Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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159 von 177 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Ich halte Toleranz für keine Tugend, sondern für eine Schwäche - und Intoleranz für ein Gebot der Stunde" (201)., 6. September 2008
"Kaum jemand traut sich, aus der Reihe zu treten und zu sagen: Unsere politische Kultur ist nicht ideal, nicht perfekt und nicht vollkommen, aber die beste, die wir je hatten und um Lichtjahre besser als die politischen Kulturen in den Ländern, aus denen die Migranten kommen. So etwas zu sagen, käme einem Super-Gau gleich, eher könnte es passieren, dass Verona Pooth zur Intendantin der Bayreuther Festspiele ernannt wird. Aber: So viel Intoleranz muss sein, der Klarheit zuliebe" (188).
Henryk Broder war schon immer der Typ, der bei der Wahl der rhetorischen Waffen eher zur Bazooka als zum Florett gegriffen hat. So war es bei seinem 2006 erschienenen Buch Hurra, wir kapitulieren!: Von der Lust am Einknicken, in dem er die westliche Wertegemeinschaft dazu aufrief, den Islam endlich als Bedrohung wahrzunehmen und ihn nicht weiter zu verharmlosen. Sein neues Buch "Kritik der reinen Toleranz" knüpft hier nahtlos an. Broder stellt fest, dass der gesellschaftlich-politische Diskurs in Europa von einer geradezu neurotischen Sucht nach einer Toleranz geprägt sei, die nicht normativ gebunden ist und für sich allein stehend als Kardinaltugend fungiert. Seine Hauptattacken gelten weiterhin dem Islam und dessen politische korrekten Apologeten, die bereit sind, Ehrenmorde, Selbstmordattentate und gewaltsame Proteste gegen Karikaturen des Propheten mit dem Hinweis auf die imperiale Arroganz des Westens zu relativieren: "Der Westen ist kulturell in der Defensive, was ihm an Tatkraft fehlt, macht er durch Toleranz wett, während die Migranten, die als benachteiligt gelten, ein gesundes Selbstbewusstsein vorleben, um das man sie nur beneiden kann, und das nicht nur, wenn es um die Größe der Moscheen und die Höhe der Minarette geht, die gebaut werden sollen" (199f.).
Zur Höchstform läuft Broder auf, wenn er die Vertreter des Gutmenschentums mit Hohn, Spott und einer gehörigen Dosis Sarkasmus überzieht. Über zwei Wissenschaftlerinnen, die behaupten, dass "die Entblößung des weiblichen Körpers" (168) nicht viel schlimmer sei als "die Verhüllung des weiblichen Körpers in der islamischen Kultur" (ebd.), bemerkt er süffisant: "Man kann keinen Akademiker dazu zwingen, täglich mindestens eine Tageszeitung zu lesen, man muss ihn nur daran hindern, seine eigenen Wahrnehmungsstörungen als wissenschaftliche Erkenntnis auszugeben" (169). Vor Zynismus noch triefender sind Broders Breitseiten gegen die esoterische angehauchten Kulturrelativisten im Allgemeinen: "Sie besuchen Meditationskurse, trainieren Kung Fu, richten ihre Wohnungen nach den Regeln des Feng Shui ein [...] und wenn sie am späten Abend nicht zu müde sind, weil sie den ganzen Tag Krombacher Pils gesoffen haben, um den brasilianischen Regenwald zu retten, dann schauen sie sich auf arte noch einen ausländischen Film in der Originalfassung an" (118). Na dann mal Prost...
Mit seiner heftigen und teils verletzenden Polemik trifft Broder aber genau den Kern der Sache. Es ist schwachsinnig, einfach nur mehr Toleranz zu fordern. Toleranz ist ein wertfreier Begriff und an keine positiven Werte und Normen gebunden. Für wen oder was soll diese allumfassende Toleranz denn gelten? Für Neo-Nazis, die im Suff Ausländer in der ostdeutschen Provinz zu Tode hetzen? Für Pädophile? Für Steinigungen von Frauen, die vergewaltigt wurden und somit Ehebruch begangen haben? Für Länder wie den Iran, in denen Schwule gehängt werden? Toleranz muss normativ gebunden sein und diese Bindung erfolgt bei uns durch die unveränderlichen ersten 20 Artikel des Grundgesetzes. Alle, die bei Broders Attacken gegen zu viel Toleranz die Nase rümpfen und ihm unter anderem Ausländerfeindlichkeit attestieren wollen, sollten zur Kenntnis nehmen, was Carlo Schmid, einer der Väter des Grundgesetzes, der 1948/9 für die SPD im Parlamentarischen Rat saß, gesagt hat: "Wir müssen den Mut zur Intoleranz denjenigen gegenüber haben, die die Mittel der Demokratie benutzen wollen, um diese zu beseitigen." Dieses Credo der wehrhaften Demokratie, welches auf die Erfahrungen der Weimarer Republik gemünzt war, muss wieder in das Bewusstsein der Bevölkerung gelangen, bevor es zu spät ist. Wertfreie Toleranz ist ein Verbrechen gegen unser freiheitlich-demokratisches Gesellschaftsmodell, welches sich, bei aller Schwäche, als das Beste erwiesen hat, was jemals von einer Gemeinschaft von Menschen ausprobiert wurde. Oder in den Worten Broders: "Ich halte Toleranz für keine Tugend, sondern für eine Schwäche - und Intoleranz für ein Gebot der Stunde" (201).
Fazit: Broder ist hart und kompromisslos und stellt viele Dinge sicherlich vereinfacht dar. Dennoch ist "Kritik der reinen Toleranz" ein sehr wichtiger und uneingeschränkt zu empfehlender Beitrag in der derzeitigen Diskussion um die Grenzen der Toleranz und der Frage, wie sich der Westen als Wertegemeinschaft definieren soll. Etwas störend ist es, dass verschiedene Aspekte (die Regensburger Rede des Papstes; der Erzbischof von Canterbury, der Teile der Scharia in England einführen will) gleich mehrfach erwähnt werden, so dass man zu dem Schluss kommen kann, dass Broder das Buch nicht aus einem Guss geschrieben hat, sondern, zumindestens zum Teil, verschiedene seiner Artikel aus Tageszeitungen und Magazinen zu Buchkapiteln erweitert hat. Da Broder aber den Kern der Sache trifft und sein Schreibstil einfach einmalig ist, sind die fünf Sterne trotzdem zu rechtfertigen.
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49 von 54 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Denktraditionen freiwilliger Selbstentmündigung, 13. November 2008
Angeblich bemitleidenswürdige Messerstecher, nachsichtige Richter, dialogführende Psychologen, drohende und mordende gegenwärtige Staatschefs, von der medialen Vordenker-Elite liebevoll mit Aufmerksamkeit bedacht und mit Lob, Ehre und Ruhm zugeschüttet: Damit lohnt sich allemal eine literarische Auseinandersetzung. Toleranz ist das Leitwort schlechthin; hier die verletzten und gekränkten Gläubigen, die gar nicht anders können als Botschaften abzufackeln, um ihre Ehre zu retten, dort die kleinlauten und ewig bussfertigen Relativisten des Abendlandes, die den Dialog der Kulturen als therapeutisches Selbstgespräch inszenieren und dabei die orientalischen Einwanderer als neues Proletariat entdeckt haben, die nun ihr volles Engagement erfordern. Organisiertes Beleidigtsein, verbunden mit Drohungen und vor allem die Angst vor ihrer hemmungslosen Kraft erweist sich als todsicheres Rezept für Verständnis und Unterwürfigkeit. Darin offenbart sich ein Geisteszustand des Westens, der sich immer weiter islamischen Interessen beugt. Während einst die Mord-Fatwa gegen Rushdie noch Empörung auslöste, so steht heute angeblich rassistische Islamskepsis im Fokus jener, die ihre Wunschphantasien der harten Realität vorziehen.
Broder behandelt diese Damen und Herren nur am Rande. Scheinheiligkeit ist schliesslich kein (christliches) Kirchenmonopol. Die Welt, in der uns das Kaffeekränzchen mit Terroristen und das mahnende Erheben des Zeigefingers für jugendliche Schläger als Lösung aller Gewaltprobleme empfohlen werden, unterzieht er schärfster Analyse über all jene, die immer noch meinen und gerne glauben, der politische Islam sei ein Friedensengel. Er schätzt deutliche Worte und harte Polemik, wenn er austeilt, vornehmlich gegen Radikale aller Art, selbstgefällige Gutmenschen, Kerzenhalter und Appeaser. Broder bleibt in diesem gehobenen politischen Kabarett in Buchform in jedem Fall der argumentative Sieger. Humorvoll und trotzdem hoch politisch führt er den Leser in die Abgründe der naiven und von unterschwelligen Drohungen genötigten Seelen, die ihr Entgegenkommen als menschenfreundlich empfinden, angereichert mit viel beissendem Spott und spitzfindigen Vokabular. Man könnte auch mal darüber nachdenken, ob man die Polizei nicht abschaffen sollte, um die Kriminalität effektiver zu bekämpfen" zieht Broder als Fazit.
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118 von 133 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die liberale Gesellschaft geht an ihrer Toleranz zugrunde!, 6. Oktober 2008
So lautet eine der zentralen Thesen dieses faktenreichen Buches: Für Broder ist Intoleranz ein Gebot der Stunde - Intoleranz gegenüber jenen, die Toleranz verlangen, sie in ihren Familien etc. nicht ausüben, die diese Toleranz aber, sollten sie Macht erlangen, natürlich sofort abschaffen würden.
Hauptfeind ist für Broder ein Islam, der im Gegensatz zu Christen- und Judentum nie eine Aufklärung mitgemacht habe, in dem es nie eine Reformation oder Revolution gab. Nach der Blütezeit der maurischen Kultur in Spanien etwa zwischen dem 8. und 13. Jahrhundert ging es mit der islamischen Kultur (bis heute) nur mehr bergab. Heute werden zB jährlich 1500 Bücher in das Griechische übersetzt (bei 11 Millionen Griechisch Sprechenden), aber nur 330 Bücher ins Arabische (bei fast 300 Millionen Arabisch Sprechenden).
Den Hauptteil des Buches macht natürlich die Situation in Deuschland aus: "Ehrenmorde"; der hohe Anteil von jugendlichen Migranten bei Gewalt- und Intensivtätern in Berlin (bis zu 80%); die Tatsache, dass die Moslemverbände die Fürsorge für ihre Jugendlichen der Gesellschaft überlassen haben (und noch viele weitere Beispiele) lassen Broder zum Schluss kommen, dass zwar Deutschlands Freiheit am Hindukusch verteidigt werde - aber: "In Neukölln hat man sie schon aufgegeben."
Broders Buch ist natürlich polemisch, manchmal zynisch, aber brillant geschrieben. Nur: Man wird Broders Schlüssen in weiten Bereichen (leider) zustimmen müssen - und man kann nur hoffen, dass möglichst viele durch das Buch aufgerüttelt werden!
Und als Österreicher braucht man sich dann nicht zu wundern, warum bei der Wahl vom 28.9. 2008 so viele junge Menschen für die beiden Rechtsparteien FPÖ und BZÖ gestimmt haben...
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