Warum schon wieder ein neuer Zigarrenführer, gibt es denn noch nicht genug?
Genug schon, aber... Zunächst einmal erscheinen viele Bände reichlich veraltet: Welcher Autor bespricht schon die Partagas Serie P N.2? Und wo um Himmels Willen kann man die von Bati dereinst besprochene Suerdieck, deren Produktion längst eingestellt ist, noch kaufen? Allerdings werden auch in diesem sich auf Kuba beschränkenden Buch Formate resp. Marken behandelt, die man angesichts der prospektiven oder schon realisierten Umstellungen in der kubanischen Produktion schon recht bald nur mehr in privaten Humidoren, nicht aber mehr im Verkauf finden wird können - die Marke Por Laranaga mit ihren hier aufgeführten drei Formaten ist so ein (m.E. bedauerlicher) Fall.
Insgesamt aber liest sich der Band wie ein ebenso tagesaktueller wie umfassender und kritischer Einkaufsführer der Habanos S.A., dessen Autoren sich durchaus nicht scheuen, Schwächen einzelner Puros deutlich zu nennen. Dem einführenden Kapitel über Produktion und Genuss von kubanischen Zigarren im Allgemeinen folgt der nach Marken und Formaten sortierte Katalog der Degustationsnotizen. Jede einzelne Zigarre wird zunächst mit Maßen, Stärke, Lagerungsfähigkeit, prospektiver Wertsteigerung und Qualitätskonstanz aufgeführt. Eher für den Neuling in der Zigarrenwelt gedacht sind wohl die Kurzbewertungen hinsichtlich Qualität (das Pendant zu den Parkerpunkten in Form von Medaillen und eines Pokal, die hier vergeben werden) und Preis-Leistungsverhältnis (max. drei zu erreichende Balken). Ähnliches lässt sich auch zu den Empfehlungen der Autoren sagen, für welchen Rauchertyp sich das jeweilige Format besonders eignet, zu welcher Tageszeit das Rauchopfer nach ihrem Dafürhalten dargebracht werden mag und was man idealiter zu dieser Zigarre trinken sollte. Doch scheint mir dieses Buch nur vordergründig vor allem den ambitionierten Zigarrennovizen ansprechen zu wollen. Denn die Lektüre der Zigarrenbesprechungen empfiehlt sich tatsächlich ebenso dem Neuling wie dem erfahrenen Aficionado. Aus diesen Beschreibungen spricht der gesamte Erfahrungsschatz des italienischen Autorenkollektivs (sic!). Und wenngleich sich über Geschmack bekanntlich streiten läßt, so sind die Charakterisierungen so treffend (jedenfalls am Maßstab meiner eigenen Erfahrungen bemessen), dass sich vermittels dieses Opusculums tatsächlich jeder sein eigenes Potpourrie an zu testenden Puros zusammenstellen kann. Dabei verhelfen ihm gewiss auch die sehr schönen Fotos, die - mit Ausnahme zweier Riesenformate (Cuaba/Diademas; Sancho Panza/Sanchos), die das Buchformat gesprengt hätten - jede einzelne Zigarre 1:1 abbilden.
Ohne kleinkariert wirken zu wollen, muss aber ein buchstäblich augenscheinlicher Kritikpunkt vorgebracht werden: Möglicherweise liegt es ja an mir vorliegenden Ausgabe, aber ich kann mich des Eindrucks kaum verwehren, dass der Setzer, bevor er an die Arbeit ging, sich mindestens eine Lusitania und vier randvolle Gläser fassgereiften Antillenrums einverleibt haben muss. Anders lässt sich die völlig willkürliche Verwendung von Fett- und Normalschrift nicht erklären, die die Lektüre des Fließtextes zuweilen etwas sperrig macht. Für andere sinnstiftende Erklärungen dieses Formatfiaskos wäre ich dankbar.
Aber abgesehen von diesem formalen Mangel, kann das Buch dem interessierten Leser nur empfohlen werden. Und das nicht allein angesichts der Tatsache, dass es kaum mehr als eine halbe Monte A kostet.