Auch der vorliegende Band, in dem die Vorgänge im oströmischen Reich einen breiten Raum einnehmen, ist unbedingt empfehlenswert.
Auch hier räumt der Autor mit zahllosen Geschichtsfälschungen auf, entlarvt viele wichtige, im kollektiven Geschichtsbild fest verankerte Geschichtsmythen als Märchen.
Deschners monumentale Kriminalgeschichte ist nicht bloss eine Kirchen- oder Religionsgeschichte, sondern die Geschichte der abendländischen Zivilisation schlechthin. Sie ist DAS Referenzwerk, das gerade im Geschichtsunterricht nicht fehlen darf. Dies auch deshalb, weil der Autor stets seinem humanistischen Ansatz treu bleibt, nie in allgemeine Menschenverachtung, in Zynismus verfällt.
Deschners Haltung ist besonders verdienstvoll, denn das sich ergebende Geschichtsbild bietet ein Panorama, das keine Satire grotesker, kein Alptraum höllischer darstellen könnte.
Um Beispiele aus diesem Band zu nennen: Wie absurdeste theologische Haarspaltereien ganze Reichsteile in mörderische Bürgerkriege stürzen, wo sogar in den Kirchen geschlachtet wird, wo das Papsttum die Ausrottung der ketzerischen (arianischen) Vandalen und Ostgoten betreibt, wobei Italien (auch Mailand...) sowie die nordwestafrikanischen Provinzen als praktisch menschenleere Wüsten zurückbleiben.
Deschners Werk repräsentiert nicht weniger als eine kopernikanische Wende zwar nicht der eigentlichen historischen Forschung, wohl aber der Geschichtsschreibung.
Ob sein Werk jedoch als solches allgemein gewürdigt werden wird, steht in den Sternen.
Es gibt mindestens drei Faktoren, die dessen Rezeption erheblich behindern:
Zunächst die christlichen Kirchen, die ihn totzuschweigen versuchen.
Dann, schwerwiegender, die grosse Mehrheit der deutschsprachigen Historiker (Übersetzungen liegen leider bislang nur ins Italienische vor), die ihn einfach naserümpfend ignorieren.
Und schliesslich die, weite Teile der zeitgenössischen Intellektuellenszene beherrschende Tendenz, die einen Autor, der sich selber als Aufklärer apostrophiert, der logisch argumentiert, der Geschichte moralisch bewertet, ablehnt. Gerade die für manche Feuilleton-Rezensenten charakteristische süffisante Überheblichkeit, mit der sie Deschner mal kurz im Vorbeigehen abfertigen, spiegelt diese geistige Verfassung wieder.
Diese ist massgeblich dem Einfluss der Hermeneutik (Heidegger, Gadamer) zuzuschreiben, die einem erkenntnistheoretischen und ethisch-moralischen Relativismus den Weg gebahnt hat, der die Begriffe wahr und unwahr bzw. gut und böse abgetan hat.
Doch wie steht es mit konkreter fundierter Kritik?
Die meisten Kritiken zielen auf Deschners Laienstatus ab, also seine fehlende geschichtswissenschaftliche Promotion bzw. Professur. Man behauptet, er verwende zuwenig Primärquellen und auch die oft nur anhand von Übersetzungen oder er schreibe bloss aus Sekundärliteratur ab.
Dieser als Ad-Hominem-Argumentation bekannten Technik, die das Werk dadurch in Misskredit zu bringen sucht, in dem es die Person des Autors angreift, ist zu entgegnen:
"Widerlegt Deschner, gut! Aber widerlegt ihn der Sache!"
Da jedoch gilt nach wie vor und zwar auf ALLE gegnerischen Lager bezogen, was Hoimar von Ditfurth Ende der 80er Jahre so formulierte:
"Keinem einzigen der von Deschner reportierten historischen Fakten ist kirchlicherseits bisher widersprochen worden."
Auch hört man immer wieder, Deschners Anklageschriften verschwiegen die positiven Seiten des Christentums.
Diese Argumentation ist ungefähr so sinnvoll, als hielte man einer Darstellung der Nazigreuel entgegen, sie erwähne nicht die vielen (vermeintlich) verdienstvollen Seiten: Lagerfeuerromantik bei der HJ, nationalsozialistische Naturschutzgesetzgebung, Winterhilfswerk, Kraft-durch-Freude-Fahrten.......
Abschliessend sei gesagt: Dass über 200 Jahre nach der Aufklärung unsere Gesellschaft Deschner kaum zur Kenntnis nimmt, sein Werk nicht Furore macht, dass man ihn nicht auch mit öffentlichen Ehren überschüttet, ist schlicht eine Schande.