"Jeder Staat muß freie Menschen als mechanisches Räderwerk behandeln; und das soll er nicht; also soll er aufhören": Daß der Staat aufhören soll, wie G.W.F Hegel vor 200 Jahren verlangte, daß er, ob abgeschafft (Bakunin) oder aufgehoben (Marx), jedenfalls zu verschwinden hat, gilt der Gegenwart als das Undenkbare schlechthin. Vielmehr erscheint der Staat als anthropologisches Existential, gar als Friedenstifter einer Gesellschaft, in der der Mensch gar nicht anders kann, als des Menschen Wolf zu sein. Ob linksbürgerliche Demokratiewissenschaft oder konservativer Autoritätskult, ob ökologischer Wirtschaftsumbau, zivilgesellschaftliche Staatsreform oder postmodernes Patchwork der Minderheiten - die Gegenwart hat ihren Frieden mit dem Staat gemacht. Ist Politik nichts anderes als das zur ökonomischen Ausbeutung passende Management? Was ist die Verfassung anderes als die Geschäftsordnung, dergemäß diese Herrschaft ausgeübt wird? - Der Kampf der Parteien um die Macht ist die Weise der Verschleierung der Herrschaft des Menschen über den Menschen.
Inhalt: *Hans-Georg Backhaus, Über den Begriff der Kritik im Marxschen "Kapital" und in der Kritischen Theorie
*Werner Bonefeld, Betroffenheit und die Vernunft der Kritik
*Manfred Dahlmann, Das Rätsel der Macht. Über Michel Foucault
*Ulrich Enderwitz, Imperium Romanum ante portas
*Georg Fülberth, Philologisches zu einem Kriegs-Aufsatz von Jürgen Habermas
*Stephan Grigat, Agnolis Kritik der Politik, das Elend der Politikwissenschaft und der Staatsfetisch in der marxistischen Theorie
*Fabian Kettner, In welchem Detail steckt der leibhaftige Gott? Über merkwürdige Genossenschaften
*Antonio Negri, Paschukanis lesen
*Kosmas Psychopedis, Das politische Element in der Darstellung dialektischer Kategorien
*Gerhard Scheit, Heroen des Kriegs, Gott des Reichtums. Tragödie und Komödie der Politik
*Michael Wilk, Technik des sozialen Friedens: "Beteiligung als Akzeptanzmanagement"