Oh je! Wieso musste Don Ferguson das Reptiliengehirn auf seine Thesen legen, um ihnen mehr Gewicht zu geben? Am Dean Medical Center im amerikanischen Madison sollte es sich doch auch herumgesprochen haben, dass die Vorstellung vom dreiteiligen Gehirn nur noch in Wochenendseminaren gepflegt wird. Hat Ferguson die in den Literaturangaben empfohlenen Bücher von Damasio oder LeDoux wirklich gelesen? Oder findet er die vulgärwissenschaftlichen Werke von John Gray besser? Kurz: Hätte Ferguson seine Thesen anders begründet, könnte ich sein Werk uneingeschränkt empfehlen.
In fünf Schritten möchte er seine Leser zu einer harmonischeren Paarerziehung führen. Das möchten alle Therapeuten, aber Don Ferguson macht dies besser. Er zeigt zuerst die natürlichen Hindernisse auf, an denen selbst wohlgemeinte Versuche scheitern, um dann seine Werkzeugkiste zu öffnen, in denen sich einfache Instrumente zur Überwindung befinden. Seine Übungen sind praxiserprobt und führen bei konsequenter Anwendung zu Veränderungen. Die Stationen: sich ein genaueres Bild seiner Beziehungen machen, anders kommunizieren, gemeinsame Bedürfnisse und Ängste klären, positive Aspekte betonen und Vertrautheit aufbauen, in der gemeinsamen Sexualität über die Reptilienebene hinausgehen.
Mein Fazit: Der Autor präsentiert eine Fülle von Übungen, mit denen wir eingeschliffene Verhaltensmuster ändern können. Anschauliche Beispiele aus dem Therapeutenalltag, einfühlsame Formulierungen und wertvolle Hinweise auf gefährliche Hindernisse vermitteln dem Leser das wohltuende Gefühl, sein bisheriges Verhalten sei zwar völlig normal, könnte aber für eine bessere Beziehung trotzdem Schritt für Schritt einer Revision unterzogen werden. Die Sache mit dem Reptilienhirn ist einfach ein dummer Schönheitsfehler.