Zippy Silberberg erbt von ihrer Tante ein unvollständiges Fischbesteck. Um die Erbschaft entgegen zu nehmen, muss sie nach Tel Aviv reisen. Obwohl sich die Reise allein wegen der Erbschaft nicht lohnt, entschliesst sich Zippy dennoch nach Israel aufzubrechen. Das unvollständige Silberbesteck erkennt sie als Zeichen der Vorsehung. Es soll ihr bei der Erfüllung ihres langehegten Traums, der Gründung einer eigenen Familie zu helfen. Zippy ist zickig, unförmig und leidet unter einer unnatürlichen Zuneigung zu eiskalten Speisen.
In Tel Aviv angekommen, findet sie ihr gebuchtes Hotelzimmer von einer anderen Person belegt und ihr wird ein anderes Zimmer in einem anderen Hotel zugeteilt. Kaum dort angekommen, wird Zippy, noch über die Umbuchung verärgert, durch heftiges Klopfen an der Tür gestört. Vor der Tür steht Fr. Kugelmann, die sich auch durch brüske Abweisungen von Zippy nicht davon abbringen lässt, sich in Zippys Zimmer niederzulassen. Sie sieht sich verpflichtet die Erinnerung an ihre alte polnische Heimat und der dortigen jüdischen Gemeinde am Leben zu halten. Dort wurden nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten - wie überall - die Juden in Vernichtungslager deportiert. Nur wenige überlebten.
Zunächst lässt Zippy widerstrebend die Geschichten über sich ergehen. Doch allmählich wächst ihr Interesse an den Geschichten. Auch ihre Familie stammt aus dieser Gegend, jedoch wurde über das dort Geschehene immer geschwiegen und so erfährt Zippy aus den Erzählungen von Fr. Kugelmann auch die Geschichte ihrer Elterngeneration, von der sie bislang nichts wusste.
Minka Pradelski schildert in kleinen wunderbar ausgeschmückten Anekdoten das Leben der polnisch-jüdischen Gemeinde der 30er Jahre und der schweren Zeit danach. Es sind Anekdoten über Gutmenschen, Halunken über Bräuche, Tradition und über deren Hinwegsetzung. Ein nostalgischer Rückblick in Zeiten, als auch für die Juden in Europa die Welt noch weitgehend in Ordnung war. Sie schildert aber auch, wie es nach dem Polenfeldzug der Deutschen Wehrmacht alles zugrunde ging, wie sich einzelne Retten konnten und andere die ihnen drohende Gefahr falsch einschätzten.
Leider bettet Pradelski diese Anekdoten in eine geradezu grotesk absurde Rahmenhandlung, die zudem noch dermaßen kitschig und unnötig ist, dass einem das Weiterhören zwischenzeitlich sehr schwer gefallen ist. Die Diskrepanz zwischen beiden Handlungssträngen ist in Form und Sprache beträchtlich, so dass man glauben könnte, es handele sich nicht um denselben Autor.
Von daher ist es schwer das Hörbuch einheitlich zu bewerten:
5 Sterne für die Anekdoten
1 Stern für die Rahmenhandlung
3-4 Sterne für Iris Berben.
Es dauert einige Zeit, sich an Iris Berbens doch leicht rauhe Stimme zu gewöhnen. Zu Beginn des Hörbuchs gelingt es Iris Berben nicht, das zickige Wesen der Zippy Silberberg glaubhaft zu übermitteln. Sie wirkt affektiert und übertrieben. Erst später im Handlungsverlauf, als die Geschichte durch Frau Kugelmanns Anekdoten an Tiefe und Ernsthaftigkeit gewinnt, taucht auch Iris Berben besser in die Geschichte ein und kann überzeugen.
Somit komme ich auf eine Gesamtbewertung von guten 3 Sternen.