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Kristus. 3 CDs: Das unerhörte Leben des Jan Beukels
 
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Kristus. 3 CDs: Das unerhörte Leben des Jan Beukels [Audiobook] [Audio CD]

Robert Schneider , Christoph Busch , Thomas Leutzbach
4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (21 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Audio CD
  • Verlag: Der Audio Verlag, Dav; Auflage: 1., Aufl. (Dezember 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3898134636
  • ISBN-13: 978-3898134637
  • Größe und/oder Gewicht: 14,2 x 12,2 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (21 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 581.266 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Robert Schneider
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Robert Schneiders Meisterwerk Schlafes Bruder, vor über einem Jahrzehnt erschienen und großartig verfilmt, steht noch immer als uneingelöstes Versprechen am Beginn einer Schriftstellerkarriere. Seither hat Schneider ausschließlich Werke publiziert, die sein großes Potenzial zwar zeigen, es jedoch kaum zu nutzen wissen. Kristus entspricht noch am ehesten den Erwartungen, an denen sich der Autor seit Schlafes Bruder messen lassen muss.

Der Stoff ist gut gewählt: Das Schicksal des Wiedertäufers Jan van Leyden, der sich im 16. Jahrhundert zum Diktator über das protestantische Münster aufschwingt, birgt ein Übermaß an Dramatik und ist in seiner ethischen Dimension auch heute noch von brennender Aktualität. Als Jan Beukels in der niederländischen Stadt Leiden aufgewachsen und mit großem rhetorischen Talent begabt, geht der Junge erst bei dem wohlmeinenden Kartäusermönch Gerrit tom Kloister in die Lehre und mausert sich schließlich zu einem erfolgreichen Kaufmann, der ganz Europa bereist. Zum Verhängnis wird ihm sein Charisma, dem seine Mitmenschen nur schwer widerstehen können.

“Wo und wann immer Menschen einer Utopie erlegen sind, mussten sie scheitern und oft daran zerbrechen”, gibt Schneider zu bedenken. Damit bringt er die Botschaft, die seinem Roman zugrunde liegt, auf den Punkt. Leider ist der Autor ebenso wie seine Figur vom Schwung der Ereignisse mitgerissen worden: Sprache wie Umfang des Romans sind ihm aus dem Ruder gelaufen und machen die Lektüre bisweilen zu einem eher anstrengenden Unterfangen. Bei aller Kritik sollte allerdings nicht vergessen werden, dass Schneider auf einem Niveau scheitert, das andere Schriftsteller nicht einmal anzustreben wagen. Insofern ist Kristus noch immer ein literarisches Ereignis. --Helge Basler -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Kurzbeschreibung

"Fesselnd, farbenprächtig, reich an historischen Details." Brigitte

Im Alter von acht Jahren empört er seinen Schulmeister mit dem Wunsch, "Kristus" werden zu wollen. Mit 25 läßt er sich zum König der Wiedertäufer krönen, mit 27 endet sein Leben nach einem spektakulären Schauprozeß am Lamberti-Kirchturm zu Münster: Jan Beukels (1509-1536), Gottsucher, Prophet und Scheusal, war ein religiöser Fanatiker, und seine Geschichte ist noch heute so wahr wie aktuell, abenteuerlich, düster und bizarr. Robert Schneider ("Schlafes Bruder"), bekannt für die hohe Musikalität seiner Sprache, erzählt mit Worten, die schaudern machen. Aus dem "lebendigen und funkensprühenden Geschichtspanorama" (ZeitPunkt Leipzig) hat der WDR ein Hörspiel gemacht, das ganz im Stil von "Die Päpstin" Zeit und Akteure heraufbeschwört: eine opulente akustische Reise ins 16. Jahrhundert.


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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
33 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Fuchs Werner Dr #1 HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Was sich vor fünfhundert Jahren im europäischen Alltagsleben abspielte, können wir uns nicht vorstellen. Eine leise Ahnung davon, geben uns die Bilder im neuen Roman von Robert Schneider. Finstere, depressive, melancholische, dumpfe Zeiten. Religionskriege. Kämpfe um den richtigen Glauben, nebst den Kämpfen ums Überleben, Ich finde es zwar auch stinkig, wie ungleich das Kapital heute verteilt ist, aber diese Ungleichheit tangiert mein eigenes Überleben nicht direkt. Als Luther seine 95 Thesen an die Tür hämmerte, war das nicht der Trommelwirbel für ein freies Leben. Das sollte noch einige Zeit dauern. Vielmehr wurde das von anderen Eiferern als Startschuss verstanden, mit der Errichtung neuer Glaubensreiche zu beginnen. „Sie wollten das Paradies und brachten die Hölle." Dieser Satz in Schneiders Vorwort fasst das Buch zusammen.

Was die Lichtengel zu Despoten veränderte, darüber erfahren wir wenig. Diese Antwort nimmt uns der Autor nicht ab, was einige Kritiker verärgerte. Doch so absolut stimmt das ja gar nicht. Robert Schneider weigert sich bloss, die im Buch verstreuten Antworten auf ein paar kopierbare Seiten zusammenzufassen.

Jan van Leyden, der König von Münster, tritt als siebenjähriger Knabe in den Roman ein. Danach sind wir Zeuge seiner Biographie bis zum bitteren Ende. Wir sind Zeugen einer Zeit, die unendlich lang hinter uns zu liegen scheint. Aber wir sind nur selten Zeugen von den inneren Seelenwelten. Das hat mich ein bisschen enttäuscht, und ich brauchte einige Seiten und Pausen, bis ich mich damit abgefunden hatte und meine Erwartungshaltung korrigieren konnte. Dann aber las ich das Buch unter dem Blickwinkel der Machtausübung. Unterdrückung und Verführung der weltlichen und religiösen Kastenmitglieder. Wie Robert Schneider diese Instrumente und ihren Einsatz beschreibt, ist ganz grosse Klasse. Allein schon die Stellen über die Osterrituale der Machthaber lohnen die Lektüre. Goebbels muss solche Inszenierungen genau studiert haben. Und man stelle sich mal vor, bis 1500 hat das Volk Sätze nachgebetet, die es gar nicht verstand, alles Latein! Als ob in der Schweiz ausser meinen Freunden alle anderen Chinesisch sprechen und mir das Erlernen dieser Sprache verbieten würden. In solchen Beschreibungen erinnerte mich „Kristus" an „Schlafes Bruder".

Die Stärke des neuen Romans ist zugleich seine Schwäche. Die Bilder sind so gewaltig, dass sie lose im Freien hängen, aber den Weg zum seelischen Raum nicht finden. Man könnte einwenden, der Leser müsse eben die Brücken alleine schlagen. Okay, aber es sind zu viele. Zu viel Arbeit für den vollen Genuss möchte der Leser nicht investieren. 600 Seiten in der heutigen Hektik und beim heutigen Konkurrenzangebot zu lesen, ist ja auch nicht ohne.

Zur Bewertung: Fünf Sterne für die Sprachbilder und einzelne mehr als leckere Stellen, drei für die Gesamtkomposition und die Einfühlung in die Personen. Macht vier Sterne. Das schöne an diesem Besprechungsspiel ist ja, dass andere auch wieder andere Schwerpunkte setzen. Denn das ermöglicht Robert Schneider mit Leichtigkeit, den eigenen Glaubensvorstellungen zu folgen.

Und noch ein Quertipp zu dieser Zeit: John Vermeulen, Der Garten der Lüste. Roman über Leben und Werk des Hieronymus Busch.

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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von H. Kahle
Format:Taschenbuch
Wer in diesem Buch den Nachfolger von "Schlafes Bruder" sucht, wird wohl bitter enttäuscht werden. Dieses Buch ist anders, weniger verträumt, romantisch, dafür grausam, dicht der geschichtlichen Überlieferungen folgend, zynisch und darauf bedacht die Schattenseite der menschlichen Seele zu entblößen. Ich hatte nie das Gefühl, dass es sich hierbei um einen "unterhaltsamen Mittelalterschmöcker" handelt, sondern dass uns der Autor auf etwas hinweisen möchte, auf etwas, was sich immer wieder in der Weltgeschichte wiederholt hatte und sich auch zukünftig wiederholen wird. Dabei wurde es mir völlig unwichtig, einer Geschichte zu folgen, sondern den Werdegang eines Psychopathen.

Auffallend war hierbei, dass der zweite Teil des Buches sich im Charakter geändert hat. War der erste Teil noch davon geprägt, den naiven und schwermütigen Jan Beukels von der Kindheit bis hin zum Täuferbekenntnis zu begleiten, war im zweiten Teil der Protagonist aus dem Fokus der Geschichte gerückt, um den Geschehnissen in und um Münster Raum zu verschaffen. Mit hinzugekommen sind eine ganze Reihe von Personen, die zur menschlichen Tragödie beigetragen hatten, wie etwa der Graf Waldeck, dem für Krieg das nötige Talent und die Tüchtigkeit gefehlt hatte, Bernt Knipperdolling, der eitle Gewandschneider, der nie Achtung in der Gemeinde der Täufer bekommen hatte oder gar Else Wantschers, deren Liebe der psychopathische Jan Beukels (van Leyden) nie erwidern konnte. Gerrit tom Kloister nahm meiner Meinung nach eher die passive Rolle des Kommentators ein, die Stimme des Gewissens und der Weisheit. Oftmals wankte die Geschichte zwischen Orwells "Farm der Tiere" und "Der Untergang" (Bruno Ganz i.d. Hauptrolle). Mit der Belagerung Münsters nahm die Katastrophe ihren Lauf. Erst gehen alle Lebensmittel in der Stadt zu neige, dann scheitern eine ganze Reihe an Versuchen, die Stadt zu erstürmen und zu Letzt ließ der selbst ernannte König (Tyrann) von Münster Menschen wegen Nichtigkeiten hinrichten. Doch bleibt hierbei das "Warum" und "Wie-konnte-so-etwas-nur-passieren" nicht weiter ungeklärt. Sehr subtil zeigte der Autor die Stationen des Wahnsinns auf, der anfing mit der Suche nach dem Lebenssinn und der Verzweiflung, dem Einflechten des Irrglaubens der Wiedertäufer, dem Verlust der Realität, der Entstehung des absoluten Weisheits- und Meinungsmonopols und die endlose Bekämpfung der inneren Feinde. Schnell wird einem hierbei klar, dass das einem alles sehr bekannt vorkommt. Angefangen bei dem Kommunismus, der im Klassenkampf ebenfalls paradiesische Visionen propagierte, die sich allesamt als Utopien herausgestellt haben, der Naziherrschaft, die in der "Wollt-Ihr-Den-Totalen-Krieg-Endphase" des Zweiten Weltkrieges Millionen von Menschen in den Tod trieben, obwohl der Krieg schon mehr als hoffnungslos verloren war, dem Talibanregime, das die Musik, alle Sinnesfreuden und vor allem ihre eigenen Frauen als größte Bedrohung ansah und gerade sie so grausam gequält und ermordet hatte, oder aber auch die Zeugen Jehovas, die in ihrer eigenen Wahrheit leben und ihre Mitglieder durch Angst vor dem bevorstehenden Weltuntergang (was sich bisher natürlich immer als Quatsch herausgestellt hatte) unterdrücken und von der "satanischen" Außenwelt isolieren.

Hieraus ergab sich ein intelligent geschriebener Roman, der nicht nur Robert-Schneider-Fans wärmsten empfohlen ist. Klar, dass das kein Stoff ist, aus dem schöne Romane entstehen. Die Geschichte ist grausam, doch sehr lehrreich.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Mario Pf. HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Es sind schicksalhafte Begegnungen die Jan Beukels Leben prägen, wie die Begegnung mit dem Kartäusermönch Gerrit tom Kloister. Als er und seine Schulklasse kurz darauf ihre Berufswünsche angeben sollen, schreibt er, der noch unter dem Eindruck einer nachgestellten Prozession von Christus Einzug in Jerusalem, "Kristus" auf sein Blatt Papier und erntet dafür Spott und eine schallende Ohrfeige. Der Junge ahnt nicht, dass er streng genommen eigentlich eine Blasphemie begangen hat. Wenig später wird er sogar in den ketzerischen Zirkel seines Vaters aufgenommen, wo er seine philosophischen und religiösen Überzeugungen erstmals unter Gleichgesinnten formulieren kann. Doch Jan Beukels kindlicher Berufswunsch muss zunächst der Realität weichen und so wird er Schneiderlehrling, der sich allerdings zu höheren berufen fühlt.

Wieder ist es eine Begegnung, die seinem Leben eines neue Wendung gibt, als er dem schwärmerischen Sir Herbert nach England folgt. Doch alle Illusionen zerbrechen, als er von dessen Schergen ausgeraubt und zum Tagelöhner wird, der schließlich im Kerker landet und dort von der Wache missbraucht wird. Als gebrocher Mann kehrt er nach Leyden zurück. Als Gehilfe des reichen Kaufmanns Ibram Goncalves begegnet er der spanischen Inquisition und erlebt den grausamen Mord an Juden, Ketzern und Muslimen. Endgültig schwört er der Autorität in Rom ab und zurück in Leyden schließt er sich der aufstrebenden Bewegung des selbst ernannten Propheten Mathys an...

Jan Beukels Lebensgeschichte berichtet archetypisch vom Fall eines Idealisten und zeichnet die Pervertierung einer Utopie nach, die auf realen Begebenheiten aus der Zeit der Reformation basiert. Der 1510 geborene Jan Beukels, der sich später Jan von Leyden nannte, gründete in Münster das Königreich des Himmlischen Jerusalems und krönte sich zum ersten König. Mit Hilfe eines Rats aus 12 Aposteln, seines Scharfrichters Bernd Knipperdolling und Kanzlers Heinrich Krechting und versuchte in Erwartung des nahen Weltuntergangs die Ideale der Wiedertäufer zu verwirklichen. Bis auf die Bibel wurden alle Bücher verbrannt, Geld wurde abgeschafft und die Gütergemeinschaft eingeführt, Verstöße gegen die 10 Gebote wurden mit der Todesstrafe belegt. Doch aus der gerechten und gottgewollten Herrschaft wurde ein blutiges Schreckensregime, in welchem König Jan auch gegen den Widerstand seiner Anhänger die Vielehe einführte, bis die von Bischof Franz von Waldeck geführten Truppen Münster mit Gewalt der Gegenreformation unterwarfen.

Kristus steht an Brillanz und Tiefgang George Orwells "Farm der Tiere" in nichts nach, doch die Sprache der sich der Autor bedient ist eine gänzlich andere. Verkitscht und kompliziert, mit vielen Nebensätzen und Beistrichen ist Robert Schneiders Stil nicht jedermanns Sache und bei 600 Seiten könnte man schon fast aufgeben. Doch der Autor setzt auf ein hohes sprachliches Niveau und schafft es die menschlichen Abgründe am Scheitern eines Idealisten versinnbildlicht und glaubwürdig darzustellen. Er überzeugt dadurch dass er Jan Beukels Transformation als langsamen Prozess der Veränderung darstellt und wer weiß, vielleicht ist es dem echten Jan Beukels genauso ergangen. "Kristus" ist zudem eine Geschichte über die oft verdrängte "radikale" Seite des Christentums.

Fazit:
Ein spannender, epischer und vor allem glaubwürdiger historischer Roman, über den Fall eines Idealisten.
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