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Kritik der zynischen Vernunft
 
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Kritik der zynischen Vernunft [Broschiert]

Peter Sloterdijk
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Kritik der zynischen Vernunft
OA 1983 Form Sachbuch Bereich Philosophie
Zwei Jahrhunderte nach Immanuel R Kants Kritik der reinen Vernunft (1781) entwirft Peter Sloterdijk in seinem zweibändigen, fast 1000-seitigen philosophischen Essay eine aktualisierte Vernunftkritik: Die Kritik der zynischen Vernunft verquickt auf überaus elegante und stilistisch beeindruckende Weise philosophische Analyse mit Poesie und Polemik und zählt zu den meistverkauften philosophischen Werken des 20. Jahrhunderts.
Aufbau: Die Kritik der zynischen Vernunft besteht aus zwei Teilen: Der kürzere erste Teil (Sichtungen – Fünf Vorüberlegungen) führt in das Thema ein und entfaltet das Begriffspaar des Kynismus und Zynismus. Der zweite Teil (Zynismus im Weltprozess) ist in vier »Hauptstücke« unterteilt: Im »physiognomischen Hauptstück« wird die öffentliche Masturbation des Diogenes von Sinope als protokynischer Akt dargestellt, in dessen Nachfolge Sloterdijk vitalistische und existenzialistische philosophische Strömungen einordnet. Das »phänomenologische Hauptstück« stellt sechs »Kardinalzynismen« ein jeweiliges kynisches Pendant gegenüber: Militärzynismus (Pazifismus), Staats- und Vormachtszynismus (soziopolitische Protestbewegungen), Sexualzynismus (Feminismus), Medizinzynismus (volksmedizinische Selbsthilfetraditionen), Religionszynismus (Emanzipation), Wissenszynismus (Fröhliche Wissenschaft). Zu den Kardinalzynismen treten zwei »Sekundärzynismen«: der »Informationszynismus« der Regenbogenpresse und der kapitalistische »Tauschzynismus«.
Im »logischen Hauptstück« setzt sich Sloterdijk mit positivistischen, systemtheoretischen und pragmatischen Ansätzen auseinander, um die theoretisch gewonnenen Ergebnisse dann im ausführlichen »historischen Hauptstück« auf die Weimarer Republik anzuwenden, wobei sein Augenmerk besonders der Literatur der 1920er Jahre gilt.
Inhalt: Sloterdijk liefert drei Definitionen des Zynismus: In der ersten, allgemeinen Definition erscheint der Zynismus als »das aufgeklärte falsche Bewusstsein«, dessen »Falschheit […] bereits reflexiv gefedert« ist. Die zweite, historische Definition unterscheidet zwei Formen des polemischen Bewusstseins: den Zynismus »von oben« und den Kynismus »von unten«: Der antike Kynismus spiegele den »Drang von Individuen, gegen die Verdrehungen und Halbvernünftigkeiten ihrer Gesellschaften sich selbst als vollvernünftig-lebendige Wesen zu erhalten«. Die dritte, phänomenologische Definition beschreibt die Subversion selbsterkorener Wahrheitsinstanzen durch Verweis auf die »nackte« Wahrheit: »Das zynische Denken nämlich kann nur erscheinen, wo von den Dingen zwei Ansichten möglich geworden sind, eine offizielle und eine inoffizielle, eine verhüllte und eine nackte, eine aus der Sicht der Helden und eine aus der Sicht der Kammerdiener.«
Als »Konstanten unserer Geschichte« sind Kynismus und Zynismus für Sloterdijk korrespondierende Begriffe, deren Gegenüberstellung die Struktur der Kritik der zynischen Vernunft bestimmt. Die Weimarer Republik als »Gründerzeit der zynischen Struktur der Moderne« dient Sloterdijk als Folie für die Gegenwart: Sowohl 1933 als auch 1983 sind für ihn Daten des Umschlags von einer Zwischenkriegszeit in eine Vorkriegszeit. Nur eine durch Hingabe und Liebe bestimmte »zweite Aufklärung« könne, so Sloterdijks Fazit, den »Zirkel der instrumentellen Vernunft« überwinden.
Wirkung: Selten fand die Publikation eines philosophischen Werks eine so große mediale Resonanz wie die der Kritik der zynischen Vernunft. Dem einhelligen großen Lob seitens der bürgerlichen Presse stand der Totalverriss im Nachrichtenmagazin Der Spiegel gegenüber, was einen »Rezensentenstreit« zur Folge hatte, der die Verkaufszahlen des Werks emporschnellen ließ. Die spätere fundiertere philosophische Auseinandersetzung machte den unbestritten glänzenden Stil des Werks zum Ausgangspunkt für Lob wie Kritik: Allerhöchster Respekt wurde Sloterdijks Belesenheit und seiner »Schopenhauer und Spengler ebenbürtigen« Ausdruckskraft gezollt, ebenso seinem Versuch, gegen das neue zynische »Unbehagen in der Kultur« anzuschreiben. Auf der anderen Seite wurde Sloterdijk als »narzisstischer Selbstdarsteller« attackiert, der »Theorie in Tumult« transformiere. M. F.

Kurzbeschreibung

Kritik der zynischen Vernunft
200 Jahre nach dem Erscheinen von Kants 'Kritik der reinen Vernunft' sieht sich jede Kritik, die Aufklärung in der Gegenwart einlösen will, mit einer neuen Form des falschen Bewusstseins konfrontiert. Dieses falsche Bewusstsein beruht weder auf Lüge noch auf Irrtum, es ist auch nicht durch die auf eine "Kritik der politischen Ökonomie" gestützte Ideologiekritik aufzulösen. "Zynismus ist das aufgeklärte falsche Bewußtsein. Es ist das modernisierte unglückliche Bewußtsein, an dem Aufklärung zugleich erfolgreich und vergeblich gearbeitet hat. Es hat seine Aufklärung gelernt, aber nicht vollzogen und wohl nicht vollziehen können. Gutsituiert und miserabel zugleich fühlt sich dieses Bewusstsein von keiner Ideologiekritik mehr betroffen, da seine Falschheit bereits reflexiv gefedert ist." Den Gehalt dieses selbst zynischen Satzes sucht der vorliegende Essay zu entwickeln, in einer Form, die sich der Verfahrensweisen des antiken Kynismus bedient: des Lachens, der Beschimpfung, der Angriffe. Aufgezeigt wird - in einem einleitenden Abschnitt - wie die verschiedenen Strategien aufklärerischer Kritik von den jeweiligen Gegenmächten umgebogen wurden und schließlich in unserem Jahrhundert in den modernen Zynismus münden. "Der zynische Herr lüpft die Maske ein wenig, zumal man ohnedies versucht, sie ihm herunterzureißen, lächelt seinen schwächeren Gegenspieler an - und unterdrückt ihn doch. Sachzwang, Machtzwang! Wissen ist Macht, auch so. Die Vormacht lüftet in ihren Zynismen ein wenig ihre Geheimnisse, treibt sozusagen ein bißchen Selbstaufklärung und 'plaudert aus der Schule'. " Die verschiedenen Ausprägungen dieses Zynismus läßt Sloterdijk in einem zweiten Abschnitt Revue passieren. Im letzten Teil seiner Untersuchung analysiert der Autor eine Epoche, in der der moderne Zynismus das politische und kulturelle Bewusstsein zum ersten Mal deutlich prägte: die Weimarer Republik, deren erstes Erbe der Faschismus und dessen zweiter Spross unsere Zeit ist.

Über den Autor

Peter Sloterdijk wurde am 26. Juni 1947 als Sohn einer Deutschen und eines Niederländers geboren. Von 1968 bis 1974 studierte er in München und an der Universität Hamburg Philosophie, Geschichte und Germanistik. 1971 erstellte Sloterdijk seine Magisterarbeit mit dem Titel Strukturalismus als poetische Hermeneutik. In den Jahren 1972/73 folgten ein Essay über Michel Foucaults strukturale Theorie der Geschichte sowie eine Studie mit dem Titel Die Ökonomie der Sprachspiele. Zur Kritik der linguistischen Gegenstandskonstitution. Im Jahre 1976 wurde Peter Sloterdijk von Professor Klaus Briegleb zum Thema Literatur und Organisation von Lebenserfahrung. Gattungstheorie und Gattungsgeschichte der Autobiographie der Weimarer Republik 1918–1933 promoviert. Zwischen 1978 und 1980 hielt sich Sloterdijk im Ashram von Bhagwan Shree Rajneesh (später Osho) im indischen Pune auf. Seit den 1980er Jahren arbeitet Sloterdijk als freier Schriftsteller. Das 1983 im Suhrkamp Verlag publizierte Buch Kritik der zynischen Vernunft zählt zu den meistverkauften philosophischen Büchern des 20. Jahrhunderts. Seit 2001 ist Sloterdijk in Nachfolge von Heinrich Klotz Rektor der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe sowie dort Professor für Philosophie und Ästhetik.

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