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Kriegstagebuch 1914-1918
 
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Kriegstagebuch 1914-1918 [Facsimile] [Gebundene Ausgabe]

Ernst Jünger , Helmuth Kiesel
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (16 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 654 Seiten
  • Verlag: Klett-Cotta; Auflage: 3., Aufl. (November 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3608938435
  • ISBN-13: 978-3608938432
  • Größe und/oder Gewicht: 23,4 x 15 x 4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (16 Kundenrezensionen)
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Ernst Jünger
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Die Erstveröffentlichung des Kriegstagebuchs - kommentierte Ausgabe mit Nachwort

Mit dieser Ausgabe sind Ernst Jüngers Tagebücher aus dem Ersten Weltkrieg erstmals allgemein zugänglich - ein einzigartiges literarisches und zeitgeschichtliches Dokument und eine editorische Sensation!

»Wann hat dieser Scheißkrieg ein Ende?

Klappentext

Ernst Jüngers Frontbericht »In Stahlgewittern« ist neben Erich Maria Remarques Roman »Im Westen nichts Neues« das berühmteste deutschsprachige Buch über den Ersten Weltkrieg. Die »Stahlgewitter« sind jedoch kein rein fiktionales Werk, sondern basieren auf den 15 Tagebuchheften, die Jünger während des Krieges von der ersten Fahrt an die Front am Jahreswechsel 1914/15 bis zu seiner letzten Verwundung im August 1918 kontinuierlich führte. Der Verlauf vieler Tage wird nur in kurzen Notizen festgehalten, die Kampfeinsätze in den großen Schlachten werden hingegen erzählerisch vergegenwärtigt: Persönliches steht neben Militärischem, Empfindsames neben Martialischem, Amouröses neben Barbarischem,Anrührendes neben Abstoßendem. Und bei alledem lässt sich genauestens mitverfolgen,wie die Erfahrungen des Krieges von Jünger psychisch verarbeitet und stufenweise literarisiert wurden.

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17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
In Stahl- und Wortgewittern 18. Dezember 2010
Von Me too
Format:Gebundene Ausgabe
Dieses Buch ist eine kleine Sensation. Seit Jahrzehnten ist mit Blick auf Ernst Jüngers so folgenreiches Debüt "In Stahlgewittern" von 1920 spekuliert worden, wie sehr sich wohl die literarisch aufbereiteten, von Auflage zu Auflage gründlich umgearbeiteten Erinnerungen aus dem Ersten Weltkrieg von jenen Tagebüchern unterscheiden, die Jünger mit quasi eiserner Disziplin zwischen 1914 und 1918 im Feld führte. Der Autor, der 1998 im biblischen Alter von 102 Jahren in Wilflingen starb, wollte seine Weltkriegsdiarien nicht veröffentlicht wissen. Dass diese jetzt in einer hervorragend kommentierten im Druck vorliegen, ist richtig und dem Germanisten Helmuth Kiesel zu verdanken, der 2007 auch eine Biografie Jüngers publizierte.

Als 19-jähriger zog Jünger, das Notabitur in der Tasche, freiwillig in den Krieg. Er begriff ihn zunächst als ein großes Abenteuer. Kaum verwunderlich also, dass die ersten Notizen des jungen Mannes erkennbar pennälerhaft wirken. Am 4. Januar 1915 heißt es etwa: "Leider sehen wir keinen Franzmann, sonst könnten wir auch mal knallen." Dazu sollte noch reichlich Gelegenheit sein. Denn Jünger hat den "Großen Krieg", wie er in Frankreich genannt wird, vom ersten bis zum letzten Tag mitgemacht. Seine juvenile Abenteuerlust wich aber bald einer nüchternen Sicht auf das große Sterben. Ein Hinweis wie "Dieses schreibe ich in einem weit vorgeschobenen Erdloch" vom 4. Januar 1915 hat keinerlei romantischen Anstrich mehr. Dafür verordnete sich der Soldat Jünger, der es bis zum Leutnant und Träger des nur selten vergebenen Ordens "Pour le Mérite" bringen sollte, jenen kalten und in "In Stahlgewittern" kultivierten Blick auf das Grauen, der ihm über Jahrzehnte als Zynismus ausgelegt worden, wohl aber notwendig gewesen ist, um an dem, was er an der an der Westfront erlebte, physisch und psychisch nicht zu zerbrechen. Im Diarium ist diesbezüglich am 4. Januar 1915 zu lesen: "Der Anblick der von Granaten Zerrissenen hat mich vollkommen kalt gelassen." Und so beschreibt er das Aussehen der Getöteten mit geradezu pathologischer Genauigkeit.

So vollkommen kalt ließ das extreme Geschehen Jünger indes nicht. Eine kurzzeitige Flucht vor dem Grauen bot der Alkohol. Immer wieder finden sich Eintragungen wie "kolossale Sauferei" (4. Juli 1915) und "Den Magen 3 Zoll unter Alkohol scheint mir hier das Beste" (30. August 1916). Und die Feier zur Verleihung des Eisernen Kreuzes an Jünger war so fidel, dass "dieser Fidelität fast die ganze Einrichtung des Kasinos zum Opfer fiel" (20. Juni 1916).

Trotz zahlloser Verwundungen möchte man es als Wirken der Vorsehung bezeichnen, dass er die vier Kriegsjahre überlebte. Nahe genug ist Jünger dem Tod wiederholt gekommen. Am 6. Juli 1916 treffen Schüsse die Latrine, auf der Jünger gerade saß. Später erhielt er einen glatten Durchschuss durch seinen Stahlhelm. Die wurden 1916 erstmals ausgegeben: "Der Stahlhelm verleiht dem Soldaten ein wüstes Aussehen", heißt es dazu am 24. August im Tagebuch. "In Stahlgewittern" hingegen schrieb Jünger poetisierend, dass der erste deutsche Soldat, den er mit Helm sah, "mir sogleich als der Bewohner einer fremden und härteren Welt" erschien.

Auch im Stellungskrieg ging Jünger seiner Passion nach: das Sammeln von Käfern. Und so ist auch ein Käferbuch überliefert, in dem er seine Sammelerfolge aufzeichnete. Die Kollektion, zu der er im Ersten Weltkrieg den Grundstock legte, umfasste bei Jüngers Tod rund 40.000 Exemplare. Literarischer Reflex auf die Leidenschaft war 1967 das Buch "Subtile Jagden".

So stilisiert "In Stahlgewittern" daherkommt, so authentisch ist jeder einzelne Eintrag im Kriegstagebuch. Ernüchternde Äußerungen wie "Am Abend kam die Feldküche angewackelt und brachte einen Scheißfraß" (5. Januar 1915) oder "Wann hat dieser Scheißkrieg ein Ende? Was hätte man in dieser Zeit nicht alles sehen und genießen können" (24. Mai 1917) wird man in den 46 Auflagen von "In Stahlgewittern" vergeblich suchen. Ernst Jüngers Tagebuch ist ein bedeutendes Ego-Dokument aus dem Ersten Weltkrieg und gleichzeitig ein Zeugnis der Geburt des modernen, industrialisierten Krieges aus dem Geist des technischen Fortschritts.
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29 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
"Wenn ich über die grüne Wiese vor mir auf das zerschossene la Baraque sehe, dann muß auch ich, einst so kriegslustiger mir die Frage vorlegen: Wann hat dieser Scheißkrieg ein Ende?"

- Ernst Jünger, Kriegstagebücher, S. 258.

Der Germanist Helmuth Kiesel hat mit der Publikation Jüngers Kriegstagebücher eine editorische Lücke geschlossen, die seit Jahrzehnten im Werke Jüngers klaffte. Zwar verarbeitete Jünger seine Kriegserlebnisse in seinen literarischen Tagebüchern, aus denen die "Stahlgewitter" und das "Wäldchen 125" wohl der Allgemeinheit am bekanntesten sein dürften; allerdings darf nie vergessen werden, dass Jünger als Autor hier ganz bewusst eine Auslese seiner Tagebucheinträge vornahm und diese literarisch verarbeitete. Es handelt sich somit bei den "Stahlgewittern" etc. um Literatur im eigentlichen Sinne, nicht zwangsläufig um historische Quellen.

Nun hat Ernst Jünger als Frontkämpfer aber auch tatsächlich während des Kriegs unmittelbar - zwar unregelmäßig, aber doch oft genug, um die Edition auf mehrere hundert Seiten anwachsen zu lassen - Tagebuch geführt, und es ist der Arbeit Kiesels zu verdanken, dass diese Aufzeichnungen den Weg aus den Archiven in eine Publikation gefunden haben, die für interessierte Historiker wie Germanisten gleichermaßen interessant ist. Interessant deshalb, weil dem Historiker hier eine wertvolle Quelle aus individualgeschichtlicher Perspektive vorgelegt wird; interessant aber auch deshalb für den Germanisten, weil sich hier im Abgleich mit der literarischen Verarbeitung des Themas der Werdegang des Jungautoren Jünger verfolgen bzw. vergleichen lässt.

Über den Inhalt sei nur soviel gesagt: Natürlich geht es um Jüngers Fronterlebnisse im 1. Weltkrieg, aber auch oftmals um banale, manchmal plumpe Gedanken, die ein junger Mensch in diesem Alter nun einmal hegt. Banales und Interessantes, historische und persönliche Erlebnisse wechseln sich hier ab. Es ist und bleibt ein sehr persönliches Tagebuch, das einen Einblick in die Welt eines national gesinnten jungen Frontkämpfers gibt. Auch hatte Jünger wohl nicht den Anspruch, diese Tagebuchaufzeichnungen später in der nun vorliegenden Form veröffentlicht zu sehen (gleichwohl er sehr wohl daran dachte, diese zu konservieren).

Dankenswerter Weise ist den Aufzeichnungen in der Publikation auch ein anhängender, ausführlicher Kommentar Kiesels beigefügt, der sich kritisch mit dem Material auseinandersetzt. Die Publikation wird also auch gehobenen Ansprüchen gerecht und sollte in keiner literarisch-historischen Sammlung zum 1. Weltkriege fehlen. Dem inhaltlichen Werte wird auch eine ansprechende Präsentation bzw. Verpackung der Erstauflage entgegengesetzt: Ein Hardcover-Umband im Stile des frühen 20. Jahrhunderts, versehen mit einem anspruchsvoll gestalteten Pappschuber. Der Band macht sich also auch im Bücherregal ganz hervorragend neben den früheren Jüngerpublikationen.

Selten sind inzwischen solche Publikationen geworden: Innovativ, inhaltlich wie äußerlich sauber gestaltet, mit einem kritischen Kommentar versehen. Wer sich auch nur im Entferntesten für das Thema interessiert, sollte hier zugreifen.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Eine Jugend im Krieg 23. Februar 2011
Format:Gebundene Ausgabe
In dem bei Klett-Cotta erschienenen Kriegstagebuch aus dem Ersten Weltkrieg werfen wir einen ungeschönten Blick auf das Gefühlsleben eines Menschen, seiner Motive und naiven Hoffnungen im tobenden Sturm der Jahre 1914 ' 1918. Jünger ist hier der große Diarist seines eigenen Lebens, schildert frei von ideologischem Pathos oder verbrämten Leitbildern den unvorstellbaren Alltag in den Schützengräben eines Zermürbungskrieges.

Seine erste Flucht vor dem gestrengen Vater führte ihn in den Dienst der französischen Fremdenlegion. Schnell platzten die Wunschträume von Abenteuer und Reisen um die Welt im brutalen Einsatz der Legionäre in Afrika. Nur seinem Vater (welche Ironie) konnte es gelingen, seinen Sohn unbescholten aus der Legion herauszuholen. Nur um dann sofort mitzuerleben, wie sich dieser junge Mann dann erneut an die Front des vor der Haustür tobenden Krieges wirft ' wieder freiwillig und wieder getrieben von Fluchtgedanken und Abenteuerlust.

Sachlich und protokollartig beschreibt Jünger seine Tage in den Schützengräben. Soldatenjargon und die Banalitäten des Kriegslebens von der Ernährung bis zum Ungeziefer bilden hier den Rahmen der Darstellungen. Auch das Töten selbst ist hier eine Banalität. Sein schneller Aufstieg zum Offizier ist den hohen Verlustraten des Gefechts geschuldet. Und Jünger schreibt und schreibt und schreibt. Seine Sichtweise auf den allgegenwärtigen Tod, auf Verlust und Angst lassen klar werden, was die jahrelange Zermürbung aus einem jungen Menschen macht kann. Abstumpfung und Verlust von Ethik und Gefühl können klare Folgen des Kampfes sein ' eines Kampfes der um des Kampfes willen gefochten wird.

Und doch finden wir hier erstaunlicherweise nichts anderes als den Rohstoff für Jüngers spätere Werke.

Den Extrakt der Erlebnisse, komprimiert in Tagebuchform und Jahre danach mit allen Bestrebungen aufgegossen, dem Sterben und den unzähligen Toten doch noch einen Sinn zu geben. Ein verlorener Krieg war unerträglich genug ' verlorene Schicksale und ein verlorenes Leben wollte und konnte Jünger nicht riskieren. 'In Stahlgewittern' kann man dies nachlesen, aufspüren und fühlen. Jüngers Blick zurück war mit den frischen Erlebnissen aus seinen Lebensprotokollen unglaublich geschärft und für Außenstehende mehr als greifbar.

Jüngers Kriegstagebuch ist genau das geworden, was er beim Verfassen der Zeilen sicher nicht beabsichtigte: ein großes Werk gegen den Krieg, dessen Sinnlosigkeit und Menschenverachtung. Die Lektüre dieser mit ausführlichen Anhängen ergänzten Ausgabe zeigt ein völlig neues Bild des bis zu seinem Tod im Jahre 1998 eher abgeklärt wirkenden Autors. Er war selbst hitziges und kaltblütiges Opfer des Krieges.

Die Botschaften tragen bis in die heutige Zeit.

Große Autoren, wie auch Erich Maria Remarque, haben sich Gehör verschafft. Sie haben einerseits verarbeitet und andererseits sind ihre Bilderfluten zu wortgewaltigen literarischen Wogen geworden, die ohne eigene Erlebnisse niemals so entstanden wären. Der klare und ungeschminkte Blick auf die Realität und das menschliche Sein wäre niemals in dieser Ausprägung entstanden.

Dabei ist Krieg nicht nur Teil der Vergangenheit oder abstrakter Gegenstand der Literatur, die wir im Laufe des Jahres lesen. Er ist auch in diesem Jahrhundert Bestandteil unserer modernen Gesellschaft. Das Wort beginnt wieder 'salonfähig' zu werden. Politiker verlieren zunehmend die Scheu und Fassungslosigkeit, das beim Namen zu nennen, was keinen anderen Namen verdient. Und damit stehen sie den Betroffenen und Angehörigen näher als die bequemen Weichspüler, die lediglich an die Sicherheit ihrer Ämter denken!

Unsere Sprache greift zurück auf das unfassbar Fassbare ' auf Worte, die keinerlei Interpretation mehr bedürfen und trotzdem nicht leicht über die Lippen kommen. Keinesfalls.

Wir finden keinen Gefallen am 'Gefallen' ' aber das Wort ist wieder da!

Auch heute kehren junge Menschen aus Kriegen zurück. Auch heute versuchen sie sich wieder Gehör zu verschaffen oder schreibend von Erlebtem zu befreien und vielleicht sind auch unter ihnen die zukünftigen Literaten zu finden, deren klarer Blick sich in ihren noch zu schreibenden Werken wiederfindet.

Wir sollten ihnen zuhören, so wie man Ernst Jünger zugehört hat, so wie man Erich Maria Remarque zugehört hat ' anfangs um zu lesen, wie es jungen Männern und Frauen im Krieg erging und dann schließlich um zu lesen, welch große Worte dort entstanden, wo tiefste Sprachlosigkeit herrschte. Nichts wird beschönigt, nichts dramatisiert und niemand schreibt, um sein Ego auszuleben. Und einen Krieg verherrlicht schon lange niemand mehr!

Es sind Nachrichten aus der Ferne an diejenigen, die sich ' in sicherer Distanz zum Geschehen ' vor dem Fernseher mal kurz zurücklehnen und für den Bruchteil einer Sekunde zwischen dem dramatischen Schicksal eines Unfallopfers bei 'Wetten dass' ' und der nächsten Sportsendung daran denken, dass 'DA' ja auch noch was war' 'DA' ja auch was passiert und 'DA' gottlob ganz schön weit weg ist. Nicht jedoch für diejenigen, die sich dort befinden.
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