Es hat nunmehr fünf Jahre gedauert, bis Erdmöbel wieder ein richtiges "Erdmöbel-Album" veröffentlichen, in welchem das gesamte Spektrum von eigenem Text und Musik zusammenfindet. "Krokus" schließt damit nicht ganz nahtlos an "Für die nicht wissen wie" an. So ist es ein wahres Glücksgefühl, ein Nachhausekommen in das Wissen, dass Erdmöbel wieder auf dem Weg sind, sich selbst als Ganzes zu nehmen und sich nicht in dem Fragen nach dem "Und-weiter?" zu zerfasern und zu verirren.
Krokus ist wie alle Erdmöbel-Alben gespickt mit subtilen Melodien die, kurz bevor sie Pop werden könnten, sofort gepackt und gebrochen werden. Läuft etwas zu rund, so scheint es, werden alsgleich Ecken geschlagen, die den Zuhörer somit niemals in eine ruhige Bequemlichkeit entlassen. Und trotzdem: Es ist verdammt geschickt arrangiert, was man dort präsentiert bekommt. Es ist gegen den Strich gedacht, gewogen, niemals einfach so belassen. Doch das ist nur die Musik.
Markus Berges beweist auch auf "Krokus" wieder, dass Lyrik auch im heutigen deutschen "Popsong" eine sangbare Gattung ist, die sich nicht für die Melodie oder gar eine Hookline verdrehen muss. Wie er das macht, ist auch nach mehrmaligem Hören immer wieder schwer zu fassen und nötigt nichts weniger als hohen Respekt ab. Diese kleinen assoziativen Kleinode, die oftmals hermetisch daliegen, bekommen ihre Interpretation nicht zuletzt durch die Musik, die kommentierend einzelnen Zeilen Bedeutung zuweist. Da mag man mit aufgerissenen Augen stammeln: "Das ist ja Kunst", und hat so viel Recht wie selten. So schaffen es Erdmöbel mit wenigen Zeilen, ja Worten ganze Räume an Situationen, von Gefühlen und Gedanken zu eröffnen wie in Snoopy T-Shirt. Romane im Dreieinhalb-Minuten-Takt.
Erdmöbel sind definitiv keine Band der Jugend, auch wenn sie natürlich für diese höchst hörbar und empfehlenswert sind. Nein, gemeint ist hier eine Reife der Band, die sich vor Jahren auf den Weg gemacht hat und noch lange nicht am Ziel sein kann. In dieser Reife wünscht man sich manchmal vielleicht, dass Berges und Kollegen es eben doch schaffen, andauernd mit Traditionen zu brechen, ihre Musik des Hinterfragens weiterzuspielen und dennoch, ab und zu vielleicht, Zugeständnisse an die Hörer zu machen und mehr "Popsongs" zu schreiben, ohne beim Pop zu landen. Wie das geht, ob das geht, das können nur Erdmöbel selbst in Zukunft zeigen. Aber keine Band ist so nah dran wie diese, auch wenn sie nur am Anfang steht. Ich freue mich auf die nächsten Jahre!
Ganz klar: Drei Sterne.....Barkeeper zwei addieren!