"Das offizielle Buch zur Serie" steht auf einem weißen Kreis, den der Gestalter des Covers mitten in die Trümmer eines zerbombten Hauses platzierte. Eingedruckt und daher nicht zu entfernen. Ob das TV-Begleitbuch zur gleichnamigen Dokumentationsreihe in vier Teilen die Erwartungen der Zuschauer erfüllt, kann ich nicht beurteilen. Denn ich habe die Serie nicht gesehen. Aber dafür kann ich dieses Buch mit anderen Werken zum Thema vergleichen. Zum Beispiel mit "Kriegsenkel" von Sabine Bode, "Kriegskinder" von Gertrud Ennulat oder "Gebrannte Kinder" aus der Reihe Zeitgut. Dass letztere beiden im dürftigen Literaturverzeichnis von Yury und Sonya Winterberg nicht aufgeführt werden, finde ich ebenso seltsam wir das knappe, eineinhalb Seiten umfassende Vorwort. Einmal mehr stellte ich mir die Frage, was sich Autoren, Herausgeber und Verlage unter einem Begleitbuch vorstellen. Lasse ich einige Werke Revue passieren, die in letzter Zeit unter dieser Gattungsbezeichnung veröffentlich wurden, habe ich immer mehr das Gefühl, Begleitbücher seien eine Art Merchandising von TV-Produktionen. Aber leider eher trockene und manchmal sogar lieblose Artikel.
Lieblosigkeit würde ich den beiden Autoren nicht unterstellen. Aber der 1965 geborene Diplompsychologe und freie Journalist Yury Winterberg und die 1970 geborene Journalistin Sonya Winterberg nehmen für meinen Geschmack allzu sehr die Haltung auf Distanz bedachter Dokumentarfilmer ein. Die Texte decken zwar ein breites Spektrum der Erlebnisse von Kriegskindern ab, berührten mich aber weniger als die Lebenserinnerungen in der Ich-Form anderer Bücher. Daran konnten auch die am Schluss eines Kapitels angeführten Erlebnisse weiterer Zeitgenossen nichts ändern. Werden persönliche Erfahrungen von Bildern begleitet, kann man ihre Weitergabe auch einem Erzähler anvertrauen. Aber steht nur der Text, schafft die Form zwangsläufig Distanz. Das Thema ist selbstverständlich wichtig genug, dass solche Bücher konzipiert und produziert werden sollten. Und wenn die Autoren damit erreichen, dass die Dokumentationsreihe noch stärkere Spuren hinterlässt, ist das Unterfangen geglückt. Dennoch bleibt bei mir das ungute Gefühl zurück, dass man es hätte besser machen können. Zum Beispiel indem man prominenten Zeitzeugen weniger Raum zugestanden und die geschilderten Erlebnisse in der Ich-Form verfasst hätte.
Mein Fazit: Gut, dass mit diesem Begleitbuch den Zuschauern der TV-Serie die Möglichkeit geboten wird, sich noch intensiver mit dem Thema zu beschäftigen. Weniger gut finde ich die konzeptionelle und formale Umsetzung. Und gar nicht gut kam bei mir das Kapitel "Weiterführende Literatur" an.