Diese Film ist als zeithistorisches Dokument aus der Weimarer Republik zu betrachten und als solches aber auf jeden Fall empfehlens- und sehenswert. Wie die Lebens- und Arbeitswelt der "kleinen Leute" im Berlin der Zwischenkriegszeit gezeigt wird, das hat fast dokumentarische Qualität und erinnert ein wenig an
Menschen am Sonntag. Bei alledem muss man aber sehen dass "Kuhle Wampe" leider nicht viel anders ist als die meisten Propagandafilme jener Zeit mit explizit politischer Botschaft - egal ob kommunistisch oder nationalsozialistisch: Alles ist ziemlich dröge, doktrinär und etwas verbissen. Zwar erwartet bei einem Film, der die Unterdrückung und Perspektivlosigkeit der Arbeiterklasse thematisiert, natürlich niemand unterhaltsame Zerstreuung. Aber "Kuhle Wampe" hat nichts als die zu vermittelnde Botschaft im Blick und lässt alles andere ausser acht. Die handelnden Figuren und Situationen sind dermaßen überzeichnet und die schauspielerischen Leistungen sind so wenig überzeugend, dass einen der Film nicht packt. Und die Botschaft wird dem Zuschauer, typisch Brecht eben, mit dem Holzhammer eingebleut. An sich schätze ich das dramaturgische Werk von Bert Brecht sehr. Aber ein Filmemacher war er nicht.