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Krieger Des Lichts (Single Version)
 
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Krieger Des Lichts (Single Version)

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Aus dem Album Krieger Des Lichts
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Für Kurzgeschichte verwendet 24. Dezember 2009
Mein Licht ist schön, könnt ihr es sehn?

Am 13. November wird es nachmittags früh dunkel. Es ist kurz vor fünf, kühl, und feiner Sprühregen fällt.
Über dem gepflasterten Marktplatz in Niederwennerscheid, ein Fünfhundert-Seelen-Ort im Rhein-Sieg-Kreis, liegt erwartungsvolle Unruhe. Hier stehen Kinder und Erwachsene bereit, um mit Sankt Martin durch die Straßen zu ziehen.
Die Kleinen sind stolz auf ihre leuchtenden Laternen mit den fröhlichen Mondgesichtern, auf ihre in Kitas, Kindergärten und Schulen gebastelten Lampions aus schwarzem Karton und buntem Pergamentpapier. Aufgeregt zerren ihre Finger an den Händen und Jackenärmeln von Mutter, Vater oder Großeltern.
Sankt Martin soll kommen. Sie wollen ihn sehen. Hoch zu Ross, in seiner Rüstung, seinem wallenden, roten Mantel und seinem Schwert.
Mitten in der Menge befinden sich auch die neunjährige Sarah und Lea, ihre Freundin. Sie haben sich vor vier Monaten auf dem Pausenhof der Gemeinschaftshauptschule Neunkirchen-Seelscheid kennen gelernt. Lea ist bereits zehn. Die blonden, Pferdeschwanz tragenden Mädchen bleiben nicht unbemerkt, beide halten ein Laser-Lichtschwert in den Händen, dessen hellblaues Leuchten vielen wartenden Eltern und Kindern auffällt.
Sarah dürfte eigentlich nicht dabei sein. Nach einem Streit mit ihrem siebenjährigen Bruder um das Lichtschwert hat ihr die Mutter vor ein paar Stunden verboten am Martinszug teilzunehmen, doch es ist ihr gelungen sich unbemerkt aus dem Haus zu schleichen.

In Sarahs Kinderzimmer ging es gegen Mittag hoch her.
Den Lautstärkeregler weit aufgedreht, dröhnte die neueste CD von Silbermond aus der Sony Mikroanlage, Krieger des Lichts:

Und wenn dein Wille schläft, dann weck ihn wieder
Denn in jedem von uns steckt dieser Krieger
Dessen Mut ist wie ein Schwert
Doch die größte Waffe ist sein Herz.

Sarah kannte das Lied längst auswendig, sang Wort für Wort mit und wurde in ihrer Fantasie für einige Augenblicke ein mächtiger Krieger des Lichts. Barfuß stand sie auf dem alten Flokati, der in der Zimmermitte auf den Bodenfliesen lag.
Zwischen Nussbaumschrank, pinkfarbenem Himmelbett und einem verkratzten Schreibtisch hielt Sarah mit beiden Händen den Griff des blau strahlenden Laserschwerts umklammert. Sie wehrte sich mit dem Laserstab gegen die wuchtigen Schwerthiebe eines imaginären Fechters. Schnell wurden ihre Arme müde. Sie überlegte angestrengt, wie der ungleiche Kampf wohl enden würde, als Lukas durch die offen stehende Tür hereinstürmte und keuchend gegen sie rannte. Sarahs zarter Körper schwankte.
'Du bist gemein', schrie Lukas heiser, er brütete seit zwei Tagen eine mögliche Grippe aus und zog die Nase schniefend hoch, 'das Laserdings gehört mir, ich habe es zum Geburtstag bekommen und du hast es einfach weggenommen, gib es mir wieder, sonst sage ich es unserer Mama!'
Zankereien wie diese gehörten zwischen Sarah und Lukas zum Alltag.
Immer wollte der eine genau das haben, was der andere gerade in den Händen hielt.
Diesmal ging es darum, ob Sarah am Abend, für den Sankt-Martins-Umzug, das neue Lichtschwert ihres Bruders mitnehmen durfte.
'Lukas, du bist dafür noch viel zu klein, stell dich nicht so an', giftete Sarah, bekam rote Flecken im Gesicht und hielt das Schwert fest. Wütend schnitt Lukas ihr eine Fratze und rief krächzend: 'Du lügst, das ist überhaupt nicht wahr.' 'Doch', antwortete Sarah böse und beide spielten das 'Doch-nein-doch-nein'-Spiel solange, bis es ihrer Mutter unten in der Küche zuviel wurde.
Mit einem leisen Seufzer auf den Lippen stieg sie die Treppe hinauf, ging in Sarahs Zimmer und meinte an die beiden gerichtet: 'Es wird besser sein, wenn wir heute Abend hier bleiben und nicht zum Martinszug gehen. Lukas, so erkältet, wie du bist, kannst du bei diesem Wetter nicht draußen herumlaufen, und du, Sarah, gehst heute ohne uns nirgendwo hin!'

Pünktlich um fünf greift Sankt Martin zum Sattelknauf, schiebt seinen linken Fuß in den Steigbügel und zieht sich auf den Rücken des unruhigen Pferdes hoch. Im klammen Sattel sitzend, verteilt er den roten Mantelstoff um seine Schenkel, klopft dem Schimmel beruhigend den Hals, lässt die Zügel locker und folgt im Schritt dem losziehenden Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr. Das Tier ist aufgeregt, rollt mit den Augen, lässt unablässig die Ohren spielen. Auf das Stimmengewirr der Menschen hinter sich, das Scharren ihrer Füße, die bunten Laternen und die ungewohnt laute Musik von vorne reagiert es nervös.
Hinter dem Pferd formieren sich die Menschen. Eltern, Großmütter und -väter bringen ihre laternen- und fackeltragenden Sprösslinge sicher durch die schmalen Straßen und Gassen des Ortes. Alle passen besorgt auf, dass den Kindern nichts passiert.
Der Martinszug biegt nach einer halben Stunde auf der Schlussgeraden in die Ortsbitze ein. Beim Anblick der vielen hell erleuchteten Hauseingänge und Fenster hebt der Stabführer des Spielmannszugs erneut den Tambour-Stab, zählt gut hörbar bis drei und die Kapelle beginnt zu spielen:

St. Martin, St. Martin St. Martin ritt durch Schnee und Wind,
sein Ross, das trug ihn fort geschwind.

Eine viertel Stunde später fällt auf dem umgepflügten Acker von Hiertsiefers das lodernde Holzgestell des Martinsfeuers funkensprühend in sich zusammen, die Leute wünschen einander einen schönen Abend und ziehen in kleinen Gruppen mit den eigenen Kindern von Haustür zu Haustür.
Um halb sieben sind Sarah und Lea die letzten singenden Kinder, die noch unterwegs sind. 'Wir müssen aufhören und zurück', meint Sarah zu ihrer Freundin, 'meine Mutter flippt sonst völlig aus, sie wird gemerkt haben, dass ich weg bin.' Lea nickt zustimmend. Zu diesem Zeitpunkt sind beide in der Oberen Gasse unterwegs. Die Obere Gasse ist ein Weg mit wenigen Häusern, zahlreichen tiefen Schlaglöchern und fehlender Straßenbeleuchtung.
Auf einer Seite steht dichter Tannenwald, in dem das Unterholz nur selten geschnitten wird, und direkt gegenüber befinden sich große, mit Stacheldraht unterteilte Viehweiden.
Lea hat eine Idee.
'Sarah, du läufst schnell vor zu Stolzes, hinten, das letzte Haus rechts, und ich gehe hier zu Lückers, danach treffen wir uns, teilen die Süßigkeiten auf und gehen nach Hause. Ich warte gleich, bis du wieder da bist.'
Warum muss ich dorthin?, denkt Sarah, läuft aber los. Läuft mit ungutem Gefühl an dem Tannenwald vorbei, der sich als dunkle Wand fünfzig Meter entlang der schmalen Straße hinzieht.
Immerhin verbreitet das Laserschwert in ihrer Hand Trost und ausreichend Helligkeit, um die Löcher im Asphalt zu erkennen.
Lea sieht dem auf und ab hüpfenden Leuchtstab von Sarah eine Weile nach, dreht sich um und geht durch den Vorgarten auf Lückers Haus zu. Lückers sind verschlossene Menschen, es dauert lange, bis die Haustür offen steht und Lea ihr Martinslied singen kann.
Die gehbehinderte Frau Lücker holt aus der Küche eine Tafel Schokolade und steckt sie in Leas Sammelbeutel.
Sarah trifft es besser an. Stolzes haben in Erwartung von umherziehenden Martinskindern die Außenbeleuchtung angelassen.
Frau Stolze öffnet sofort nach dem ersten Klingeln, schaut neugierig in Sarahs Gesicht. Sarah ist außer Atem, bemerkt erstaunt, dass sie Frau Stolze kennt. Sie hat sie bei REWE hinter der Kasse gesehen.
Sarah holt tief Luft und hört sich selbst singen:

'Ich geh' mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir. Da oben leuchten die Sterne und unten leuchten wir.'

Frau Stolze unterbricht Sarah mit einer ungeduldigen Handbewegung: ' Kind, schön hast du gesungen, aber es ist genug, du gehst besser schnell nach Hause, es ist schon spät. Du bist die Letzte heute, nach dir machen wir keinem mehr auf. Ich gebe dir die restlichen Marsriegel mit und dann lauf schnell Heim.'
Kaum ist Sarah wieder auf dem löchrigen Weg, da schaltet Frau Stolze gedankenlos die Außenbeleuchtung ab und im gleichen Moment verlöscht Sarahs Leuchtschwert.
Sie schüttelt das Schwert, doch es bleibt aus.
Sarah schluckt, nun muss sie den ganzen Weg im Dunkeln zurücklegen, sie hat Angst. Gut, dass Lea hinten auf sie wartet.
Ihr Herz klopft wild.
Sie geht tapfer los und singt dabei, das macht sie im Keller auch immer so. Das hilft manchmal die Furcht zu besänftigen.
Sarahs Stimme klingt hell und zittrig:

'Mein Licht ist aus, ich geh' nach Haus. Rabimmel, rabammel, rabumm.
Ich trag mein Licht ...'

Links von Sarah, nicht weit weg, raschelt es.
Sarah erstarrt, runzelt verstört die Stirn, hört von Gänsehaut überzogen das Atmen eines Menschen.
Aus dem Tannenwald heraus bewegt sich etwas auf sie zu. Leise erklingt eine raue, fremde Stimme, übernimmt Sarahs angefangene Liedzeile, singt sie zu Ende:

' ' ich fürcht mich nicht. Rabimmel, rabammel, rabum.'

In den Morgenausgaben der regionalen Tageszeitungen taucht unter einer großen Überschrift das Bild von Sarah auf:

Vermisstenanzeige!

Am Sankt-Martins-Abend, in der Nacht zum 13. November, verschwindet im Rhein-Sieg-Kreis spurlos die 9-jährige Sarah Sandmann. Lesen Sie weiter... ›
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