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Kristallnacht
 
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Kristallnacht

John Zorn Audio CD
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Produktinformation

  • Audio CD (29. Oktober 2001)
  • Anzahl Disks/Tonträger: 1
  • Label: Tzadik (SunnyMoon Distribution)
  • ASIN: B000003YU9
  • Weitere Ausgaben: Audio CD
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 132.596 in Musik (Siehe Top 100 in Musik)

 
1. Shtetl (Ghetto Life)
2. Never Again
3. Gahelet (Embers)
4. Tikkun (Rectification)
5. Tzfia (Looking Ahead)
6. Barzel (Iron Fist)
7. Gariin (Nucleus-The New Settlement)

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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Riyad Salhi TOP 1000 REZENSENT
Format:Audio CD|Von Amazon bestätigter Kauf
I. Zorn war klug genug, dieses Album nicht "Holocaust", "Shoah" oder gar "Auschwitz" zu nennen. Er setzt da an, wo für die breite, auch internationale Öffentlichkeit das Programm des Dritten Reiches offen und mit klirrender Wucht zutage trat. Mit der Kristallnacht ist Auschwitz jedoch mitgemeint und jede Form von (nicht nur physisch spürbaren, auf Zerstörung des Körpers abzielenden) Antisemitismus. Diese Befeuerung ist mitunter kaum auszuhalten und via Kopfhörer sogar ohrenschädigend. Sie bedient nicht das Prinzip Betroffenheit, ist kein Requiem, schon gar nicht "Holokitsch" (Art Spiegelman). Zorn macht es einem nicht leicht. Wie darf ich das Stück "Barzel (Iron Fist)" verstehen? Ist das "zugespitzter Zionismus" im Sinne der Jüdischen Verteidigungsliga ("Gewalt als letztes Mittel")? Warum dann aber nur zwei Minuten lang? Ist auch diese Kürze ein Statement, wenn ja, wofür?

II. "Happiness is irrelevant. Happiness is for children (...). I'm not striving for happiness, I'm trying to get some work done. And sometimes the best work is done under doubt." (John Zorn, Sommer 2002).

III. Hitler spricht im Eröffnungsstück, womöglich das beste in Zorns Werkkosmos. Zur "Entarteten Kunst", was hier so nahe liegend ist wie sonst nichts, und das heisere, gesampelte Brüllsprech wird zum Sound: "Das ganze Kunst- und Kulturgestotter von Kubisten, Futuristen, Dadaisten ist weder rassisch begründet noch volklich erträglich. Es ist als Ausdruck einer Weltanschauung zu werten, die von sich selbst zugibt, dass die Auflösung aller Begriffe, aller Völker und Rassen (...)" Hitlers Stimme wird Musik oder - wohl eher zutreffend - stört die Musik und färbt das klezmerartige "Shetl (Ghetto Life)" dunkelbraun ein. Am Ende kratzig und unwirklich: Lili Marleen in der Original-Version, Durchhalteschmalz, Nazirealität im Unterhaltungsformat. Und die letzten Sekunden, knapp oberhalb der Wahrnehmungsgrenze: Charlie Chaplin als großer Diktator.

IV. Darauf folgt Vernichtung. "Never again" ist mit fast 12 Minuten eine Tortur, soll eine sein, und zwar eine, die ich nie wieder hören will. Noisekrawallisten wie der japanische Merzbow haben keinen vergleichbaren Graus fabriziert. Zerberstendes Kristall, in der höchsten denkbaren Tonlage, in ein schmerzendes Extrem gepitcht, von akustischer Vergewaltigung darf man ruhig sprechen. Wer soll all die Scherben wieder auffegen? Konzeptionell ist dieser Track an Originalität unübertrefflich, Musik ist es indes nicht. Deshalb ist "Kristallnacht" in aller Vollständigkeit ungenießbar. Aber Zorn wollte keine goutierbare Abstraktion, er will uns vielmehr mit Blut, Speichel und Scharfkantigem bewerfen. Zwar spielt Mark Feldman seine Violine, aber von der Geigenseligkeit wie in der Partitur zu "Schindler's List" sind wir weit genug entfernt.

V. Er liefert nicht das ab, was man erwartet, selbst dann nicht erwartet, wenn man weiß, was er beabsichtigt. Das abschließende Stück beginnt mit Percussioninseln und ähnelt entsprechenden Passagen aus dem Score zu "The Outlaw Josey Wales" von Jerry Fielding, geht dann unerwartet in einen aggressiven Instrumental-Rock über, der mit dem Staat Israel und der Siedlungspolitik gar nichts zu tun haben kann, auch wenn der Titel uns eine andere Lesart aufdrängen will. Fast habe ich den Eindruck, dass Zorn das Thema verlassen will. Er hält es nicht durch, oder er tut es und ich kann ihm nicht folgen. Wahrscheinlicher ist letzteres.

VI. Das riesenhafte Masada-Projekt nahm hier seinen Ursprung. "Tikkun (Rectification)" könnte eine Vorform der speedigen, spleenigen, gehetzten Stücke wie "Kibi" (siehe "Book of Angels Volume 2") sein.

VII. Dieser Absatz musste gestrichen werden. Er bezog sich auf eine französische, neonazistische Black-Metal-Band, die den gleichen Namen trägt wie diese Arbeit von Zorn und volksverhetzende Texte gebrüllt hat. Suchen Sie nach dieser Gruppe und der EP "Warspirit". Sie werden sich wundern, wo man offen Antisemitisches überall downloaden kann. Ich war und bin entsetzt.

VIII. Die ersten Takte gehören Frank Londons Trompete, dazu gesellt sich David Krakauer auf der Klarinette, die wie ein Saxophon klingen kann. Dieser Beginn ist unübertrefflich, das ist umgedeuteter Klezmer, nicht unbedingt leidvoll, aber Optimismus und Leichtigkeit sind trotz des eher traditionellen Tones sehr weit weg. Lediglich beim neunminütigen "Tzfia (Looking Ahead)" kommen London und Krakauer wieder zusammen, und das ist der mit Abstand blockartigste, komplexeste Track in diesem siebenteiligen Martyrium. Ohne diese beiden Stücke wäre die Gesamtkomposition vermutlich misslungen, ein einziger ästhetischer Zweifel ohne Richtung, ohne Rückhalt. Doch da es sie gibt, hört man etwas Großes, auch dann, wenn Zorn in allzu bewährte Muster seines Personalstils zurück fällt.

IX. Mein Exemplar ist nicht auf Tzadik erschienen, weil es das Label 1993 noch gar nicht gab, sondern bei Eva Records. Später wurde "Kristallnacht" auf Tzadik wieder veröffentlicht.

X. Natürlich ist Zorn gescheitert mit "Kristallnacht". Was haben Sie erwartet? Es gibt keine adäquate Musik für das, was passiert ist. Wer sie erfinden könnte, muss ein Monstrum sein oder überschätzt seine Fähigkeiten in grotesker Weise.

XI. Niemand sonst hätte dieses Wagnis eingehen können außer John Zorn. Doch ich erwische mich bei dem Gedanken, dass er noch viel radikaler hätte sein können. Er hätte eine Platte schaffen können, die bis auf die ersten fünf Minuten völlig unhörbar, giftig ist, nirgendwo abgespielt werden kann, die womöglich den CD-Player von innen zersetzt, oder denjenigen, der sie einlegt, an der Hand verletzt. Ich hätte auch dafür trotzdem Geld ausgegeben. Für eine Musik, die ich gar nicht einlegen will. Man kann auch in Symbole investieren.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Audio CD
November 9, 1938. A lot of crystal was crushed to powder during that night in the Third Reich and Poland. Jews upon Jews were killed and piled up in the streets waiting for the trucks that were to take the bodies to the disposal dump, just like so much trash every morning or so. That's the dedication. What about the music? We enter in a world of sounds first. The sounds of the ghetto, the sounds of the night. Natural sounds like some music from Jewish festivities or nostalgia. Like the Germans and their language ever present in the Ghetto to keep these Jews in line. And these voices start becoming repetitive because out of habit in the ghetto you don't listen to the words, only to the intonation since the words were always the same provided they were in a dominant language, German for example? But it could have been interesting to give some other languages because there were, King Rumkovski for example in Lodz. Then of course a lot of crystal or glass is broken over and over again and again again without stopping for minutes and minutes and a fiddle from high on top of some roof starts lamenting its notes on a background of some repetitive litany from some Jews. It is interesting to listen to tracks like "Never again". Everyone hopes so, but it has happened quite a few times since then, even if the Jews were not the victims, even if the victims were not a racial or ethnic group (though this also happened) but political minorities that had to be eliminated by decision of the political authorities of a country, like Cambodia, or Russia and its gulag, or China and its Cultural Revolution. We should of course also think of us, ourselves and our own actions. Even if the projects and the methods were not the same, what the French did in Indochina or Algeria, what the British did in Kenya or even India, what the Americans did in Vietnam and now in Iraq, not to speak of Korea or Hiroshima and Nagasaki, all these do not have to be ashamed as for the results, the violence and the brutality. The tiger cages of the French colonial army in Indochina, the use of electricity, the recourse to drowning or other water tortures of most invading and colonial armies have little to envy from the Germans. No the shoah is not unique, neither in results nor in objective. Even as for the ethnic or racial approach, the extermination of gypsies was not very different. But the music is a lot more interesting than the titles that are supposed to enlighten us as for the meaning, or rather the general orientation of the interpretation that is mostly added to the music. The Jewish music that intervenes here and there as small tidbits is always submerged by the noise of breaking glass, or rough voices, or lamentations, or percussions that are dull and deep like fate, like the fate of a people that self-declared itself a long long time ago the chosen ones. So chosen that they were thus and therefore designated as the necessary and natural volunteer victims of all persecutions you can imagine, of being the easiest scapegoat to consider in any situation. But is it that simple? If we follow Saul Bellow, certainly not. There is in the Jewish people, and creed, according to Saul Bellow, some morbidity that makes them consider death as a real and necessary companion in life, which makes them easily unaware of hostility when it appears. And the music expresses that very well. These musical sentences that never end or are cut short by some noise or some fiddler on a roof, or some voices, contain their own death in their notes, contain the death of the individuals they come from and are supposed to represent. This morbid dimension is fascinating because death is really the natural companion of life, as Saul Bellow would say, this earth we live on is the big universal mother and the common grave for everyone at the very same time. That reduces the triple goddess to two, and life itself is absent per se, only birth and death, no growing and decaying, but this reduction of the ternarity of God is present from the very first verse of Genesis. And even Solomon imposed a binary structure onto the ternary divinity of the world by doubling it into six, the two cups of man and God. And this music is very close to that binary reduction, black versus white, Jewish versus aggression, menaced life versus triumphant death. The rest is nothing but a vast lamentation. Thus the music is great, strong, powerful, fascinating, inspiring and mesmerizing (if that is not a David's star, what is?). Let yourself dive and even drown into this music and just pray for humanity to be one day able to really stop war, any organized violence and even gratuitous violence. Will the deep death instinct of man accept to lay down its weapons and to start loving others? Asking the question is to divide humanity into two camps those who think so and those who don't, and in between a mass of unconcerned and indifferent egotists.

Dr Jacques COULARDEAU, University Paris Dauphine & University Paris 1 Pantheon Sorbonne
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