Kurzbeschreibung
Eine Sensation war im Sommer 2008 der Fund einer unbekannten Bilderfolge von Wilhelm Busch, die offenbar die Kuchenteig-Episode aus Max und Moritz vorwegnimmt. Busch hatte die zehn Zeichnungen 1863 beim Seidelschen Verlagshaus in Sulzbach zur Verwendung in einem der dort publizierten Kalender eingereicht. Erst 145 Jahre später kam der Umschlag mit den 10 Blättern wieder zum Vorschein. In der Insel-Bücherei erscheinen sie nun erstmals in Buchform. FAZ-Redakteur Andreas Platthaus, der Fachmann für Bildgeschichten aller Art, beschreibt die Kalender-Bilderzählung als Vorläuferin des modernen Comic und erzählt die unglaubliche Geschichte der Kuchenteig-Blätter und Ihres Wiederauftauchens.
Über den Autor
Wilhelm Busch, 15. 4. 1832 Wiedensahl bei Hannover - 9. 1. 1908 Mechtshausen bei Seesen. Der Sohn eines Krämers brach das 1847 in Hannover begonnene Maschinenbaustudium 1851 ab und schrieb sich stattdessen an der Düsseldorfer Kunstakademie ein. 1852-53 setzte er das Studium in Antwerpen fort, 1854 wechselte er - nach einer durch Krankheit und Selbstzweifel bedingten Unterbrechung - nach München. Hier blieb er bis 1868, unterbrochen von längeren Aufenthalten in Wiedensahl und Wolfenbüttel. Von 1869 bis 1872 wohnte er, freundschaftlich verbunden mit der Bankiersgattin Johanna Keßler, in Frankfurt a. M. Danach lebte er mit seiner Schwester in Wiedensahl, bis er 1898 zu seinem Neffen nach Mechtshausen zog. Während er sich als Maler nicht durchsetzen konnte - annähernd 1000 meist kleinere Ölgemälde sind gleichwohl erhalten -, erregte sein Talent als Zeichner und Karikaturist die Aufmerksamkeit des Verlegers der humoristischen Zeitschrift 'Fliegende Blätter'; 1859 erschienen hier und in den 'Münchener Bilderbogen' seine ersten Arbeiten. Mit 'Max und Moritz' (1865) begann die Zeit der eigenständigen großen Bildergeschichten, die die Tradition des komischen Epos aufnahmen und mit ihrer Satire zunächst indirekt, dann auch direkt auf das Bürgertum v. a. der GründerzeitAndreas Platthaus, geboren 1966 in Aachen, hat nach einer Ausbildung bei der Deutschen Bank Wirtschaftswissenschaften, Philosophie, Rhetorik und Geschichte studiert und ist stellvertretender Feuilletonchef der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".