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Kriegsland im Osten. Eroberung, Kolonialisierung und Militärherrschaft im Ersten Weltkrieg
 
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Kriegsland im Osten. Eroberung, Kolonialisierung und Militärherrschaft im Ersten Weltkrieg [Gebundene Ausgabe]

Vejas Gabriel Liulevicius
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 374 Seiten
  • Verlag: Hamburger Edition; Auflage: 1. Aufl. (15. Oktober 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3930908816
  • ISBN-13: 978-3930908813
  • Größe und/oder Gewicht: 23,8 x 16,5 x 3,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 617.197 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Vejas G. Liulevicius
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Dieses Buch ist ein wichtiger Beitrag zur Frage der Kontinuität zwischen Kaiserreich und 'Drittem Reich', die deutsche Historiker in den letzten Jahren zunehmend aus dem Auge verloren haben.« (Volker Ullrich, Die Zeit)

Kurzbeschreibung


Die Ostfront im Ersten Weltkrieg
Schon im Ersten Weltkrieg war die Eroberung und Kolonialisierung des Ostens eines der wichtigsten militärpolitischen Ziele Deutschlands. Wie reagierten die dort lebenden Völker auf diesen Herrschaftsanspruch, mit dem angeblich ein historisches Vermächtnis eingelöst und ein kultureller Auftrag erfüllt werden sollte? Und wie gingen die Besatzer mit den Reaktionen um? Indem Liulevicius Antworten auf beide Fragen gibt, zeigt er zugleich, wie auf deutscher Seite ein Bild vom Osten und seinen Bevölkerungen entstand, das sich, getragen und gefestigt durch bestimmte Mentalitäten und Ideologien, im nächsten Krieg auf so verhängnisvolle Weise auswirken sollte. Wenn von der Ostfront die Rede ist, lässt das gewöhnlich an Begriffe, Bilder und Namen denken, die sich auf den Zweiten Weltkrieg beziehen. Vergessen wird häufig, dass auch der Erste Weltkrieg im Osten geführt wurde. Weite Teile der heutigen baltischen Staaten, Weißrusslands und der Ukraine sind schon damals von deutschen Soldaten besetzt worden, und die militärischen Erfolge prägten einen Blick auf diese Länder und ihre Bewohner, der nach Kriegsende in besonderem Maße die Entstehung und Akzeptanz weitreichender Eroberungs- und Siedlungspläne begünstigte.
Der vorliegenden Band beginnt mit einer Beschreibung der Eindrücke und Gefühle, die der erste Kontakt mit dem Osten für das Gros der deutschen Soldaten hervorrief. Das abweisende Klima, die Vielzahl und Verschiedenartigkeit der einheimischen Völker und deren überall konstatierte Rückständigkeit hatten einen doppelten Effekt, der während des Krieges in unterschiedlicher Intensität präsent bleiben sollte: Zum einen wurde die Krie gführung den geänderten Umständen angepasst, denn einem angeblich regellos kämpfenden Feind gegenüber sah man sich selbst nicht mehr an die Kriegsregeln gebunden. Zum andern - und darauf legt Vejas Liulevicius in seiner Darstellung das Hauptgewicht - wurde mit dem Krieg eine Kulturmission verbunden, die den Menschen in den besetzten Gebieten die Überlegenheit deutscher Ordnung, Disziplin und Arbeit demonstrieren sollte. Den äußeren Rahmen dieser Mission und zugleich ein Garant für ihren Erfolg sollte ein Militärstaat nach den Vorstellungen Ludendorffs sein, ein Staat der totalen Erfassung und Kontrolle seiner Bewohner, in dem das als bedrohlich empfundene Fremde durch infrastrukturelle Maßnahmen und Kulturprogramme gemildert und zugleich beherrschbar gemacht werden sollte.
Das Projekt scheiterte. Wie der Autor an vielen Beispielen zeigt, stärkten die deutschen Bemühungen zur Festigung ihrer Dominanz lediglich den Widerstand im Besatzungsgebiet und förderten dort den Prozess der na türlichen Identitätsfindung. Entscheidend aber war, dass gut sechs Monate nach dem Sieg an der Ostfront der Krieg im Westen verloren ging. Damit wurde auch der Friedensvertrag von Brest-Litowsk, Symbol für die deutsche Herrschaft über riesige Teile des Ostens, hinfällig.
Die Idee einer Ausweitung des deutschen Machtbereichs nach Osten blieb indes lebendig. Ihr sichtbarstes Zeichen war das von offiziellen Stellen halb geduldete, halb geförderte Wüten der Freikorps im Baltikum, in dem sich wie unter einem Brennglas die mythisch und mystisch aufgeladene Wahrnehmung des Ostens äußerte. Es markierte den deutlich sichtbaren Anfang eines Radikalisierungsprozesses, in dessen Verlauf aus einem ursprünglich ethnologisch-folkloristischen Interesse ein pseudo-wissenschaftliches Konzept von Raum und Rasse wurde. Was als angeblich historisch begründbare Kulturmission begonnen hatte, machte nun Vorstellungen von einem "Ostland" Platz, für dessen Bevölkerung nurmehr ein Helotendasein unter germani scher Herrschaft vorgesehen war

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Von timediver® HALL OF FAME REZENSENT TOP 100 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Während sich eine Vielzahl von Untersuchungen ausschließlich mit der Psychologie des Fronterlebnisses und seiner Erscheinungsformen an der Westfront des 1. Weltkrieges befasst, werden die kulturellen Auswirkungen und das Ostfronterlebnis entweder vollständig ignoriert oder höchstens an der Peripherie gestreift. Das besondere Merkmal dieses "unbekannten Krieges" war, das er in der Zwischenkriegszeit nicht so leicht mythologisiert werden konnte, wie die Grabenkriege an der Westfront. Gleichwohl sich bereits während des Ersten Weltkrieges wichtige Ansichten über den Osten und einer "zivilisatorischen Mission" der Deutschen herausbildeten, ist das Ostfronterlebnis und sein langfristiges Vermächtnis in Historikerkreisen nach wie vor eine terra incognita geblieben.

Östlich des von kaiserlich-deutschen Truppen besetzten "Generalgouvernement Warschau" und dem österreichisch-ungarisch okkupierten "Militärgouvernement Lublin" versuchte General Erich Ludendorff den monolithischen Militärstaat "Ober-Ost" zu errichten. Seine Utopie ging weit über die Ziele des traditionellen Konservativismus und Monarchismus hinaus indem sie ein vollkommen neuartiges und modernes Herrschaftssystem schaffen wollte. Bürokratisch, technokratisch, rationalisiert und ideologisiert sollten unter dem Motto "deutsche Arbeit" Land und Leute umgeformt und der Weg für eine dauerhafte Inbesitznahme geebnet werden. Ein engmaschiges Kontrollsystem über das Territorium und die einheimische Bevölkerung sollte durch die "Verkehrspolitik" installiert werden. Hierzu wurden moderne Überwachungs-, Erfassungs- und Dokumentationstechniken eingesetzt. Daneben wollte der Militärstaat "Ober-Ost" den "ungehobelten ungebildeten und primitiven einheimischen Völkern" mit dem "deutschen Organisationstalent" eine neue Kultur oktroyieren, um sie dadurch kultivieren und beherrschen, sprich kolonialisieren zu können.

Für seine bereits im Jahre 2002 unter dem Originaltitel "War Land on the Eastern Front: Culture, National Identity, and German Occupation in World War I (Studies in the Social and Cultural History of Modern Warfare)" erschienene Studie hat der litauisch-stämmige Historiker Vejas Gabriel Liulevicius eine Fülle von Dokumenten zusammengetragen und ausgewertet.Methodisch sind die diese Quellen zwei unterschiedlichen Typen zuzuordnen. Während es sich bei den einen um offizielle Schriftstücke mit amtlichem Charakter handelt, spiegeln die anderen Erfahrungen der einheimischen Bevölkerung mit der deutschen Besatzungsmacht. Daneben holt der Autor bei der Schilderung historischer Ereignisse auch weit bis in die Vergangenheit aus, wenn er beispielsweise bemerkt, dass die Eroberung der Stadt Vilnius durch die preußischen Totenkopfhusaren auf die Litauer wie die Auferstehung der Deutschordensritter wirkte. Der Leser erfährt eine Reihe von hintergründigen Details, z. B. dass die Litauer die älteste indoeuropäische Sprache sprechen und Europas letzte Heiden gewesen waren. Bemerkenswert ist auch die religiöse Toleranz der litauischen Großfürsten im Mittelalter, die in Vilnius ein "Litauisches Jerusalem" als Zentrum des Lernens und der jüdischen Aufklärung hatte entstehen lassen. Liulevicius ist es jedoch nicht nur gelungen, die Ostfronterlebnisse und militärische Utopie von "Ober-Ost" in umfassender Weise darzustellen, sondern auch ihre weiteren Auswirkungen. In den Kapiteln "Das deutsche Bild vom Osten", "Die Krise" und "Der Freikorps-Wahnsinn" beschreibt er die Erfahrungen und das "Gedankengut" aus denen schließlich der Generalplan Ost erwachsen sollte.

Demgegenüber bleiben die Wahl des Herzogs Wilhelm von Urach am 13. Juli 1918 zum litauischen König Mindaugas II. oder der ebenfalls nur avisierte Machtantritt von Adolf Friedrich, Herzog zu Mecklenburg, als Staatsoberhaupt des am 5. November 1918 in Riga ausgerufenen Vereinigten Baltischen Herzogtums nur sehr kleine Fußnoten. Vielmehr sollten unselige Begriffe wie "Volk ohne Raum", "Lebensraum im Osten", "Ostarbeit", "Osteinsatz" und "Drang nach Osten" und das Bild des "Wehrbauern im Uralgebirge" sowie Lieder vom "Ostland", "Ostlandfahrer" usw. im Sinne der NS-Rassenideologie gerade im Osten zu einem totalen Krieg und erbarmungslosen Völkermord führen.

Als Standardwerk ist die erschöpfende Analyse des "unbekannten Krieges" und seiner mörderischen Folgen mit fünf Amazonsternen zu bewerten.
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