bekannten Klischees. Spannende und amüsante Episoden schildern Kuhls Werdegang. Wilde Schelmenstücke mit Rentnern, mörderische Nachtwächter, scheinbar schlaue Coups und Waffengeschäfte mit amerikanischen GI. Amüsante Diskussionen auf dem Arbeitsamt, die eines Felix Krull würdig wären, und Filmpläne mit einem alten Pornoproduzenten, der einer Vorliebe für sehr junge Mädchen mit leuchtenden Hautunreinheiten fröhnt.
Die Belegschaft aus Thor Kunkels hochgelobten Erstling »Das Schwarzlicht-Terrarium« tritt hier wieder auf. Liebgewonnene Loser aus fast vergessener Zeit, als Disco, Schlaghosen und John Travolta noch das Nonplusultra waren. Aber der Ton ist härter und bitterer geworden. Keine aufgesetzte Coolness, sondern berührend brutal. Die Sprüche wirken allerdings manchmal etwas albern, wie wenn man heute Udo Lindenberg zuhört, doch geben sie einen guten Eindruck von Hippness anno 1979.
Hier wird nicht einfach ein amerikanisches Genre in deutsche Kulissen verlegt, sondern eine überzeugende Geschichte erzählt, die gleichzeitig ein deutsches Gesellschaftsbild vom Ende der Siebziger ist. Es müssen eben nicht immer die Amerikaner sein, wenn man einen echten Hardboiled-Krimi lesen will. Eine lohnende Lektüre, der man unbedingt Kunkels »Schwarzlicht-Terrarium« folgen lassen sollte. Sofern man es nicht ohnehin schon kennt.