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Krimkrieg: Der letzte Kreuzzug
 
 
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Krimkrieg: Der letzte Kreuzzug [Gebundene Ausgabe]

Orlando Figes , Bernd Rullkötter
4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
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Produktinformation


Produktbeschreibungen

Pressestimmen

Das Werk des britischen Historikers fordert [...] Konzentration ab. Belohnt wird man dafür mit allem, was ein wissenschaftlich und stilistisch hervorragendes Geschichtsbuch bieten kann: Spannung, Erschütterung, Erkenntnis, Überblick - und verblüffende Aktualität. (Deutschlandradio Kultur )

Figes beschreibt in großer Ausführlichkeit, aber dabei äußerst anschaulich, wie aus einigermaßen nichtigen Anlässen [...] große Politik entstand - und ein großes Schlachten. [...] Ein besonderes Meisterstück von Figes. (Frankfurter Allgemeine Zeitung )

Orlando Figes gelingt es, in einer fein gewirkten und anschaulichen Erzählung die komplexen Motivlagen der Kriegsparteien ebenso wie die weitreichenden Folgen dieses Großkonflikts fassbar zu machen. (Neue Zürcher Zeitung )

Faszinierend [...] Die Motive für den Krimkrieg kommen uns zu Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts seltsam vertraut vor. (WDR 5 )

Orlando Figes, Kenner der russischen Geschichte und Kultur wie wenig andere westliche Historiker, erzählt den Krieg am Schwarzen Meer als ein breit angelegtes Panorama, wie ein Roman aus dem 19. Jahrhundert. (Falter )

Werbetext

· Großes Medienecho · Schlüsselmoment der neueren Geschichte · Wie immer erschließt Figes viele neue oder bislang unbekannte Quellen

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21 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Biographiensammler TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
... hat Orlando Figes mit seinem voluminösen Werk Krimkrieg. Der letzte Kreuzzug" geschaffen.

Wer die kurze, prägnante und sehr sachliche Darstellung liebt, sollte von diesem umfassenden, mit erzählerischer Leichtigkeit geschriebenen, umfassendem Details sowie zahlreichen Zusatzinformationen stark angereicherten Werk Abstand nehmen. Figes, ein profunder Kenner der russischen Geschichte, schlägt einen großen Bogen in dem er Vorgeschichte, den Krieg an sich und Nachwirkungen im europäischen Gesamtzusammenhang auf knapp 680 Seiten ausführlich darstellt.

Der Krimkrieg ist in der deutschen Historiographie bisher kaum betrachtet worden, vermutlich auch der fehlenden Beteiligung geschuldet. Gerade mal in einem neueren militärhistorischen Werk zur Geschichte des Krieges allgemein, dem Sammelband Wie Kriege entstehen", findet sich ein Aufsatz über den Krimkrieg. Ob die zeitgenössischen preußischen und österreichischen Militärs die Erkenntnisse der Franzosen, Engländer, Osmanen und Russen des Krimkrieges ausgewertet und in ihre zukünftigen militärischen Überlegungen einbezogen haben ist aus der Literatur auch kaum nachvollziehbar, aber unwahrscheinlich, finden sich doch im Krimkrieg zahlreiche Elemente des I. Weltkrieges, die bei einem sorgfältigen Lessons Learned" auf allen Seiten vermieden hätten werden können.

Für Figes selbst ist der Krimkireg der I. moderne Krieg der Weltgeschichte in dem nicht nur für damalige Zeiten moderne Waffen wie Hinterladergewehre, gezogene Kanonen mit deutlich höherer Reichweitegenutzt wurden, sondern in dem auch die Kriegsberichterstattung ausführlich und Dank der Nutzung des Telegraphen es schnell ermöglichte, Ereignisse von der Krim in den Hauptstädten der beteiligten europäischen Mächte Frankreich und England sehr schnell verfügbar zu machen. Hinzu kommt das gerade die Presse in England in der Vorgeschichte des Krieges erheblichen Einfluss auf die öffentliche Meinung und damit auch auf die Politik ausübte und sowohl der Russophobie der Engländer Auftrieb gab, als auch danach rief, durch die Unterstützung der offenkundlich Schwachen Osmanen die Prinzip von Freiheit, Freihandel und Zivilisation zu verteidigen.
Ausführlich stellt Figes in den ersten vier Kapiteln die Vorgeschichte des Krimkrieges in der Entwicklung nach 1815 dar und geht dabei im Schwerpunkt auf die Motivation der beteiligten Mächte ein.
Russland, ein zutiefst religiös geprägtes Land, war auch primär religiös motiviert und sah sich als Schutzmacht der orthodoxen Christen im Osmanischen Reich und Schutzmacht der Rechte der orthodoxen Christen in Jerusalem an, nicht von ungefähr beginnt das Buch mit der Darstellung der Entwicklung in Jerusalem einige Jahre vor Ausbruch des Krimkrieges. Russlands Akt der Besetzung der Donaufürstentümer, begründet durch den Schutz der christlichen Minderheit, und die Weigerung diese wieder zu räumen war dann auch Anlass für die Kriegserklärung
Englands Interessen waren primär geostrategisch, um den Russischen Einfluss auf das osmanische Reich und in Zentralasien zu beschränken und vor allem den Zugriff auf die Dardanellen zu verwehren. Die fortschreitende russische Expansion lies die Engländer fürchten, auch Indien sei bedroht und eine russische Kontrolle der Dardanellen würde diesen die Expansion ins Mittelmeer erlauben und somit den englischen Handel bedrohen. Somit war man englischerseits bereit die erste Koalition von christlichen und muslimischen Mächten einzugehen, um diese Gefahr abzuwehren.
Frankreichs Kaiser Napoleon III. war vor allem an einer Revanche gegen die Russen interessiert, die maßgeblich die Verantwortung für Napoleons Niederlage hatten und den Platz Frankreichs als dominierende Macht auf dem Kontinent nach 1815 eingenommen hatten.

Die folgenden sieben Kapitel widmet Figes der ausführlichen Darstellung des Krimkrieges. Unter Verwendung zahlreicher Briefe und Erinnerung der beteiligten Soldaten, Offiziere und Kriegsberichterstatter vermag er eine erschütternde Darstellung von Schlachten, Kämpfen, Waffenwirkung, stümperhaften militärischen Planungen sowie den mangelhaften Lebensbedingungen der Soldaten während der fast einjährigen Belagerung Sewastopols zu geben. Die Masse der Toten des Krimkrieges fiel nicht durch Kämpfe sondern durch Krankheiten vor allem den unzureichenden hygienischen Lebensbedingungen und der schlecht organisierten und durchgeführten Verwundetenversorgung zum Opfer. Figes zeichnet durch seine bildhafte Sprache ein den Leser erschütterndes Gemälde des menschlichen Elends auf beiden Seiten. Das verantwortungslose Handeln der militärischen Führer in diesem Krieg ist aus heutiger Sicht nahezu unbegreiflich.
Im abschließenden Kapitel resümiert Figes die Folgen des Krimkrieges, die neben den politischen Auswirkungen innerhalb des europäischen Mächtekonzertes vor allem in Europa auf gesellschaftlicher Ebene stattfanden. Gerade in England rückte durch die horrenden Verluste und die zahlreichen Verstümmelten der einfache Soldat in den Focus, wie man an dem ersten Kriegerdenkmal für einfache Soldaten und der Stiftung des Victoriakreuzes als allen Soldaten zugängliche Tapferkeitsauszeichnung und zahlreichen Armeereformen nachweisen kann.
Russland wandte sich in seinem Expansionsdrang mehr nach Zentralasien, war an der Revision des für dieses Land demütigenden Friedensvertrages interessiert und näherte sich immer mehr Preußen an und sollte durch seine Position maßgeblich dazu beitragen, Bismarks Einigungskriege möglich zu machen. Innenpolitische Reformen wurden durch den Krimkrieg beschleunigt, wie etwa die Abschaffung der Leibeigenschaft unter Zar Alexander II.

Napoleon III. hatte für Frankreich seinen außenpolitischen Triumpf geschafft, der seine Popularität erheblich steigerte. Frankreich, dass im Zuge der Friedensverhandlungen die Engländer auf Mäßigung drängte und Russland gegenüber Entgegenkommen zeigte, verschaffte sich in der folgenden siegreichen Auseinandersetzung mit Österreich in Italien die nötige russische Rückendeckung, um Frankreich wieder als Hegemonialmacht auf dem Kontinent zu etablieren.

Figes umfangreiche Erklärung von Ursachen, Verlauf und Auswirkung des Krimkrieges überzeugen auf ganzer Linie. Seine lebhafte und bildreiche Sprache machen dieses umfassende Buch zu einem echten Lesevergnügen und wenn man solche umfangreichen historischen Darstellungen mag und die notwendige Zeit aufbringen möchte ist das Buch mehr als nur zu empfehlen.
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32 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
'Der letzte Kreuzzug', so lautet der Untertitel dieser umfassenden Betrachtung einer der blutigsten Auseinandersetzungen des 19. Jahrhunderts. Dieses besondere Stück 'Kriegsgeschichte', dass gerade in Deutschland nicht allzu breit im Bewusstsein verankert ist, legt Orlando Figes auf knapp 700 Seiten nachvollziehbar strukturiert umfassend in Entwicklung, Verlauf und Folgen dieses Krieges vor. Und mehr noch, nachvollziehbar weist er auf, dass durchaus religiöse Motive eine, wenn nicht die, entscheidende Ursache dieses Krieges waren.

Der Geschichtsprofessor am Birkbeck College in London nimmt sich dabei Zeit (und Raum) für seine Darstellung und belohnt den Leser für dessen konzentrierte Leseleistung mit einem detaillierten und, vor allem, umfassenden Blick nicht nur auf die kriegerische Auseinandersetzung selbst, sondern vor allem auf die Bedeutung des Krimkrieges für die Machtverschiebung in Europa.

Russland auf der einen Seite mit starkem Expansionsdrang, vor allem zunächst gegen die Türkei. England und Frankreich als (aus politischem Eigennutz) Verbündete der Türkei auf der anderen Seite sorgen in den Jahren zwischen 1853 und 1856 für den ersten, sogenannten, 'modernen Krieg', in welchem dem technischem Fortschritt ebensoviel Bedeutung zukam wie der reinen Quantität an Truppen und deren entsprechender Ausbildung.

Die Belagerung und Schlacht um Sewastopol ist sicherlich hier ein breit bekannter Begriff und gilt als zentrales Ereignis des Krimkrieges. Anhand vieler direkter Quellen und mit durchaus kraftvoll bildhaftem Sprachstil stellt Figes dieses Ereignis der Weltgeschichte mitsamt der umgebenden Schlachten und Scharmützel plastisch und in ganzer Härte dar. Was da an Berichten aus den Lazaretten vorliegt und an geschilderter Grausamkeit und teilweiser Verrohung mit im Raume schwingt, lässt den Leser nicht unberührt.

Vor allem aber den Kern der Auseinandersetzung und die späteren Folgen für die europäische Balance stellt Figes deutlich heraus. Das Streben von Zar Nikolaus I. nach einem religiösen Großreich, dem vor allem das osmanische Reich im Wege stand (Konstantinopel war zentraler Ort der Begehrlichkeit für ein 'orthodoxes Großreich', zudem hinderte die heutige Türkei den Weg nach Jerusalem) wird von Figes minutiös offen gelegt. Religiöses 'Großmachtstreben' einerseits, Konstantinopel und Jerusalem unter dem Dach der 'orthodoxen Kirche' und der Vorrangstellung Russlands einzunehmen einerseits und die Sorge um den Verlust politischen Einflusses und territorialer (ebenso auch religiöser) Ansprüche auf der anderen Seite sind die eigentlichen Ursachen des Krimkrieges.

Wie also die mittelalterlichen Kreuzzüge liegen die Wurzeln des Krimkrieges wiederum in der Begehrlichkeit, die sich auf das 'heilige Land' richtet. Dort beginnt im Übrigen letztlich auch die Auseinandersetzung, die zum Krieg führten und bei diesen Auseinandersetzungen zwischen Christen verschiedener Glaubensrichtungen (vor allem ausgelöst durch orthodoxe Christen) setzt auch Figes mit seiner Schilderung ein. Und vollzieht von da aus folgerichtig aus dem religiösen Anspruch heraus den dann weltlichen Krieg.

Ein Krieg, der, so legt Figes fundiert dar, keiner der beteiligten Parteien auf Dauer wirklich Nutzen eingebracht hat, im Gegenteil, auf die ein oder andere Weise haben alle beteiligten Großmächte des Krimkrieges letztendlich äußerlich oder innerlich verloren. Schon 15 Jahre später wurden die Verhältnisse in Europa nachhaltig wieder verändert. Im französisch-deutschen Krieg 1870/71, dessen innere und äußere Wurzeln Figes ursächlich mit dem Krimkrieg verzahnt.

Ein sprachlich und in seiner fundierten Recherche ganz hervorragendes Buch legt Orlando Figes vor, in dem er aufzeigt, wie aus eigentlichen Nichtigkeiten ein umfassender Krieg entsteht und wie aus der ersten modernen 'Materialschlacht' der Neuzeit nichts weiter entsteht außer Schwächung aller Beteiligten und späterhin neue Kriege. Das Buch ist jedem historisch interessierten Leser zu empfehlen als Paradebeispiel einer umfassend gelungenen historischen Betrachtung, fordert aber Zeit und Konzentration (und bei der Darstellung des Krieges selber auch gute Nerven) ab.
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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Nach "Die Tragödie eines Volkes" mein zweiter Figes. Ich habe einige Lektüre über den Krimkrieg gelesen, darunter natürlich auch Tolstoi's "Sewastopoler Erzählungen". So war ich neugierig auf die "ultimative" Zusammenfassung dieses Themas durch den renommierten Historiker Figes. Doch wirkliche Begeisterung mag sich nicht einstellen. Dies kann aber auch mit meinen falschen Erwartungen zusammen hängen. Wie der Titel des Buches ja annehmen lässt, erwartete ich mir vor allem eine minutiöse Abhandlung des Krieggeschehens. Hier aber eine grosse Enttäuschung. Die Kampfhandlungen bleiben seltsam farblos, nur selten gelingt es dem Autor eine unmittelbare Wirkung zu erzielen. Strategie und Taktik der damaligen Truppenkörper bleiben weitgehend im Dunkel, die Bewaffnung wird auf wenige Bereiche (Minie-Gewehr) reduziert. Der Nebenkriegsschauplätz Kaukasus wird zum Mauerblümchen und kommt kaum vor. Auch die Tätigkeit der Flottenverbände wird auf wenige Informationen reduziert. Das Kartenmaterial ist dürftig. Vom rein militärhistorisch gesehenen Standpunkt aus daher meiner Meinung nach unbefriedigend. Anderseits, wie ich es schon von "Tragödie eines Volkes" kannte, sehr gelungene, dichte und interessante Zusammenfassung der politischen Vorgänge, welche letzlich zu diesem Kriege führten, sowie die langfristigen Auswirkungen, die bis zum Ersten Weltkrieg reichten. Auch die erstmalig gravierende Rolle der Medien (sprich Zeitungen) wird gut heraus gearbeitet. Die Quellenangaben sind umfangreich, das Fotomaterial gut (wenn auch hier noch mehr möglich gewesen sein sollte). Letzten Endes bleibt bei mir eine Enttäuschung zurück, da ich den rein militärhistorischen Informationsbedarf keinesfalls erfüllt sehe. Damit ist der Buchtitel für mich etwas missverständlich. Als knackiges Werk über Ursprung, Aktion und Auswirkung dieses Krieges aber sicherlich empfehlenswert.
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