Wenn man sich immer einmal wieder schreibend durch die Welt bewegt, dann hat man mit Volker Hages 'Vom Schreiben über Literatur' ein Buch in der Hand, das für Anregung sorgt. Denn der renommierte Literaturkritiker zeigt im Nebeneinander von theoretischer Fundierung und praktischer Anschauung, wie vielfältig Journalismus sein kann. Selbst der begrenzt erscheinende Literaturjournalismus / Kulturjournalismus bietet zahlreiche Möglichkeiten der Entfaltung, wenn man sich bemüht, mit dem Schreiber Volker Hage auf den Weg zu machen. Er dokumentiert unzählige eigene Texte in verschiedenen Darstellungsformen und bietet somit eine Ermunterung, es ihm nachzumachen, wenn man ein entsprechendes Medium zur Veröffentlichung parat hat.
In den einführenden Texten Volker Hages wird deutlich, dass Literaturjournalismus eigentlich nur im Dreiklang von Autor, Leser und Kritiker gelingen kann. Schliesslich erscheint notwendig, was er zum Abschluss des Beitrags 'Literatur am Montag' zusammenfasst: 'Gut geschrieben, nicht nur gut gemeint: das ist eine Forderung an die Literatur ebenso wie an ihren traditionsreichen Schatten und Begleiter, die literarische Kritik. Am Ende vielleicht sogar die entscheidende.' An anderer Stelle wagt Volker Hage eine andere Formulierung, die zusammenfassenden Charakter hat: 'Der Journalist ist nicht nur Kritiker, er ist auch Reporter, Porträtist, bestenfalls ' im bescheidenen Sinne ' Erzähler.'
Dies führt zu einer anderen Bemerkung, die für das Lesen und das Schreiben im allgemeinen, aber für das Schreiben über Literatur im besonderen zutrifft. Jedes Gespräch über Literatur sei ein Tasten, ein erster Schritt, ein Vorschlag, selbst der verstiegenste Monolog ein Angebot zum Dialog, zur Erwiderung und Revision. So wird natürlich klar, dass das Leben im allgemeinen, das Lesen und Schreiben im besonderen immer aber auch einer gewissen Dialektik und Hermeneutik bedarf.
Wer mit einem solchen Verständnis an Bücher, Zeitschriften oder auch das Internet herangeht, für den sind die vielen journalistischen Annäherungen Volker Hages an die Literatur ein farbiger Blumenstrauss, den man gerne in die Hand und auf dem Nachttisch liegen hat. Und man glaubt erst im Laufe der Lektüre des Buchs 'Kritik für Leser', dass selbst der oft versteckte Literaturjournalismus eine grosse Aufgabe für den Praktiker ist. Man entwickelt Freude daran, dass die Rezension in diesem Bereich nur ein minimaler Ausschnitt journalistischen Nachdenkens und Schaffens ist. Verschiedene Formen der Kritik gibt es . Verschiedene Möglichkeiten von Interviews und Porträts stellt Volker Hage vor. Er zeigt aber auch, dass man Literaturjournalismus mit Reisereportagen und Essays, mit Leitartikeln und Kolumnen betreiben kann. Während man beim Kauf des Buchs 'Kritik für Leser' noch eine Portion Skepsis in sich hat, ob es sich lohnt, so sind die Ernten nach der Lektüre umso grösser. Journalistische Feinkost.
Das Buch 'Kritik für Leser' macht auf das engagierte Lesen genauso Geschmack wie auf das Schreiben. Schliesslich ermöglichen beide Leidenschaften die Distanz zum und das Nachdenken über Beruf und Alltag.