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43 internationale Wissenschaftler -- Militärhistoriker, Juristen, Politologen -- untersuchen in diesem Buch Kriegsverbrechen der unterschiedlichsten Art. Sie beginnen mit der Niederschlagung eines Aufstands in Deutsch-Südwestafrika zu Beginn des Jahrhunderts, als die Kolonialherren das einheimische Volk der Herero fast ausrotteten, und enden bei den systematischen Massenvergewaltigungen von Frauen in den Balkankriegen der 90er-Jahre.
Einen Schwerpunkt bilden zu Recht die Verbrechen, die im Zuge des Zweiten Weltkriegs -- zumeist von Deutschen -- begangen wurden: etwa das Massaker von Babij Jar 1941, als Wehrmacht und SS nahe der ukrainischen Hauptstadt Kiew mehr als 30.000 Juden erschossen. Dokumentiert werden darüber hinaus japanische Kriegsverbrechen in China, sowjetische in Polen oder amerikanische in Vietnam.
Die Autoren fragen nach Tätern, Opfern und Hintermännern -- denn oft, das zeigen viele der Beiträge, waren Kriegsverbrechen keine spontanen Gewaltexzesse, sondern wurden systematisch eingesetzt, als Strategie zur Schwächung des Gegners. Eine wichtige Rolle spielen auch die juristischen Anstrengungen, die im vergangenen Jahrhundert unternommen wurden, um Kriegsverbrechen zu verhindern oder wenigstens angemessen zu ahnden: Einen ersten Durchbruch stellte die Haager Landkriegsordnung von 1907 dar. Auch die Nürnberger Prozesse nach dem Zweiten Weltkrieg brachten große rechtliche Fortschritte. Am Ende des 20. Jahrhunderts steht schließlich das Bemühen, internationale Gerichtshöfe einzurichten, etwa die Tribunale zu den Kriegsverbrechen in Jugoslawien und Ruanda.
Das Buch enthält alle historischen, rechtlichen und sozialen Aspekte des Themas, ist von anerkannten Fachleuten verfasst und bietet somit einen umfassenden Überblick über die Geschichte der Kriegsverbrechen im 20. Jahrhundert. --Christoph Peerenboom
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Standardwerk mit 43 qualifizierten Wissenschaftlern,
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Rezension bezieht sich auf: Kriegsverbrechen im 20. Jahrhundert (Gebundene Ausgabe)
Dieser Sammelband, an dem 43 Wissenschaftler, zumeist Historiker, aus vielen Ländern mitgewirkt haben, beschreibt Kriegsverbrechen im 20.Jahrhundert, aber zugleich auch die politischen und rechtlichen Anstrengungen der Staatengemeinschaft, diese durch verbindliche völkerrechtliche Bestimmungen und Sanktionen einzuschränken. Den chronologischen Ausgangspunkt bildet die Haager Landkriegsordnung von 1899 und 1907 mit ihrer Definition von Kriegsverbrechen, ohne allerdings ein entsprechendes internationales Gericht zu deren Ahndung zu schaffen. Dieses wurde ad hoc erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Nürnberger Internationalen Militärtribunal (IMT) geschaffen, und erst jetzt zu Beginn des 21.Jahrhunderts ist die internationale Staatengemeinschaft dabei, einen ständigen Internationalen Strafgerichtshof ins Leben zu rufen. Mit der Verfolgung von Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien, Ruanda und anderswo wurde und wird ein weltweit wahrgenommener Anfang gemacht. Wie widersprüchlich dieser Prozess hin zur Bestrafung von Kriegsverbrechen abläuft, zeigt der Beitrag von Joachim Perels „Probleme der Ahndung völkerrechtswidriger Staatsverbrechen" u.a. am Beispiel der USA, die gleichermaßen Vorreiter eines neuen Völkerrechts zur Ahndung von Kriegsverbrechen und dessen Widersacher - je nach geschichtlicher Konstellation waren. So hatte die US-Regierung kein Interesse daran, den Vernichtungsterror des Roten-Khmer-Regimes in Kambodscha Mitte der 70er Jahre, das von sieben Millionen Einwohnern etwa 1,5 Millionen ausrottete, vor ein Kriegstribunal zu bringen, da die Regierung Pol Pots ein politischer Gegner Vietnams war. Joachim Perels folgert: „Die Wirklichkeit des Völkerrechts blieb eine abhängige Variable der Interessenslage der stärksten Führungsmacht der Welt" (S.26).Der Schwerpunkt dieses Werkes liegt jedoch nicht auf einer Untersuchung der Entwicklung des Kriegsvölkerrechts, sondern auf der geschichtswissenschaftlichen Darstellung von Kriegsverbrechen in verschiedenen Weltregionen und Staaten während des 20.Jahrhunderts. Der Leser soll sich über die historischen Sachverhalte informieren können, von denen in der Regel lediglich die symbolbeladenen Ortsnamen - wie z.B. Katyn, Babij Jar, Nanjing, Dresden, Hiroshima oder My Lai - geläufig sind, ohne dass das hinter diesen Namen verborgene Verbrechensgeschehen im einzelnen bekannt wäre. Dabei ist es den Herausgebern, Wolfram Wette und Gerd R. Ueberschär, beide namhafte Militärhistoriker, gelungen, über deutsche Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg hinausgehend kompetente Wissenschaftler auch für die Darstellung des Forschungsstandes von Kriegsverbrechen anderer Staaten im 20.Jahrhundert zu gewinnen. Yuji Ishida und Uwe Makino beschreiben japanische Kriegsverbrechen in den 30er und 40er Jahren, insbesondere die Massenvergewaltigungen und Massentötungen von Zivilisten in China. Diese korrespondierten ebenfalls mit der Vorstellung des „totalen Krieges". So betont Uwe Makino: „Der ‚Weltanschauungskrieg', der ab dem Sommer 1941 in der Sowjetunion tobte und in der Konsequenz auch den Holocaust beschleunigen sollte, erinnert jedenfalls in seiner Maßlosigkeit an die Verbrechen der Japaner in China" (S.352). Und Yuji Ishida stellt klar, dass die „Gedanken der deutschen Geopolitik, wie die des Wortführers Karl Haushofer, in Japan sehr populär und unter den Militäreliten einflussreich waren. Die deutsche Raumforschung und Raumplanung wurde auch hinsichtlich der Besatzungspolitik in der Mandschurei stark berücksichtigt" (S.334). Weitere Beiträge thematisieren u.a. sowjetische Kriegsverbrechen an der polnischen Bevölkerung, kroatische Morde im Konzentrationslager Jasenovac, niederländische Verbrechen in Indonesien, sowjetische Gewalttaten auf deutschem Boden in der Schlussphase des Zweiten Weltkriegs, den alliierten Luftkrieg gegen die deutsche Zivilbevölkerung und US-amerikanische Gewalttaten während des Vietnamkrieges. Birgit Beck, Historikerin an der Universität Bern, untersucht Massenvergewaltigungen als Kriegsverbrechen in einer geschichtlichen Längsschnittuntersuchung von Ersten Weltkrieg bis zum Krieg im ehemaligen Jugoslawien und beschreibt in diesem Zusammenhang die Entwicklung des Völkerrechts. In der Einrichtung des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien durch den UN-Sicherheitsratsbeschluss vom 25.Mai 1993 sieht sie einen bedeutenden historischen Fortschritt und resümiert: „Alleine durch die Aufnahme dieses Gerichtsverfahrens (erscheint) die Hoffnung berechtigt, dass Frauen in Zukunft nicht mehr die verkannten und ungesühnten Zielscheiben von Kriegsverbrechen sein werden, da die Verantwortlichen für diese Taten mit einer Bestrafung zumindest rechnen müssen. Die rechtlichen Grundlagen dafür sind am Beginn des 21. Jahrhunderts bereits geschaffen" (S.415). Der informative Nutzen dieses verdienstvollen Sammelbandes und seine Bedeutung für die historisch-politische Bildung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Wigbert Benz Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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