in einem aktuellen fernsehspot - auf den befehl seiner ehefrau hin "BRING DEN MÜLL WEG" - reißt der ehemann die altdesign-vorhänge vom fenster, um sie in die tonne zu stopfen. nach dem ersten gekreisch einigt man sich anschließend im erotischen gebalge und geschiebe auf dem tepptich: mit dieser herzerfrischenden IKEA-szene könnte man sich gut manche pulver-trockene passage in der KRITISCHEn THEORIE von roger behrens erlebnisnah und verständlich gestalten. aber behrens müht sich auch selbst darum: "symbolisch für das ende der modernen architektur war die sprengung einer wohnsiedlung am 15. juli 1972 - die bewohner hatten den funktionalistischen großbau aus den 50er jahren selbst demoliert und schließlich unbewohnbar gemacht." behrens (und die gestalter der serie "WISSEN 3000" in der europäischen verlagsanstalt) geben sich anhand von kurzen einführungs-kapiteln, die (alle illustriert und mit den wichtigsten zitaten garniert) am ende stets eine fast lexikalisch brauchbare inhaltskomprimierung nebst weiterführender literatur präsentieren - sie geben sich mühe, nicht nur nach hinten blickend adorno-horkheimer, benjamin-marcuse-bloch und fromm zu erklären, sondern, dankenswerterweise: sie erläutern die kreative weiterführung "kritischer theorie", die sich nicht an einem ort oder einer zeit festmachen ließe. so wird der eher kulturpessimistischen, fast verstockt zu nennenden alt 68er-denkbewegung eine optimistischere neue angeschraubt, ausgehend vom kommunikations-optimismus eines jürgen habermas, schnell weiterspringend zu den strukturalisten ferdinand de saussure, claude levi-strauss, louis althusser sowie im hoch-sprung zu den post-strukturalisten michel foucault und gilles deleuze - und dann noch im riesensatz über den ärmelkanal zu den "cultural studies" in birmingham, sich bei der landung geschichtskrater-einbohrend bis in das uralte lied der WHO: MY GENERATION - auf einem riesigen reklamefoto sah ich heute einen osterhasen einen artgenossen über-springen. darunter stand: IT'S SPRING-TIME. das hätte sich adorno nicht gedacht, dass der qualitative sprung je so mit dem frühling-SPRING durcheinandergewurstelt würde. was er aber voraussah war: kunst wird reklame. er sah das negativ. muss man aber nicht. und dann hätte man (durch dieses kleine buch von behrens angestoßen) tatsächlich eine positive weiterentwicklung vollbracht - im hegelschen, dialektischen sinne. empfehlenswert.