Ein herrliches Selbstdarstellungsbuch des Künstlers und für die ersten Basisschritte im Schnitzen auch recht ansehnlich. Aber dann wird deutlich, daß vermutlich der größte Teil der Info-Suchenden spätestens bei der Ausgestaltung der Feinheiten in den Figuren alleingelassen auf weiter Ebene steht. Es ist eben ein Künstler, der hier sein Können zeigt und dem Detailversessenen gar nicht zeigen will, wie er zu derart ausdrucksstarken Gesichtern kommt. Es gehören bildhauerische Vorkenntnisse dazu, um allein Mund- und Lippenpartien der Figuren in ihrer markanten Reduzierung auf das Wesentliche so hervortreten zu lassen. Mit diesen fundamentalen Fragen bleibt der Betrachter allein - und staunt! Da stellt sich auch Ärger ein! Weil das Buch anfangs suggeriert, da käme man auch hin! Weiteres zeigt sich: die Figuren sind perfekt in der Handwerkskunst und haben längst ein Niveau erreicht, in dem sich der Schaffende um teilweise abstruse (aber gekonnte!) Faltenwürfe kümmern kann. Die Darstellungen sind unheimlich lebendig und überschreiten bisweilen das, was man - z. B. dem Josef - an Gebaren neben der Jesuskrippe überhaupt zutrauen mag. Da wurde das Feld der Manierismen betreten und Mayr unterstellt den Figuren teilweise eine Ausstrahlung, die schwer nachvollziehbar ist. Ich gebe zu, daß das künstlerische Freiheit ist.
Das Buch zeigt jedem Laien eindrucksvoll, wo seine Grenzen sind und doch nimmt man es immer mal wieder in die Hand, um eine Standortbestimmung vorzunehmen.