Karl V, der neue Pfaffenkönig und Clemens VI. bestimmen das erste Kapitel; Luxus, Orgien, Torturen und die Ausbeutung durch Klerus und Adel. Steuer- und Zehnteintreibung wurde professionalisiert durch "nuntii et collectores". Innozenz VI. mit seinen Ketzerjagden; der Hundertjährige Krieg beginnt; das Großkapitel über das "Christliche Bauernelend und mönchisches Glück" - wie Adel und vor allem Klerus versucht haben, möglichst alle Freien Bauern in Abhängige und Lehensempfänger umzuwandeln, das fand ich sehr interessant; wie Menschen ausgebeutet wurden, verhungerten und ihresgleichen in Salz eingelegt haben; wie immer wieder Bauernaufstände aufgeflammt sind; daneben haben die avignonesischen Päpse in Saus und Braus gelebt, in unvorstellbarem Luxus und Überfluß - ein ekeliger Aspekt der "christlichen Nächstenliebe". Schließlich ging auch das "Exil" in Avignon zu Ende und es begann das Große Abendländische Schisma und der wortwörtliche Krieg der Päpste gegeneinander: jeder Papst für sich ein Monstrum und ein Massenmörder - Urban VI. läßt die eingenen Kardinäle foltern (endlich einmal, möchte man fast sagen!) und ermorden; Bonifaz IX. läßt Geld und Köpfe rollen, als dritter im Bunde Johann XXIII. und schließlich das Konzil von Konstanz, das alle drei Päpste entmachtet.
Schließlich die (versuchte) Reform durch Jan Hus und natürlich die unvermeidlichen "Hussiten"-Kriege. Man muss sich vorstellen: im Spätmittelalter war die Kirche moralisch an einem ihrer absoluten Tiefpunkte angelangt: das Große Abendländische Schisma war im Gange, die Päpste und Bischöfe lebten auf Kosten des ausgebeuteten, ausgehungerten Volkes in unvorstellbarem Luxus und Verschwendung, es herrschten Simonie, Nepotismus, Ablaß, Inquisition und eben ein Schisma mit drei Päpsten. Eine Reform war überfällig; Hus, ein Theologie- und Philosophie-Professor, der nichts weiter wollte, als zur Bibel zurück, prangerte zu Recht die Verschwendung und die Lebensart der Bischöfe an. Ein Bettelmönch habe arm zu sein, nicht reich! Schnell erfaßte die Bewegung Böhmen, Schlesien, Deutschland, Ungarn, Österreich. Schnell wurde er verketzert. Nach mehrmaliger Zusicherung des freien Geleits durch König und Bischöfe ging er freiwillig nach Konstanz zum Konzil, das auch das Große Abendländische Schisma beseitigen sollte, um es als Verurteilter, Gefangener, Gebannter, Verketzerter nicht mehr zu verlassen. Deschner beschreibt genau, wie es zur Verurteilung kam, wie Hus falsche Anschuldigungen unterstellt wurden, wie er öffentlich "verhört" wurde und schließlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Was man nicht verstehen kann ist, dass ein intelligenter Mann wie Hus sich für so einen Schmarrn verbrennen läßt und nicht widerruft. Es folgten über etwa 16(!) Jahre lang die sog. Hussitenkriege, in denen anfangs erfolglos versucht wurde, die Hussiten auszurotten, die sich lange Zeit blutig wehrten. Es gab entsetzliche Gemetzel, tausende Tote auf beiden Seiten, tausende verheerte und ausgemordete Dörfer und wofür? Für eine degenerierte Religion, für einen idiotischen Glauben, für korrupte Bischöfe und Päpste. Eine Schande für jede Religion, für die christliche Kirche sowieso. Die Mitte des 15. Jhds. bringt Judenpogrome durch die christliche Kirche, die Eroberung Konstantinopels durch die Türken, die Geschichte von Jeanne d'Arc, die zunächst als Hexe verbrannt, im 18. Jh. aber heiliggesprochen wird; mit den üblichen (Massen-)Morden, Kreuzzugsaufrufen (Nikolaus V., Calixt I.+II.) und dem allgegenwärtigen Nepotismus zieht die Renaissance herauf. Die bringt auch den Päpsten (noch mehr) Lebensfreude: "Pius II., ein Pornograph wird Papst". Den Vogel bezüglich Nepotismus schießt Sixtus IV. ab, er führt Kriege zugunsten seiner "Neffen", die oftmals seine leiblichen Kinder waren, oft auch und gleichzeitig seine Lustknaben, er wollte ein vereinigtes Herrscherreich unter seiner (und seiner "Neffen") Herrschaft. Die entsetzliche Spanische Inquisition mit dem Bluthund Torquemada verfolgt hunderttausende Menschen, v.a. auch konvertierte Juden, die Maranen. Und das Pontifikat des Innozenz VIII. wird nicht umsonst das "Goldene Zeitalter der Bastarde" genannt. Das gottseidank kurze neunte Kapitel widmet sich den "Anfängen des langen christlichen Hexenwahns". Ein längeres solches Kapitel würde den Leser in die Depression treiben, es ist der blanke Irrsinn, wie verblödet die Leute waren (denen ist kein Vorwurf zu machen), wie die Kirche die Leute gegängelt, ängstigte und bewußt ungebildet ließ. Man bekommt beim Lesen einen dicken Hals, mit welchen Arroganz Menschen verfolgt wurden, die nichts anderes tun als das, was die Kirche und ihre Vertreter seit eineinhalb Jahrtausenden tun: ein geistesschwaches Brimborium aufführen, das im Grunde niemandem weh tut (wenn man nicht andere bei Bedrohung seines Lebens dazu zwingt, denselben Schwachsinn zu glauben und auszuführen). Die Päpste Alexander VI., Julius II. ("der Blutsäufer") und Leo X. waren keine Päpste, wie sich der kleine Mann einen solchen vorstellt, sondern eher Kriegsherren, Finanzmakler, Despoten, Massenmörder, hauptsächlich Nepoten, Hurenböcke (verkehrten mit Schwestern, Töchtern, Knaben, Tieren, ...), prachtverliebte Verschwender usw. So gesehen waren sie klassische Päpste. Verdiente der Leibarzt Leos X. Achangiolo acht Dukaten pro Monat, waren Leos Bruder Giuliano knapp 5.000 (fünftausend!) pro Monat offiziell zugewiesen, seine Hochzeitsfeier ließ Leo mit 150.000 Dukaten ausrichten. Versuchte Alexander VI. recht erfolgreich, seine gesamte Verwandtschaft in Italiens Herzog- und Fürstentümern unterzubringen, auch wenn das Krieg bedeutete oder die Kreation eines neuen Fürstentums oder (meist Gift-) Mord, so suchte Nachfolger Julius II., mit denselben Mitteln, also mit Krieg und Mord, Verrat etc. Alexanders "Neffen" gegen die eigenen auszutauschen. Päpste sahen sich damals viel lieber auf der (den Klerikern verbotenen) Jagd, als persönliche Anführer im Krieg als als geistiges Oberhaupt der (saudummen) Gläubigen. Ein Kurzkapitel über den Ablaß läßt einerseits am Verstand der damaligen Menschen zweifeln (und nicht nur der Ablaß!), gibt einen Überblick über das Hochkommen der Fugger und leitet elegant zu Martin Luther über. Das zwölfte Kapitel: "Man nennt es Reformation" ist bemerkenswert: im Gegensatz zu Horst Herrmann stellt Deschner Martin Luther als haßerfüllten Bauernschlächter dar, der (selbstverständlich durch zahlreiche Zitate belegt) immer wieder gegen die Bauern aufrief, sie zu verfolgen und zu schlachten befahl; genauso verfuhr er gegen die Juden, Zeit seines Lebens, gegen Hexen, für die er die Todesstrafe fordert. Hat Horst Herrmann in seiner umfangreichen Luther-Biographie etwas "vergessen"? Laut Deschner war Luther ein unbarmherziger Sektierer, intolerant, haßerfüllt. Das letzte, dreizehnte Kapitel berichtet über den "Sacco di Roma" - die Eroberung und Plünderung Roms, zwei Drittel der Häuser wurden eingeäschert, vier Fünftel unbewohnbar gemacht, alles, was Leben in sich hatte, ermordert - von christlichen Deutschen, Franzosen und allerchristlichsten Spaniern, die besonders darauf aus waren, Kinder zu vergewaltigen. Man ist froh, dass das Buch zu Ende ist, weil man irgendwann nicht mehr von derlei Grausamkeiten hören kann und will. Doch man muss!! Daher warten wir mit Spannung und Hoffnung auf die letzten beiden Bände der Kriminalgeschichte des Christentums. Dem Autor sei ein langes Leben vergönnt!