Das Buch ist eine Sammlung verschiedener Kurzgeschichten ebensolcher verschiedener Autoren, deren Protagonisten im tierischen Bereich angesiedelt sind. Eine einheitliche Bewertung abzugeben, ist schon durch die Unterschiedlichkeit der beteiligten Autoren unmöglich. Jeder hat seinen eigenen Stil und der muss dementsprechend nicht jedem gleich gefallen. Die Herausgeberin Manu Wirtz hat es aber hier geschafft, Autoren auszuwählen, die zwar unterschiedlich sind, jedoch den Leser nicht zu sehr in verschiedene Stilarten zu drängen. Das Besondere an diesem Buch ist vor allem die Unterschiedlichkeit der verschiedenen Protagonisten, darunter auch solche, mit denen ich als Leser nicht unbedingt gerechnet hätte.
Anke Höhl-Kayser - Das Fenster zum Garagenhof
Durch ihre ungebändigte Neugierde werden zwei Wellensittiche in einen Mordfall verwickelt, lösen das Rätsel und machen Bekanntschaft mit einer ungewöhnlichen Mordwaffe. Man kann sich als Leser hervorragend in die kleinen Vögel hineinversetzen und mit ihnen durch die Gegend flattern. Eine durch die Autorin toll umgesetzte Story, bei der man das Gefühl hat, unmittelbar dabei zu sein. 5 Sterne.
Maryanne Becker - Schweinerei an der Havelchaussee
Ein Mordfall (oder auch nicht?) mit Verwicklungen, Irrungen und einer nicht vorhersehbaren Lösung. Maryanne Becker erzeugt Spannung und nimmt den Leser mit auf eine Reise in die Abgründe der tierischen Welt. 5 Sterne.
Cornelia Aistermann - Missy - ein wahnsinnig braver Hund
Stephen King hätte seine helle Freude an dieser ungewöhnlichen Kurzgeschichte. Obwohl spannend geschrieben und mit schnellem Tempo vorangehend, hätte diese Geschichte doch ein wenig mehr Tiefgang verdient. Mir war sie einfach zu schnell beendet. 4,5 Sterne.
Alexa Thiesmeyer - Es ist etwas faul im Dünnen-Paddock
Teilweise in einem etwas eigenartig anmutenden Telegrammstil geschrieben ist sie doch hervorragend analysiert und beschreibt die Vorkommnisse aus der Sicht eines Islandpferdes. An den Stil gewöhnt man sich schnell, an das Ende leider nicht. Der Leser wurde zu schnell auf den Täter gestoßen und die Lösung des Falles war leider etwas zu konstruiert. Trotzdem hat die Geschichte, auch wegen der ungewöhnlichen Idee, ihre 4,5 Sterne verdient.
Christel K. Haas - Eau de Chochonnet
Als ich die Geschichte zu lesen begann, dachte ich zuerst an eine riesige Sauerei. Ich irrte mich nicht. Christel K. Haas schuf mit den Sauen einige ungewöhnliche und gewöhnungsbedürftige Protagonisten. Leider wurden die Tiere in der Story zu sehr vermenschlicht, was jedoch auch etwas lesenswertes hat. Man hatte den Eindruck, den Schweinen schon begegnet zu sein. 5 Sterne.
Manu Wirtz - Eifelquelle
Man hätte die Geschichte auch "4 Todesfälle und eine Beerdigung" nennen können. Gleich anfangs wird ein armes Mardertier meuchlings von einer Miezekatze ums Leben gebracht. Auch bei zwei anderen Todesfällen war das Kuscheltierchen nicht ganz unschuldig. Seitdem betrachte ich Nachbars Kater mit anderen Augen. Manu Wirtz hat eine lockere, gut zu lesende Story zu Papier gebracht. 5 Sterne sind da angebracht.
Harry Michael Liedtke - Sommerlochkrokodile
Der arme Polizist, der zur Jagd auf ein Krokodil, das angeblich im Kanal gesehen wurde, abkommandiert wird und das selbige schlussendlich auch auf recht unkonventionelle Weise zur Strecke bringt. Leicht und locker zu lesen, leider mit einem Ende, das doch ein wenig unbefriedigend bleibt. Trotzdem sind 4,5 Sterne nicht zu viel.
Carsten Koch - Coming out
Diese letzte Geschichte im Buch ist auch gleichzeitig die ungewöhnlichste. Man denkt nichts Böses, versucht sich ein Bild über den Protagonisten zu machen, der seine Geschichte selbst erzählt, und wird am Ende der Erzählung förmlich vom schwarzen Humor des Carsten Koch überrollt. Die ungewöhnlichste Story im Buch, mit dem ungewöhnlichsten Protagonisten und einem überaus schwarzhumorigen Ende. 5 Sterne ohne Wenn und Aber.
In der Gesamtheit hat dieses Buch die 5 Sterne sicherlich verdient, auch wegen der wunderschönen Illustrationen von Gabrielle Merl, die dem Buch den besonderen Touch verleihen und der Tatsache, das von jedem Buch ein Obolus an die Tiertafel geht.