Schon im Vorwort eröffnet Karlheinz Deschner, dass er mit seiner Kriminalgeschichte des Christentums völlig neue Wege der Geschichtsschreibung beschreitet: Nicht diejenigen sind die "Großen", die Kriege geführt haben, die andere Menschen und Völker unterjocht haben, die möglichst viele Menschen abschlachten haben lassen, wie Karl "der Große", "der Heilige", Otto "der Große", Konstantin "der Heilige", nein, er sagt die Wahrheit, er nennt die Dinge beim Namen, auch wenn das unschön und ungewohnt klingt: das waren Verbrecher, Massenmörder, Lügner und Verräter. Davon nimmt er auch die Großen der Kirche nicht aus. Deschner will keine umfassende Geschichte schreiben, er schreibt eine Kriminalgeschichte, der Titel intendiert schon die selektive Darstellung. Allerdings auf eine Art und Weise, die ihresgleichen sucht: wissenschaftlich fundiert, hundertprozentig hieb- und stichfest stehen seine Aussagen da. Nicht einmal kirchliche Institutionen konnten Deschner eines falschen Beweises überführen, alles, was Deschner schreibt, ist sicher belegt. Was ich besonders schätze, ist die oft durchschlagende, zynische, stellungnehmende Schreibweise des Autors. Man kann Geschichte nicht schreiben, ohne das Grauen, ohne die Brutalität, ohne den Zorn, der einen dabei überkommen muss. Deschners Stil ist nicht steril, unparteiisch, ganz im Gegenteil: er bezieht Stellung, ohne ungerecht zu werden, stellt die Taten und Aussagen der Kirchenheiligen ihrer eigenen Lehre gegenüber. Er polemisiert. Ich finde das sehr erfrischend.
Zunächst beschäftigt er sich mit den Wurzeln des Christentums, dem Alten Testament und seinen Grausamkeiten, schließlich mit dem jungen Christentum und seiner Stellung zu vorkonstantinischer Zeit: Christen waren geduldet, von "Verfolgung" kann keine Rede sein, ein paar Christen wurden wegen Aufsässigkeit hingerichtet, aber kaum deswegen, weil sie Christen waren. Erst als das Christentum zur Staatsreligion wurde, begannen die Juden- die Heidenverfolgungen, die über viele Jahrhunderte (teilweise bis heute!) andauern. Die frühen Kirchenlehrer, Athanasius, Ambrosius, Augustinus kommen umfangreich zu Wort. Unglaublich, was diese Heiligen Väter von sich gegeben haben, welche Lügen, Doppelmoral, welche Unmenschlichkeiten! Deschner erspart der Kirche nichts. Es stellt sich heraus, dass unter dem Christentum Ströme von Blut fliessen, anfangs das der Juden und der Heiden, immer öfter aber auch Christenblut.
Der Begriff "christlich" oder "katholisch" bekommt eine völlig andere Bedeutung, eine der bisher bekannten diametral entgegengesetzte! Gerade deswegen ein Muss für jeden denkenden Kopf!