Kubanisch reisen - Lista de espera (2000) von Juan Carlos Tabío thematisiert mit karibischem Witz und Charme den permanenten Mangel im real existierenden Sozialismus: In einer Busstation in der gottverlassenen Provinz zieht sich das Warten auf den erlösenden Bus endlos hin - und zu allem Übel ist das Transportmittel auch immer so voll, daß nicht einmal die Passagiere auf der Warteliste eine Chance haben. Das einzige Fahrzeug ist kaputt, die Reparatur kann Stunden, Tage oder Wochen dauern... Anstatt sich hilflos ins Schicksal zu ergeben, organisiert der gestrandete Reisende Emilio (Vladimir Cruz), charmanter jungenhafter Ingenieur und unsterblich verliebt in eine andere Reisende, die schöne Jacqueline (Tahimi Alvariño), die dummerweise mit einem unsympathischen Spanier liiert ist, einen Selbsthilfereparaturversuch. Mit dem wenigen, was ihnen zur Verfügung steht, schaffen die Passagiere ein kubanisches Paradies, überwinden Rivalitäten, Liebeskummer, Streit und technische Probleme. Was jedoch wie ein vielfarbiges Kaleidoskop sprichwörtlicher kubanischer Vitalität und Folklore am Rande des Klischees beginnt, erhält einen ironischen Touch, als sich die Erzählung, die dem Film zugrundeliegt, als Gemeinschaftslektüre der Reisenden entpuppt.
Farbenfroh, witzig und eine Spur rumgetränkte Kuba-Exotik - kein großer Film, aber gut gemachte Unterhaltung mit verhalten subversiven Untertönen.