Aufgrund des seit Wochen anhaltenden Medienhypes, den Dreiteiler "Krupp - Eine deutsche Familie" betreffend, wollte auch ich das mediale Großereignis mit so hochkarätigen Darstellern wie Iris Berben, Heino Ferch, Benjamin Sadler, Barbara Auer, Mavie Hörbiger, und, und, und, nicht verpassen u. schaute mir jetzt die drei Filme an.
Und, um es gleich vorweg zu nehmen, es war schauderhaft !!! Selten ist ein Dreiteiler so mißlungen wie dieser, man hat direkt das Gefühl, daß der Film an seinen überhöhten Ansprüchen gescheitert ist, überambitioniert sozusagen.
Da kein Geringerer als Regiekönner Carlo Rola für die Regie zeichnet, ist dies umso verwunderlicher. Die Tatsache, daß der Drehbuchschreiber Christian Schnalke, dem wir auch schon den, aus meiner Sicht, mißlungenen Mehrteiler "Afrika, mon Amour" zu verdanken haben (Hauptrolle ebenfalls Iris Berben), auch hier das Drehbuch geschrieben hat, scheint mir der Hauptgrund für den, meiner Meinung nach, mißlungenen Film "Krupp - Eine deutsche Familie" zu sein.
Das erste Problem des Films ist der Tatsache geschuldet, daß die Familiengeschichte auf mehreren Ebenen erzählt wird, wogegen zunächst noch nichts zu sagen wäre, doch leider wird hier wahllos hin-u. hergesprungen zwischen Zeiten, Filmfiguren u. Erzählsträngen, so, daß der Zuschauer im ersten Moment gar nicht weiß in welcher Zeit bzw. in welchem Erzählstrang der Film gerade wieder spielt, chronologisch paßt das irgendwie alles nicht richtig zusammen.
Dann kommen einige Fehlbesetzungen (aus meiner bescheidenen Sicht) hinzu, als da Barbara Auer in der Rolle der Margarethe Krupp wäre, die viel zu blass agiert, fast bis zur Unscheinbarkeit, Iris Berben als Bertha Krupp ist auch nicht "mütterlich" genug vom Typus her u. überzeichnet die Figur der Bertha Krupp viel zu stark, wie Zeitzeugen in den Medien berichten, usw., usw..
Dann ist der Film nicht fokussiert auf die tatsächliche Geschichte der Familie/Firma Krupp, was wirklich hätte äußerst spannend werden können, sondern er ist völlig reduziert auf die "Herz-Schmerz-Ebene" was der Sache absolut nicht gerecht wird, auf "Pilcher-Niveau" sozusagen.
Die wirkliche Geschichte der Krupp's wird stark dezimiert erzählt, in Teilen sogar falsch dargestellt, so als z.B. die Familie Krupp nach Kriegsende gar nicht mehr selber in der Villa Hügel gewohnt hat, da die Villa von den Alliierten besetzt war, oder Bertha Krupp hätte niemals mit Dienstboten über ihre privaten Sorgen u. Nöte gesprochen, undenkbar, wie ebenfalls von Zeitzeugen zu hören war.
Diese ganze Mischung ergibt in der Konsequenz einen langatmigen, langweiligen, melodramatischen Film, der mit dem wahren Leben der Familie Krupp kaum etwas zu tun gehabt haben dürfte, bis auf eine gewisse Aneinanderreihung von Fakten, die sich nicht verleugnen lassen. Das war's dann aber auch.
Und das ist zu wenig finde ich. Viel zu wenig.
Das hätte man besser machen können.
Wesentlich besser.
P.S.: Ich kann nur jedem, der sich wirklich für die Krupp Dynastie interessiert die DVD "Der Krupp Komplex" empfehlen. Diese DVD enthält zwei hervorragende Dokumentarfilme, einen mit dem Titel "Die Wucht der Tradition", der die Lebens-u. Familiengeschichte der Familie Krupp erzählt, natürlich parallel dazu die Firmengeschichte der Krupp's, schließlich ist beides untrennbar miteinander verbunden u. einen weiteren Film mit dem Titel "Stahlkrimi an der Ruhr" über die Vereinigung von Krupp, Hoesch u. Thyssen.
Besonders reizvoll ist die Tatsache, daß kein Geringerer als Berthold Beitz persönlich sich höchst interessant zu etlichen zeitgeschichtlichen Hintergründen u. Begebenheiten von Krupp äußert.
Diese DVD ist hundertmal spannender als diese DVD hier, auch wenn es sich dabei "nur" um eine Dokumentation handelt oder vielleicht auch gerade deswegen.