Andreas Kilb, FAZ, Literaturbeilage vom 6. Oktober 2004
Das erste der vier Kapitel von Luhs Studie handelt ausführlich von den Transport-, Versorgungs- und Medizinalproblemen des barocken Heerwesens. Es malt ein eindrucksvolles Tableau von Pleiten, Pannen und Profiteuren, von Hunger- und Seuchentod, von Lazaretten, die Schlachthäusern, und Feldlagern, die Lazaretten gleichen. [...] Dennoch liest man diese Studie mit Gewinn, denn sie füllt eine Lücke, die gerade im deutschen Sprachraum besonders groß ist.
Kurzbeschreibung
Zwischen 1650 und 1800 gab es kaum ein Jahr, in dem die europäischen Armeen nicht Festungen belagerten oder Schlachten austrugen. Feldakten, zeitgenössische Bildquellen und persönliche Aufzeichnungen von Kriegsteilnehmern dokumentieren die allgemeinen Strukturmerkmale der Kriegsführung dieser Zeit. Krieg und Kriegsführung waren konstitutiver Bestandteil der adligen Lebenswelt und wurden von epochenspezifischen Normen und Eigenheiten des adligen Selbstverständnisses wie Ehre oder Courtoisie beeinflusst und bestimmt. Gleichermaßen wie Zeremoniell, Kunst oder Festkultur unterlag auch die Kriegsführung den Vorgaben der herrschaftlichen Repräsentation und Selbstdarstellung. Jürgen Luh legt dar, wie der Ästhetik des Kriegsgeschehens gegenüber der Effizienz von Waffen und Ausrüstung der Vorzug gegeben wurde. Infolgedessen unterblieben in verschiedenen militärischen Bereichen bewusst Veränderungen, die für den Dienst im Feld sinnvoll und leicht ausführbar gewesen wären. Doch rangierte in sämtlichen europäischen Armeen der Zeit gesellschaftliche Konvention vor technisch-taktischer Innovation.