Ich habe in den Streifen mal zufällig im Spätprogramm reingezappt und bin hängengeblieben, weil er irgendwie eine Dynamik hatte, die ihn für meinen Geschmack positiv vom üblichen TV-Stoff unterschied.
Die Story von "Kroko" und ihrer Gang spielt in Berlin. Der auf dem Cover abgebildete Gesichtsausdruck der Hauptdarstellerin scheint zunächst over-acted und übertrieben, aber das bis zur Karikatur ausgereizte Coolsein überzeugt dann doch irgendwann - es dauert auch nicht lange, bis die Maske zu bröckeln beginnt. Die Aktivitäten der kleinen Gruppe, der Kroko als ranghöchstes Weibchen vorsteht, sind nicht immer legal und so wird sie zu Sozialstunden verurteilt, die in einer Einrichtung für Behinderte abzuleisten sind. Ist die Hauptfigur zunächst nicht sympathisch, so macht ihre Reaktion auf diese "Zumutung" das Zusehen umso spannender. Die Oberzicke kommt rasch an ihre Grenzen und kann mit dem Verlust an Status gar nicht gut umgehen, der mit ihrem neuen Job einhergeht. Mit einer gewissen Schadenfreude begleitet der Zuschauer Krokos Weg durch ihre Strafstunden, die Pampigkeit, mit der sie sich gewöhnlich ihre Umwelt vom Leib hält, bringt sie hier nicht weiter. Sie spürt instinktiv, daß es kein Sieg ist, den die "Spastis" überlegen zu sein. An diesem Punkt wird die Handlung komplexer, weil sich ein Wertesystem zu verschieben beginnt und Kroko sich dabei ertappt, von den "Krüppeln" mehr angesprochen zu sein, als ihr lieb ist. Die Herausforderung, einmal verantwortlich zu sein und sich davor nicht drücken zu können, verändert vieles. Als ihr Freund fremdgeht und sie sich von ihm trennt, ist die Brücke in die alten Gewohnheiten vollends abgebrochen und wir beobachten, wie sich eine neue Persönlichkeit entwickelt, die nicht mehr den Gesetzen der Hackordnung unterworfen ist. Das klingt pädagogisch wertvoll (und ist es vielleicht auch), doch es hat mich als Zuschauer überzeugt. Man merkt die "Absicht" nicht (wie oft in solchen Streifen) und ist verstimmt, sondern beobachtet den Fluss der Geschichte, die teilweise eher wie eine Doku daherkommt, Handkamera und recht authentisch, bis man realisiert, was da passiert und daß hier eine Entwicklungsgeschichte erzählt wird. Ohne Kitsch und ohne Pose (der political correctness) und das macht den Unterschied aus. Von daher meines Erachtens ein guter Film auch für die Arbeit mit Jugendlichen. Und weil hier bisher keine Besprechung existiert hat, habe ich ein wenig geworben (hoffe ich) für diesen Geheimtip.