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Kritik der zynischen Vernunft
 
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Kritik der zynischen Vernunft [Taschenbuch]

Peter Sloterdijk
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)

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Taschenbuch, 2003 --  

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Produktinformation

  • Taschenbuch
  • Verlag: Suhrkamp (2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518124277
  • ISBN-13: 978-3518124277
  • Größe und/oder Gewicht: 17,4 x 11 x 3,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)
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Peter Sloterdijk
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Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Kritik der zynischen Vernunft
OA 1983 Form Sachbuch Bereich Philosophie
Zwei Jahrhunderte nach Immanuel R Kants Kritik der reinen Vernunft (1781) entwirft Peter Sloterdijk in seinem zweibändigen, fast 1000-seitigen philosophischen Essay eine aktualisierte Vernunftkritik: Die Kritik der zynischen Vernunft verquickt auf überaus elegante und stilistisch beeindruckende Weise philosophische Analyse mit Poesie und Polemik und zählt zu den meistverkauften philosophischen Werken des 20. Jahrhunderts.
Aufbau: Die Kritik der zynischen Vernunft besteht aus zwei Teilen: Der kürzere erste Teil (Sichtungen – Fünf Vorüberlegungen) führt in das Thema ein und entfaltet das Begriffspaar des Kynismus und Zynismus. Der zweite Teil (Zynismus im Weltprozess) ist in vier »Hauptstücke« unterteilt: Im »physiognomischen Hauptstück« wird die öffentliche Masturbation des Diogenes von Sinope als protokynischer Akt dargestellt, in dessen Nachfolge Sloterdijk vitalistische und existenzialistische philosophische Strömungen einordnet. Das »phänomenologische Hauptstück« stellt sechs »Kardinalzynismen« ein jeweiliges kynisches Pendant gegenüber: Militärzynismus (Pazifismus), Staats- und Vormachtszynismus (soziopolitische Protestbewegungen), Sexualzynismus (Feminismus), Medizinzynismus (volksmedizinische Selbsthilfetraditionen), Religionszynismus (Emanzipation), Wissenszynismus (Fröhliche Wissenschaft). Zu den Kardinalzynismen treten zwei »Sekundärzynismen«: der »Informationszynismus« der Regenbogenpresse und der kapitalistische »Tauschzynismus«.
Im »logischen Hauptstück« setzt sich Sloterdijk mit positivistischen, systemtheoretischen und pragmatischen Ansätzen auseinander, um die theoretisch gewonnenen Ergebnisse dann im ausführlichen »historischen Hauptstück« auf die Weimarer Republik anzuwenden, wobei sein Augenmerk besonders der Literatur der 1920er Jahre gilt.
Inhalt: Sloterdijk liefert drei Definitionen des Zynismus: In der ersten, allgemeinen Definition erscheint der Zynismus als »das aufgeklärte falsche Bewusstsein«, dessen »Falschheit […] bereits reflexiv gefedert« ist. Die zweite, historische Definition unterscheidet zwei Formen des polemischen Bewusstseins: den Zynismus »von oben« und den Kynismus »von unten«: Der antike Kynismus spiegele den »Drang von Individuen, gegen die Verdrehungen und Halbvernünftigkeiten ihrer Gesellschaften sich selbst als vollvernünftig-lebendige Wesen zu erhalten«. Die dritte, phänomenologische Definition beschreibt die Subversion selbsterkorener Wahrheitsinstanzen durch Verweis auf die »nackte« Wahrheit: »Das zynische Denken nämlich kann nur erscheinen, wo von den Dingen zwei Ansichten möglich geworden sind, eine offizielle und eine inoffizielle, eine verhüllte und eine nackte, eine aus der Sicht der Helden und eine aus der Sicht der Kammerdiener.«
Als »Konstanten unserer Geschichte« sind Kynismus und Zynismus für Sloterdijk korrespondierende Begriffe, deren Gegenüberstellung die Struktur der Kritik der zynischen Vernunft bestimmt. Die Weimarer Republik als »Gründerzeit der zynischen Struktur der Moderne« dient Sloterdijk als Folie für die Gegenwart: Sowohl 1933 als auch 1983 sind für ihn Daten des Umschlags von einer Zwischenkriegszeit in eine Vorkriegszeit. Nur eine durch Hingabe und Liebe bestimmte »zweite Aufklärung« könne, so Sloterdijks Fazit, den »Zirkel der instrumentellen Vernunft« überwinden.
Wirkung: Selten fand die Publikation eines philosophischen Werks eine so große mediale Resonanz wie die der Kritik der zynischen Vernunft. Dem einhelligen großen Lob seitens der bürgerlichen Presse stand der Totalverriss im Nachrichtenmagazin Der Spiegel gegenüber, was einen »Rezensentenstreit« zur Folge hatte, der die Verkaufszahlen des Werks emporschnellen ließ. Die spätere fundiertere philosophische Auseinandersetzung machte den unbestritten glänzenden Stil des Werks zum Ausgangspunkt für Lob wie Kritik: Allerhöchster Respekt wurde Sloterdijks Belesenheit und seiner »Schopenhauer und Spengler ebenbürtigen« Ausdruckskraft gezollt, ebenso seinem Versuch, gegen das neue zynische »Unbehagen in der Kultur« anzuschreiben. Auf der anderen Seite wurde Sloterdijk als »narzisstischer Selbstdarsteller« attackiert, der »Theorie in Tumult« transformiere. M. F. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiert .

Pressestimmen

"Zynismus steht in Sloterdijks Kritik für die paradoxe Struktur eines aufgeklärten, aber gleichwohl unglücklichen und falschen Bewußtseins, dem es nicht an Wissen mangelt, sondern an Hoffnung, in einer sinnvollen Geschichte zu leben." Deutschlandfunk, 5. Juni 1983

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Kankin Gawain TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch
Dieses Buch ist im besten Sinne aufklärerisch, denn es legt den Finger auf eine Wunde unserer modernen Geschichte. Dass nämlich jeder aufklärerische Impuls irgendwann zu Denkfaulheit und Abgestumpftheit des Herzens verflacht und dann zynisch wird. Anders gesagt: Wer irgendwann in der Geschichte recht bekam, der kämpfte darum, recht zu behalten, und wer so oft recht behielt, dass er sich gar nicht mehr rechtfertigen musste, der wurde gar zynisch. Ein kleines Alltagsexperiment: Schauen sie sich unsere Medienwelt aufmerksam an, und fragen sie sich, wer da eigentlich mit welcher Art des Zynismus am Werk ist.... Ich denke da nur an die hochgebildeten Programmchefs bei den Privaten, die zu Hause Kafka lesen und tagsüber die Menschen (in bester zynischer Manier) mit Unterschichtenfernsehen, Talkshows und dämlichen Gerichtssendungen abspeisen. Sloterdijks Kritik, die allerdings vor der Erfindung des Privatfernsehens geschrieben wurde, befasst sich eben gerade mit dem Aufspüren dieses mehr oder minder subtilen Zynismus, der sich in unserer Welt breit macht!
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Broschiert
Was heißt das überhaupt: Zynismus? "Dumm sein und Arbeit haben, das ist das Glück", sagt Gottfried Benn. Intelligenz macht also unglücklich. Warum? Weil der Schlaue das Elend dieser Welt erkennt. Dummheit beruht auf Ignoranz. Gelobt sei das Nichtwissen, das uns in Ruhe schlafen lässt.
Das unglückliche Bewusstsein ist ein Produkt der Aufklärung, die Illusionen zerstört und für Ernüchterung sorgt. Ein Zyniker weiß zu viel. Sein Humor wirft einen Funken Wahrheit in ein falsches Leben, das er gnadenlos durchschaut und verachtet, ohne es ändern zu können.
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14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Gedankenerweiternd 30. März 2004
Von Dichtung&Kritik TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Jetzt habe ich - nach 2 monatigem intensiven Lesen - Sloterdijks Buch, das immerhin fast 1000 Seiten umfasst, gelesen und zumindest in Ansätzen zu durchdenken versucht und hoffe, für andere Interessenten nun hier ein gewisses Fazit ziehen zu können: Das Thema des Buches ist wohl, so meine ich es zusammenfassen zu können, die Frage, was denn "Kynismus" und "Zynismus" seien, wie sie historisch entstanden, wo und wie sie damals und heute erschienen, in welcher Ausprägung, mit welcher Intention, und welche Bedeutung der Zynismus für unsere moderne Welt und Gesellschaft heute haben kann.

Sloterdijk beginnt dabei bei Null - er definiert alle wesentlichen philosophischen und soziologischen Grundbegriffe zu Beginn des Buches und breitet das Thema dann langsam und blumig vor dem Leser aus - blumig, da man ab der ersten Seite seine vielen Gedanken, vielen kleinen Ideen, Beispiele und Verdeutlichungen zu lesen bekommt; dieser Stil macht das Buch letztlich auch so lang. Manchmal wird man als Leser also schwer kämpfen und durchhalten müssen, weil die vielen Gedanken auf den vielen Seiten und die teilweise sehr komplexen Zusammenhänge (historisch, soziologisch, persönlich) das Auffassungsvermögen eines selbst gut belesenen Menschen doch teilweise bis an die Grenzen strapaziert. Andererseits wird man gerade durch die langen und beispielreichen Beschreibungen die Begriffe und Ideen Sloterdijks, so möchte ich jetzt, nach der Lektüre sagen, innerlicher begreifen.

Kynismus als Kritik von unten, als Lachen gegen die bestehenden Verhältnisse, hinauf in die oberen Gesellschaftsschichten.
Zynismus wiederrum als Lachen der Herrschenden über sich selbst, ohne aber, trotz Erkennens von Missständen, diese zu verändern; vielmehr bedeutet "zynisch Sein" gerade, Missstände durch das Lachen hindurch weiter - zum eigenen Vorteil - aufrecht zu erhalten. Dies nur als eine Facette von vielen, die Sloterdijk zum Nachdenken auswirft.

Insgesamt also ein gelungenes, pralles, philosophisches Werk, sicherlich ein gelungener Anschluss an Kants Kritik der reinen Vernunft, auf die auch Bezug genommen wird; eigentlich unterhaltsam geschrieben, aber dennoch, aufgrund der Gedankenfülle, anspruchsvoll, will man wirklich etwas davon zurückbehalten für das eigene Leben.
Was man dann aber behält, das ist so wertvoll und so umfassend weiterbildender, dass sich der lange Kampf durch die Seiten letztlich lohnt - man wird die Gesellschaft anders sehen, oder zumindest ein erweitertes Begriffsinstrumentarium erhalten, bestehende Verhaltensmuster zu erklären und so in gewisser Weise für sich und andere auch zu bannen - lesenswert.

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