Sabina Trooger läßt uns zwar durch Kriemhild die Gegebenheiten durch die Augen der Frau betrachten, jedoch entgegen der Erwartungshaltung des Lesers, finden wir nicht nur die rein emotionale Betrachtungweise, sondern auch die von Vernunft und Logik getragene, sei es bei den politischen, wie auch kämpferischen Handlungen wieder. Damit schafft es die Autorin, der Protagonistin die weibliche wie auch eine starke männliche Seite abzugewinnen. Kriemhild erzählt vom Geschehen und von ihren Eindrücken bezüglich der zwischenmenschlichen Beziehungen derartig, wie es sich tatsächlich auch hätte zutragen können.
Über die Kindheitserfahrungen Kriemhilds bishin zur reifen Frau, wächst der Leser zusehends in die, ihr von Geburt an auferlegte Rolle des erhabenen und besonnenen Vorbildes hinein. Religiöse Hintergründe und damalige, uns fremd anmutende Erziehungsmuster gewinnen dabei an Glaubwürdigkeit und eröffnen dem heutigen Menschen eine andere Sichtweise für die Zeit der späten Antike/des frühen Mittelalters. Mit jedem sich hinzugesellenden Persönlichkeitsmerkmal gewinnt die Protagonistin zum einen an Sympathien, zum anderen ist deutlich zu erkennen, dass sich gewisse Kämpfe in ihrem Inneren durchaus mit denen der Frauen aus unserer Zeit vergleichen lassen.
Die Erläuterungen und Schilderungen zu den Völkerwanderungen sind zeitweise etwas verwirrend, können aber gut nachvollzogen werden, wenn kurz im Internet dazu recherchiert wird, dies ist allerdings kein Muss, um die Grundzüge zu verstehen.
Die Sagen zu den nordischen Göttern, wie auch im besonderen die des Nibelungenliedes finden plausible Erklärungen, entbehren mit ihrer auf Vernunftsbasis dargelegten jeweiligen Erläuterungen in keiner Weise an Attraktivität und Charme (Mythos um Siegfried den Drachentöter).
Mein kleines Fazit: Sabina Troogers Kriemhild, Königin der Nibelungen schenkte mir wunderbare Stunden, aufschlussreiche Fakten und den Wunsch nach mehr...mehr über die Zeit der Völkerwandungen zu erfahren. Mein besonderer und herzlicher Dank gilt der Autorin