Wer
Die Kinder des Nebels, den ersten Band dieser Trilogie, noch nicht kennt, bitte nicht weiterlesen. Um KRIEGER DES FEUERS angemessen rezensieren zu können, komme ich nicht darum herum, wichtige Details aus dem ersten Teil zu erwähnen.
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Kelsier führte den Untergang des Ewigen Reiches und des gottgleichen großen Herrschers herbei. Doch sein Tod hinterlässt eine Lücke, die niemand zu füllen vermag. Während Elend zusammen mit Kelsiers alter Truppe versucht in Luthadel ein auf Gerechtigkeit und Freiheit basierendes Königkreich aufzubauen, sammeln sich 3 Armeen zum Angriff auf die Hauptstadt. In Luthadel, so wird gemunkelt, befinde sich der Atium Vorrat des großen Herrschers, ein Schatz, von unermesslichem Wert.
KRIEGER DES FEUERS ist der zweite Band der Nebelkinder Trilogie, ein Übergangsband also, und ich hatte meine Bedenken. Immerhin setzte er dort an, wo Fantasyzyklen üblicherweise haufhören - mit der Vernichtung des Schurken und der Selbstopferung eines Hauptcharakters. Würde die Handlung genügend Substanz aufweisen und wieder an Fahrt gewinnen? Würden Elend und Vin den Abgang Kelsiers kompensieren und als Liebespaar überzeugen können?
Ich hätte mir meine Zweifen sparen können, denn Brandon Sanderson beweist, dass er mehr drauf hat als coole Magiesysteme zu entwerfen. In gewisser Hinsicht gefiel mir KdF sogar besser als
Die Kinder des Nebels. Zum einen muss Sanderson die Welt und insbesondere sein fantastisches auf dem Verbrennen von Metallen basierendes Magiesystem nicht mehr in allen Einzelheiten vorstellen und vermeidet damit die etwas unbeholfenen Infodumps aus Band 1. Zudem fühlt er sich in seinem Magiesystem merklich wohler und traut dem Leser mehr zu. Egal ob Vin gegen Assassinen kämpft, in einer Verfolgungsjagd über die Dächer von Luthadel wirbelt oder gegen die feindlichen Armeen kämpft - ihre Action- und Kampfszenen sind atemberaubend! Aber TWoA lebt nicht von Actionszenen allein.
Sandersons Idee, dort anzusetzen, wo Fantasyzyklen normalerweise aufhören, ist nicht völlig neu - aber er setzt sie kompetent und überzeugend um. So muss Kelsiers Truppe erkennen, das von den Seitenlinien aus leicht kritisieren ist, selbst zu regieren um einiges schwerer, dass Tyrannei auch etwas für sich hat (Fraktionen werden unterdrückt und können einander nicht die Köpfe einschlagen oder einem das Leben schwer machen) und dass das plötzlich befreite Volk ganz schön undankbar sein kann.
Dabei fehlt Kelsier weniger als erwartet - zumeist in jenen Momenten, in denen sein Tod beklagt und seine Führungskraft von den verbleibenden Charakteren vermisst wird. Vin und Elend als Hauptcharaktere verleihen dem Buch einen anderen Anstrich, der nicht unbedingt schlechter ist. Sie durchlaufen glaubhafte Charakterentwicklungen und füllen ihre Rollen, in die sie hineingedrängt wurden, immer besser aus. Insbesondere bei Elend ist dem Autor ein Kunststück gelungen. Der introvertierte, naive, optimistische und loyale Bücherwurm und Philosoph wandelt sich zu einem überzeugenden König und das, ohne seinem ursprünglichen Charakterentwurf untreu zu werden. Seine Liebesbeziehung zu Vin ist etwas gar keusch, was bei Sanderson auch nicht anders zu erwarten war.
Diese Charakterentwicklungen, politischen Wirren sowie die Actionszenen peppen die Handlung auf, von der ich anfangs nicht viel erwartet hatte (eine Belagerung durch 3 Armeen roch mir zu sehr nach Pattstellung). Auch hier musste ich meine vorgefasste Meinung revidieren.
Zugegeben, das Buch hätte etwas Kürzung vertragen (Sanderson neigt dazu Bekanntes mehrmals zu beleuchten) aber es liest sich so flüssig, dass man die Länge kaum merkt.
Der letzte Teil der Trilogie soll
Herrscher des Lichts heißen.