Karheinz Deschner hat wieder zugeschlagen, könnte man sagen. Und, in der Tat, auf gut 400 Seiten mit einem breiten Anhang, erscheint die Zeit von der "Mitte des 16. bis Anfang des 18. Jahrhunderts" in wiederum bildhafter Sprache mit vielen Seitenblicken und Verweisen auf Nebensächlichkeiten, die allerdings meist interessant sind. Wiederum beschert uns der Autor auch, wie nebenbei, ein weites Feld historischer Betrachtung.
Ein großes "Beackerungs-Feld" nimmt nun das Konzil von Trient ein, dessen Entstehungsgeschichte und die Wirksamkeit der Jesuiten, der Dreißigjährige Krieg naturellement, die sich weiter entwickelnde Kleinstaaterei mit deren eigenen, sich protzig aufspielenden Herrschern, immer noch oder wieder dem edlen, herrschaftlichen Sinn der Renaissance verpflichtet. Dazu kommen wohl der Forschung verpflichtete (gottseidank!), wie schon angedeutet, "Nebensächlichkeiten", die aber keine sind, denn sie zeigen die Situationen in den Regionen (Franken, Köln, Münster usw.) auf, wobei man vielleicht die oberitalienischen Regionen auch näher ins Blickfeld hätte nehmen sollen, den Lago Maggiore etwa, Florenz oder Parma, Pisa, Lucca, Siena und seine Bank und die entstehenden Aversionen zwar nur einzelner Personen (Franz von Assisi) gegenüber der sich schon damals ausbreitenden Macht des Geldes. Übrigens, der fränkische Bischof Julius Echter von Mespelbrunn wird, wenn auch relativ kurz, doch gezielt beschrieben und nicht nur seine herrlichen Bauten, sondern auch sein Vorgehen gegenüber reformierten Christen bis hin zum Scheiterhaufen sogar in eigenen Öfen.
Nun gut, das ist ein weites Feld und fand nicht sobald ein Ende, wie wir wissen.
Die Initiativen der Jesuiten allerdings werden beschrieben, auch deren sogenannte "Reduktionen" in Südamerika, von manchen auch als "Jesuitenstaaten" genannt.
Ignatius von Loyola, dem Gründer des Jesuitenordens wird breiter Raum gewidmet,
ja fast scheint es, als versuche sich Deschner hier etwas romanhaft auzulassen, was Erstaunen und zugleich Schmuzeln erzeugt.
Neben dem Dreißigjährigen Krieg wird sodann zum Schluss auf Frankreich abgehoben,
auf den Sonnenkönig und sein "gutchristliches" Verhalten als Kriegstreiber und wohl sehr beliebtes Vorbild für gleichzeitige und spätere Nachahmer. Ja, die Entststehung von Militärischem im modernen Sinn hat hier wohl ihren Anfang zu verzeichnen.
Das Buch hat wieder viel Gehalt. Die genaue Beschreibung der Reformation und der Gegenreformation, der Kriege und der Verfolgungen bis aufs Blut oder bis zum Scheiterhaufen, das sich gegenseitige Vernichten, auch oder gerade unter dem Vorwand religiöser "Überzeugungen", das alles sollte auch eine Warnung für uns sein. Die Annehmlichkeiten oder gar guten Veränderungen durch Kirche oder ihre Instituionen, Kulturentwicklung, Modernisierung in jedem Bereich bis zum heutigen Tag, das alles ist nicht in der Zielsetzung des Autors Karlheinz Deschner enthalten, da müßte der Titel anders heißen, er heißt aber "Kriminalgeschichte", was gegebenenfalls zu beachten wäre.