Selten legt man ein Fachbuch mit dem Gefühl beiseite, das Lesen am Stück als Erlebnis und Gewinn empfunden zu haben. Mir ging es bei "Krisenkommunikation" so. Man taucht in das mit 260 Seiten nicht einmal besonders umfangreiche Buch ein und verlässt die Tiefe nicht so schnell.
Der nachhaltige Wert dieses Buches liegt für mich in der grundsätzlichen Art, wie die Autoren das komplexe Thema angegangen sind. Der erzählerische Schreibstil führt schwellenlos durch ein Gebiet, welches bisher zu einem großen Teil durch mehr oder wenig zusammenhängende Sammlungen und Fallstudien von verallgemeinernden "Ratgebern" geprägt war. Dabei ist "Krisenkommunikation" im engeren Sinne kein wissenschaftliches Werk. Das Buch sensibilisert für die Befassung mit Krisen, latenten und solchen, die plötzlich auftreten. Es thematisiert in drei Schritten das Wesen der Krise, die richtige Vorbereitung (Prävention) und die angemessene Reaktion. "Völlig überraschend" oder "über Nacht" tritt keine Krise auf. Von daher plädierendie Autoren für eine frühzeitige Auseinandersetzung mit möglichen Krisensituationen und zeigen hierfür auch Lösungen auf. Kommunikation selbst ist per se risikobehaftet. Diese Prämisse wird in dem Werk immer wieder betont. Es ist ein kluges Buch. Es liest sich flüssig und ist theoretisch nicht überfrachtet. Es vermittelt ein Maß an Hintergrund und praktischem Wissen zu dem Thema "Krisenkommunikation", wie man es sich besser nicht wünschen kann. Dabei wäre es falsch, von einem "reinrassigen" Werk der Kommunikationsliteratur zu sprechen. Es ist im Grunde ein Buch, das nicht nur von Pressesprechern, sondern von verantwortlichen Führungskräften in Unternehmen, Verbänden und der Politik angeschaut und (mit Gewinn) gelesen werden sollte.
Manfred Piwinger, Wuppertal