Das Kriegstagebuch ist ein faszinierendes, bisweilen schreckliches Dokument über den Vernichtungskrieg Nazi-Deutschlands in der Sowjetunion, das ich jedem dringend ans Herz lege, insbesondere auch wegen der von Chaldej angefertigten Fotografien der NS-Massenmörder in der Haft während der Nürnberger-Prozesse (obwohl so weit das Tagebuch leider nicht reicht, aber Chaldej selbst einige Anmerkungen zu seinen Fotografien verfassen konnte). Es schildert ebenso den mit geschätzten 20 Millionen gefallenen und ermordeten Rotarmisten und Sowjetbürgern errungenen Sieg über Nazi-Deutschland und schweigt nicht dazu, dass der blutige und langwierige Kriegsverlauf auch durch die Ermordung und Deportation großer Teile des Führungsstabes der Roten Armee durch den ausgewiesenen "Menschenfreund" Stalin und die hiermit einhergehende Schwächung begünstigt wurde.
Was das Buch - entgegen der Auffassung des anderen Rezensenten - NICHT zeigt ist, dass "auf beiden Seiten Menschen stehen, oft Familienväter und viele junge Frauen ohne eine Chance auf eine normale Zukunft". Es zeigt überwiegend (naturgemäß) junge Rotarmisten- und Armistinnen in Ihrem Kampf gegen Nazi-Deutschland, die Massengräber, welche die "Familienväter" aus Großdeutschland mit zum Teil begeisterter Hilfe der örtlichen Antisemiten anlegten und füllten sowie ihren finalen Triumph über das glücklicherweise nicht 1000-jährige Reich. Die Fotografien, insbesondere das einer abegebildeten, "nicht heimgekehrten" sowjetischen Scharfschützin sind in der Tat sehr bewegend, da es sich um eine schöne, junge Frau handelt, die zum anderen jedoch einen finsteren, harten Ausdruck um die Augen trägt und man sich bestens vorstellen kann, dass dieser Ausdruck beim Blick durch das Zielfenrohr entstand.
Das Buch verharrt zum Glück auch nicht bei der Feststellung, dass (auf Grund alternativloser Sachzwänge,?) "auf beiden Seiten die Verluste groß [waren] und das Sterben auch nach Kriegsende unvermittelt auf beiden Seiten weiter [ging]", wie es der andere Rezensent behauptet, es schildert vielmehr, wie Chaldej auf der Krim von den nach Auffassung des anderen Rezensenten wohl stark "schicksalhaft leidenden Familienvätern" ermordete Kinder aus Gräbern birgt, wie die Großdeutsche Wehrmacht Kriegsgefangene auf dem Rückzug erschiesst (und damit junge Menschen wohl in der Tat ihrer Zukunft beraubt, wie es der andere Rezensent ausdrückt) oder totmarschieren lässt, bzw. die blutigen Folgen davon. Es zeigt glücklicherweise auch nichts von den wohl nach Auffasung des - um Relativismus bemühten - anderen Rezensenten (den Großdeutschen Vernichtungslagern anscheinend um nichts nachstehenden) "Internierungslagern der Amerikaner" und im "neugegründeten Ostblock"; es klingt freilich in Kriegstagebuch Chaldej's an, dass den kolaborierenden Rumänen nach Kriegsende schlimmes drohen könnte.
(Ausdrücke wie "gegnerische Soldaten" im Jahre 2011 in Bezug auf die Rotarmisten zu benutzen, wie es der andere Rezensent tut und diesen (unsere) Deutschen gegenüberzustellen, ist für mich jedenfalls schwer zu ertragen. Das millionenfache, in industrialisierter Form betriebene Massenmorden der Deutschen und den Angriffskrieg Nazi-Deutschlands als "Ironie des [unvermeidlichen] Schicksals" zu bezeichnen ist gruselig ...