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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Kuchen und Lebenshilfe von Mama Grace,
Von
Rezension bezieht sich auf: Kuchen backen in Kigali (Gebundene Ausgabe)
Mrs. Margaret Wanyika war für Angel eine besonders wichtige Kundin. Angels' Kuchen und Tortenservice in Ruandas Hauptstadt Kigali lebt von Mund-zu-Mund-Propaganda und deshalb hofft Angel, dass ihre Torte zur Silberhochzeit des tansanischen Botschafters und seiner Frau ihr viele neue Kunden bringen wird. "Ein guter Name leuchtet im Dunkeln", davon ist Angel überzeugt. Doch Mrs. Wanyikas Tortenbestellung wird für Angel eine einzige Enttäuschung: die Wanyikas möchten eine weiße Torte, keine fröhlich-bunte wie Angel sie sich vorstellt. So etwas Farbloses würden doch nur Wazungu - Ausländer - bestellen und kein afrikanische Ehepaar. Angel und ihr Mann Pius sind aus Tansania nach Ruanda gekommen, weil Pius hier besser verdienen kann. Anstatt im Alter langsam kürzer zu treten, müssen die beiden ihre fünf Enkelkinder aufziehen, nachdem Sohn, Tochter und Schwiegersohn früh verstorben sind. Der Sieben-Personen-Haushalt ist dringend auf Angels Einkünfte aus ihrem Tortenverkauf angewiesen. Im Gespräch zwischen Mrs. Wanyika und Angel wird deutlich, wie sorgsam die Botschafter-Gattin das Thema HIV-Infektion vermeidet und dass auch Angel eine sehr eigenwillige Art hat, den Tod ihrer Kinder zu erklären. Mama Grace wird Angel von den Nachbarn genannt, eine Bezeichnung, die eigentlich ihrer verstorbenen Tochter Vinas zusehen würde; denn Grace ist Angels älteste Enkelin. Angel ist stets genauestens informiert, was in dem Mehrfamilienhaus vorgeht, in dem sie mit Pius und den Kindern wohnt. Was sie über ihre von ausländischen Hilfsorganisationen fürstlich bezahlten weißen Mitbewohner erfährt, lässt sie oft den Kopf schütteln.Jeder Kunde, der bei einer Tasse gesüßtem Tee seine Tortenbestellung mit Angel bespricht, hat ein persönliches Schicksal, das eng mit dem Bürgerkrieg in Ruanda verknüpft ist. Besonders die jungen Frauen, weiße wie schwarze, scheinen Angels Ratschläge dringend zu benötigen. Ob es die Nachbarin Amina ist, Bosco, der Chauffeur eines ausländischen NGO-Mitarbeiters oder die Barfrau Francoise, allen tut es gut mit einer neutralen Person zu sprechen, die nicht zur Familie gehört. In Kigali ist das Zusammenleben der Menschen verschiedener Nationalitäten - und aus verschiedenen afrikanischen Staaten - kompliziert genug, um es noch zusätzlich mit persönlichen Erinnerungen an den Bürgerkrieg zu belasten. Deshalb wird außerhalb von Angels Küche über die Vergangenheit meist geschwiegen. Angels Küchengespräche vermitteln dem europäischen Leser afrikanisches Lebenstempo. Wer etwas mit Angel besprechen möchte, fällt besser nicht mit der Tür ins Haus, sondern zeigt seine Achtung gegenüber "Mama", der älteren Frau, indem er sich dem Kern des Gesprächs allmählich nähert. Gegensätze zwischen den Nachbarstaaten Ruanda und Tansania kommen in den Gesprächen auf Angels Tisch, das Älterwerden, die Rolle von Mann und Frau in Afrika, immer wieder das Thema Aids und auch dass viele Kinder in Ruanda noch immer Angst vor Krieg und Gewalt haben. Der Völkermord von 1994 prägt auch heute noch das Leben der Menschen in Kigali. Wie in einem Puppenhaus öffnet Gail Perkin Türen in das Leben all der Besucher, deren Wege sich bei Angel kreuzen. Die Autorin verknüpft virtuos Unterhaltung und Information über den afrikanischen Alltag. Schon im ersten Kapitel ihres Buches lässt Gail Perkin, die aus Sambia stammt, so im Kopf ihrer europäischen Leser ein Bild des modernen Ruanda entstehen. Angel muss zum Lebensunterhalt der Familie beitragen, sie hat selten Muße, zurückzuschauen. Trotz eigener Sorgen um die Zukunft der Enkel kann Angel die Augen nicht davor verschließen, dass es allein in ihrer Straße Kinder ohne Eltern und Eltern ohne Kinder gibt. So wird die Hochzeit zwischen Leocadie, die einen kleinen Laden betreibt, und ihrem Freund zur Bewährungsprobe für Angels Organisationstalent. Leocadie und ihr Mann haben beide keine Angehörigen mehr. Die rundliche Afrikanerin bäckt für Leocadie nicht nur die Hochzeitstorte, sie organisiert die gesamte Hochzeit wie sie es für ihre eigene Tochter tun würde. Eh (Ja), die Entscheidung, was ich an diesem Buch zuerst loben soll, fällt mir schwer. Die hinreißende Figur der Angel, die sich mehr Aufgaben auflädt als man jemand in ihrem Alter zutrauen würde? Wie einfach die Geschichten aus Angels Leben uns ein Land verstehen lassen, in dem elternlose Kinder zurückbleiben, weil ihre Eltern jung an AIDS gestorben sind? Wie Gail Perkin am Beispiel Modestes das Verhältnis zwischen Mann und Frau in Afrika illustriert, das Grund für viele der aktuellen Probleme ist? Angel, ihre Familie und die anrührenden Schicksale ihrer Nachbarinnen werde ich so bald nicht wieder vergessen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Lasst euch von den Details der Kuchen und der Geschichte verzaubern.,
Von
Rezension bezieht sich auf: Kuchen backen in Kigali (Gebundene Ausgabe)
Setzt euch schon mal hin, während ich uns Tee koche. Das ist hier so Sitte. Ihr könnt euch inzwischen das Buch ansehen. Ist es nicht farbenfroh? Wie die Kuchen, die darin vorkommen. Jede Farbe erzählt eine andere Geschichte."Hoffnung durchzuckte Angel wie ein plötzlicher, intensiver Schmerz, so unvermittelt, wie wenn man mit dem nackten Fuß auf einen spitzen Stein trifft. Dann verging sie wieder. Sie durfte nicht zu viel auf einmal hoffen." (Seite 326) Wie die Glasur eines Kuchens umschließt die Geschichte von Angel all die anderen. Sie und ihr Mann Pius ziehen nach dem Tode ihrer beiden Kinder ihre 5 Enkel groß. Um sich etwas Geld für den Lebensunterhalt der großen Familie dazu zu verdienen, backt und verkauft Angel Kuchen. Und zwar die besten und hübschestes Kuchen in ganz Kigali. Sogar die Botschaftergattin von Tansania hat eine Bestellung bei ihr aufgegeben, aber darüber schweigen wir lieber, an diesen Kuchen erinnert sich Angel nicht gern. Viele verschieden Menschen kommen zu ihr, um Kuchen zu bestellen. Um ihre Aufgabe gut zu erledigen, fragt Angel nach, sie ist schließlich eine professionelle Person. Ein guter Kuchen darf nicht nur lecker schmecken. Ein guter Kuchen steckt voller Phantasie und muss sorgfältig ausgesucht werden. So erfährt Angel viel über ihre Kunden und wir über die Menschen in Kigali. Gaile Parkin hat selbst in vielen Ländern Afrikas gelebt und schafft es authentisch die Sprache und das Lebensgefühl mit ihren Worten einzufangen. Nicht nur das "Eh!", das in seiner Häufigkeit uns Europäern seltsam anmutet, auch die Sprachenvielfalt mit Swahili, Kinyarwanda, Englisch und Französisch vermittelt das unvergleichbare Gefühl vor Ort zu sein. Es fällt mir schwer zu erklären, warum dieses Buch mich so begeistert. Es sind die Kleinigkeiten, die mein Herz berühren, dass Angel ihre Brille unter das Bett legt, um morgens nicht versehentlich drauf zu treten, dass Bosco, wenn er aufgeregt ist, Wörter doppelt ausspricht, dass Angel nur den Namen des Hausmädchens kennt und andere nur den Namen des Arbeitgebers, dass Angel offen zu gibt, dass mache Dinge so kompliziert sind, dass man davon Kopfschmerzen bekommt, dass Liebe manchmal lügt. Es gibt so viele verzaubernde Nebensächlichkeiten, dass ich sie hier nicht aufzählen kann. Die Stärke des Buches ist jedoch seine Ruhe. Es ist angefüllt mit Pausen und Auslassungen, manchmal beruhigend und manchmal schmerzvoll. Es gibt uns genug Zeit, über die Dinge nachzudenken, zum Beispiel der Völkermord in Ruanda. Mir stehen die Tränen in den Augen, während ich von den Grausamkeiten lese, die ich dazu nachgeschlagen habe. Der Völkermord in Ruanda ging über Monate. Doch ist es erschreckend, dass in nur 3 Monaten, in nur 100 Tagen, so viele Menschen sterben konnten. Man sagt es waren bis zu 1 Million Tote, selbst vorsichtige Schätzungen gehen von 500.000 aus, in nur knapp 100 Tagen! Nachbarn töteten Nachbarn, namenlose Tote irgendwo verscharrt....Fakten, die mich sprachlos machen. Mein Gott.... Ich werde Angel vermissen, ihre Ruhe, ihre zurückhaltende Weisheit und ihre Stärke. Es war schön die Welt aus ihren Augen zu sehen. Aber ich werde sie besuchen und mit ihr Tee trinken. Ich widme diese Rezension einer Freundin, die mir beim Lesen immer wieder vor Augen war und die in ihrer Sanftmut ein bisschen Angel ist. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Tauchen Sie ein,
Rezension bezieht sich auf: Kuchen backen in Kigali (Gebundene Ausgabe)
Angel, eine nicht ganz junge Frau deren Schicksal nicht nur einmal schlimme Wendungen genommen hat, lebt mit ihrem Mann Pius und ihren 5 Enkelkindern in Ruanda. Nach dem tragischen Tod von Angels Kindern kümmern sich diese um die Enkel. Den Unterhalt verdient sich Angel mit Kuchen backen. Doch sind es keine gewöhnlichen Kuchen die sie bäckt. In jedem Kuchen steckt eine Geschichte. Jedes ein Unikat. Nicht nur die Kuchen strahlen die Liebe und Güte aus mit der sie gebacken wurden. Der Bestellvorgang ist ebenso magisch. Die Kunden kommen zu Angel um Kuchen zu bestellen und gehen mit einer neuen Erkenntnis für ihr Leben. Angel ist wie eine Schamanin, die den Kunden mit dem Kuchen die Seele streichelt.Wer in diesem Buch Spannung sucht'kann lange suchen, diese wird er nicht finden. Aber darum geht es in diesem Buch auch gar nicht. Es geht darum, dass egal wie schlimm das Leben einen gebeutelt hat, es geht weiter. Man kann trotz allem was passiert immer noch das Leben, die Menschen und alles um einen herum genießen. Dies soll auch glaube ich das Cover verdeutlichen' bunt wie das Leben. Mir hat das Buch wider Willen gut gefallen. Es ist ein stilles und schönes Buch. Etwas für gemütliche Stunden bei einem leckeren Stück Kuchen mit Tee. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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