Wer meine Rezension der Melody I (das war das erste Model von Dolce Gusto Maschinen) kennt, weiß dass mein Weg zu diesem Kapselsystem "hart und steinig" war. Als anspruchsvoller Kaffetrinker graust es mir vor einer normalen Filter-Brüh-Bitterstoff-Freisetz-Anlage (auf Deutsch: eine normale Filterkaffeemaschine). Siebträgermaschinen bieten eine gute Alternative zum angemessenen Preis, aber ehrlich gesagt bin ich zu faul (gerade wenn viel Besuch da ist) Milch selbst aufzuschäumen und den Siebträger konsequent sauber zu halten. Um dem Tribut zu zollen müsste also ein Vollautomat her und dieser übersteigt einfach mein Budget. Und nun bitte nicht mit dem Sonderangebot der roten, blauen oder gelben kommen, denn bei einem Vollautomat kann man deutlich mehr falsch als richtig machen, wie z.B. eine nicht abnehmbare Brühgruppe oder das falsche Mahlwerk, um nur 2 von vielen Punkte zu nennen.
Der Weg führte somit über ein kurzes Gastspiel mit Pads schließlich zu Dolce Gusto.
Zuerst einmal zu den Vorzügen des Systems selbst:
* Aufgrund des Thermoblocks (vmtl. nur ein knackiger Marketingbegriff für Durchlauferhitzer) ist die Vorwärmzeit auf ein Maximum von 20-30 Sek. reduziert. Dann kann sofort losgelegt werden.
* Die Maschine selbst kommt zu keiner Zeit mit dem Kaffeepulver in Berührung. Dadurch entsteht bis auf eventuelle Wasser- oder Kaffespritzer keine Verschmutzung und die Reinigung beschränkt sich auf ein gelegentliches Abspülen des Kapselhalters unter fließendem Wasser
* Als Alleinstellungsmerkmal, kann dieses System im Gegensatz zu allen anderen nicht nur Heiß- sondern auch Kaltgetränke produzieren (dazu später mehr)
* 15 bar Druck, was gerade im Gegensatz zu Tassimo und Senseo ein großer Vorteil ist, da die beiden letztgenannten Brühsysteme sind und somit weder Crema gleicher Dichte erzeugen noch vermeiden können dass sich die (wenn auch in geringerer Konzentration aufgrund kürzeren Kontakts Wasser / Kaffepulver) typischen Bitterstoffe lösen.
* Große Sortenvielfalt die laufend erweitert wird
Nun zu den Punkten in denen sich die aktuelle Generation von der ersten unterscheidet:
* Der Kapselhalter ist nicht mehr gleichzeitig Nadelhalter und Kontaktpunkt zur Pumpe, sondern nur noch Kapselhalter. Darüber hinaus ist dieser nun magnetisch. Das hin und wieder Hängenbleiben an der Gummidichtung wie noch bei der Melody I entfällt also. Die Nadel steckt nun im Hebel auf der Oberseite welcher sich leichter herunterdrücken lässt als noch die alte Kapsel-/Nadelhalter Kombi.
* Der Ein- und Ausschaltknopf ist kein Kippschalter mehr sondern ein LED beleuchteter Druckknopf der durch Blinken die Aufwärmzeit anzeigt. Dadurch bringt die Maschine nun auch eine automatische Abschaltzeit mit. Nach 5 Min. ohne Aktion schaltet sie sich selbständig aus.
* Die Dichtung des Wassertanks hat sich ebenfalls verbessert. Wo beim Vorgängermodell gerne noch Tropfen den Weg von der Wasserquelle zur Maschine markiert haben, bleibt hier nun alles dicht. Dass es sich bei genanntem Effekt der Melody I nicht um einen Einzelfall handelt weiß ich, da im Freundeskreis noch 3 andere ein solches Modell ihr Eigen nennen und von der gleichen Problematik berichten.
* Wie bereits erwähnt 15 bar Druck. Die Melody I Reihe musste sich noch mit 14 bar begnügen.
Zur Maschine selbst:
* Die Verarbeitung lässt keine Wünsche übrig. Das Edelstahlgehäuse im Titanlook sieht sehr edel aus, bedarf aber natürlich entsprechender Pflege um nicht zu verflecken.
* Die verstellbare Abstellfläche ist im Gegensatz zu den größeren Modellen komplett aus Kunststoff, was erst einmal nicht sehr tragisch ist, da die Reinigung dadurch meiner Meinung nach sogar einfacher ist. Im Gegensatz zu den Melodys wird hier die Verstellung der Höhe allerdings nicht über ein Einrasten von Haken sondern über ein Einstecken in "Haltenasen" realisiert. Zu Beginn war ich erst einmal besorgt, dass dieses Stecken auf Dauer zum Verkratzen des Kunststoffbauches führen könnte da man bei Haken weiß wann die Sache sitzt, wohingegen man bei dieser Konstruktion gerne mal versucht ist etwas fester zu drücken aus Angst das Ganze wäre zu klapprig (was es nebenbei nicht ist). Bisher ist dies noch nicht eingetreten, ich werde diese Rezension falls es doch dazu kommt aber ergänzen.
* Ein oft gelesener Kritikpunkt ist der mit 0.6 L recht kleine Tank. Das ist aber so als würde man sich darüber beschweren dass der Kleinwagen keine 200 fährt. Die Piccolo ist nicht dafür gedacht im Akkord Kaffee zu produzieren, sondern ist eine kleine Maschine für kleinere Haushalte oder eben für ein Büro, wo sie auch bei mir ihr Dasein fristet. Somit stört auch weniger dass der Tank zum Befüllen abgenommen werden muss. Bei den Melodys kann man den Tank dran lassen und einfach den Deckel zum Befüllen öffnen. Soll die Maschine also in ein Regal geringer Höhe, ist der fehlende Deckel natürlich von Nachteil. Daher steht zuhause auch eine Melody und im Büro, frei auf dem Schreibtisch, die Piccolo.
* Leider gibt es wohl bei keiner anderen Maschine als bei der Melody I einen sogenannten Spüleinsatz. Dieser wurde beim Reinigen der Maschine statt des Kapselhalters eingesetzt und hatte den schönen Nebeneffekt dass man ihn als Heißwasserspender für die Tasse Tee verwenden konnte. Bei den neueren Modellen und so auch hier, gibt es diesen nicht mehr und das Laufen lassen von reinem Wasser durch den Kapselhalter führt zu einem mittelschweren Überschwemmung. Wer bei diesen Ausführungen auf die Idee kommt, man könnte doch ganz ohne Kapselhalter einfach das heiße Wasser aus der Rohrnadel abfangen, dem sei gesagt dass ein Sicherheitsmechanismus verhindert dass man sich ungewollt die Küche flutet. Ein "Wasser lassen" ist somit nur mit eingelegtem Kapselhalter möglich.
Nun ist aber die Dolce Gusto kein Wasserkocher und damit läuft dieser Kritik nicht in die Wertung mit ein.
Zur Technik:
* Wie gesagt ist die Aufwärmzeit kaum der Rede wert. Man ist schnell bei der Sache und kann somit auch in Eile einen Kaffe zwischendurch produzieren. Trotzdem ist dieser gerade im Vergleich zu älteren Senseo Modellen (kann leider nicht für neuere Baureihen sprechen) glücklicherweise wirklich HEISS!
* Der hohe Druck zeigt sich besonders bei "reinen" Getränken wie Espresso (Tipp: Barista! Wie beim Italiener.) oder den Lungos. Eine schöne, dichte Crema verwöhnt Gaumen UND Auge.
* Im Vergleich zur Tassimo stoppt die Maschine den Wasserfluss nicht automatisch. Dadurch kann sich jeder selbst entscheiden ob er lieber einen kurzen, starken Kaffee oder lieber sanfter und "lungo" trinken möchte (Tipp: wer beides möchte, sollte sich die CREATIVA anschauen. Siehe ganz unten in der Rezension).
* Von der Kaltgetränkefunktion sollte man keine Wunder erwarten. Wo die Getränke durch den Durchlauferhitzer auch die unempfindlichste Zunge zu verbrühen in der Lage sind, vermögen sie leider keiner Frostbeulen zuzufügen. Daher ist auch auf allen Kaltgetränken (bisher ICE CAPPUCCINO und ICE TEA PEACH) vermerkt, dass man Eiswürfel hinzufügen soll. Inwiefern sich daher die ganze Geschichte lohnt, zumal sich mir der Sinn von 50 Cent pro Glas Ice Tea im Vergleich zum Kauf einer Flasche nicht ganz erschließt, bleibt jedem selbst überlassen. Die Tatsache dass von bisher 25 verschiedenen Sorten nur 2 den Hebel nach links verleiten, spricht wohl für den Erfolg dieser Sorten.
Ergänzend sei erwähnt, dass Nestlé ein sogenanntes Genußpunkteprogramm anbietet. Mit der Maschine selbst erhält man 500 Punkte, mit jeder Packung Kapseln weitere 10. Diese kann man auf Dolce-Gusto.de eingeben und schließlich gegen Prämien wie die schönen Original Tassen und Gläser oder anderes Zubehör einlösen. Natürlich kann man auch Maschinen und Kapseln als Prämien mitnehmen, da diese aber bei Nestlé immer der UVP folgen, empfiehlt es sich solche Artikel günstiger im Handel oder anderen Onlineversendern zu kaufen und die wertvollen Punkte lieber für Geschirr und Co. einzusetzen.
Also welche Maschine für wen?
Die Piccolo ist die perfekte Maschine für kleine Haushalte, Gelegenheitstrinker und (Einzel-)Büros. Kann die Maschine allerdings nicht frei stehen und kommt stattdessen in ein Regalfach geringer Höhe, kann das ständige Abnehmen müssen des Tanks auf Dauer stören.
Das gleiche Tankproblem verfolgt die CIRCOLO. Dies macht sie aber durch das anspruchsvollere Design, das LED beleuchtete Tassenpodest und den großen Wassertank wett.
Wer es besonders ausgefallen mag, greift zu Fontana die nur einen geringfügig kleineren Tank als die Circolo hat (1,1 zu 1,3).
Der König des Regals und besonders für Vieltrinker geeignetste ist die Melody II Baureihe. 1.5 L Tank und geringerer Preis als Fontana und Circolo sprechen für sich.
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