Es handelt sich bei dem Buch zwar nicht um die Autobiographie des Neffen und Patensohns von Reinhard Heydrich, wie der Titel es vermuten ließe. Aber der Herausgeber und enge Freund von Peter Thomas Heydrich konnte sich auf Tonbandaufzeichnungen stützen, die er in Interviewform mit Reinhard Heydrichs Neffen erarbeitet hatte. Obwohl es inzwischen eine Reihe von literarischen Versuchen gibt, teils sogar mit wissenschaftlichem Anspruch, Kinder und Enkel von Tätern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu Wort kommen zu lassen, beeindruckt dieses Buch besonders. Peter Thomas Heydrich schildert ganz vorbehaltlos, wie er zum "Kronprinzen" von Reinhard Heydrich wurde. Auch er schleppte das Trauma, der Familie eines Täters anzugehören, lange mit sich herum, ehe er darüber unverkrampft und ehrlich öffentlich sprechen konnte. Aber gerade dieser ehrliche und souveräne Umgang mit der eigenen Geschichte lässt auf einen vorausgegangenen intensiven inneren Aufarbeitungsprozess schließen. Er schildert eindrucksvoll und nachvollziehbar, wie er als Kind und als Jugendlicher den Ruhm genoss, der Neffe von Reinhard Heydrich zu sein. Er erlebte seinen Onkel als erfolgreichen Sportler und als sensiblen Musiker. Er erfuhr insbesondere in Prag, dass sein Onkel ein "hohes Tier" gewesen war und reklamierte noch bis kurz vor dem Zusammenbruch des dritten Reichs alle Vorzüge als Neffe und Kronprinz des stellvertretenden Reichsprotektors von Böhmen und Mähren für sich. Selbst nach dem Krieg hielt diese Vorzugsstellung noch an, wenngleich nicht mehr so offenkundig. Letztlich bleibt aber zu konstatieren, dass Reinhard Heydrich selbst für seinen 'Kronprinzen' eine eigentümlich konturlose und schemenhafte Persönlichkeit blieb. Erst lange nach dem Krieg und nach dem Suizid seines Vaters konnte er das wahre Erbe seines Onkels, nämlich die Beteiligung an der Planung des Holocaust und an anderen Gewaltverbrechen, erkennen und realisieren. Das hat ihn zunächst sprachlos gemacht. Er hat die enge Verwandtschaft zu Reinhard Heydrich lange nicht öffentlich gemacht. Aber er hat sie auf Nachfrage auch nie verschwiegen. Diese Ehrlichkeit und die glaubhafte Distanz zur Ideologie des dritten Reichs haben ihm die Sympathie und das Verständnis selbst der Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft eingebracht. Das vor allem war ihm wichtig und hat ihm die Kraft gegeben, mit diesem Erbe zu leben.